Der Abschied steht vor der Tür: Am 31. Januar 2020 verlässt Großbritannien die die Europäische Union. Weil mit diesem Austritt auch viele rechtliche Veränderungen verbunden sind, ist nicht nur die Wirtschaft verunsichert. Auch Verbraucher wissen oft nicht, was die rechtliche Neuordnung der Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU für Auswirkungen hat. Aus diesem Grund klärt aktuell die Verbraucherseite des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) auf: “Brexit: Darauf müssen sich Versicherungskunden jetzt einstellen”. Die Änderungen gemahnen zur Gelassenheit.

Altersvorsorge-Vertrag bei britischen Lebensversicherern: EU-Recht hat für viele Anbieter Bestand

Britische Lebensversicherungen erfreuten sich in der Vergangenheit auch bei deutschen Kunden einer großen Beliebtheit. So halten nicht wenige deutsche Kundinnen und Kunden Vorsorgeverträge von Anbietern wie Scottish Widows Limited, Standard Life, Clerical Medical oder Royal London. Und der Brexit gab durchaus Grund zur Sorge. Gefürchtet war besonders das Ungültig-Werden alter Verträge durch einen harten Brexit – und damit einen Brexit ohne Einigung zwischen Großbritannien und der EU. Aber es kann Entwarnung gegeben werden.

Denn viele Anbieter reagierten auf die Bedrohung, indem sie Tochtergesellschaften in EU-Ländern gründeten und den gesamten Vertragsbestand auf diese Tochterfirmen übertrugen. So liegen die Verträge von Standard Life oder Royal London nun bei einer Unternehmenstochter in Irland. Die Verträge der Scottish Widows Limited (SWL) liegen in Luxemburg. Für Kundinnen und Kunden innerhalb der EU bleibt EU-Recht durch dieses Übertragen der Bestände weiterhin gültig. Ebenso bleiben individuelle Vertragsbedingungen eines jeden Kunden unberührt.

Zwar wiesen Finanzexperten auch darauf hin: In Ländern wie Irland existiert keinen Schutzfonds wie der britische Financial Services Compensation Scheme (FSCS). Deswegen könnte der Insolvenzschutz nun geringer sein. Jedoch: Die Finanzlage der britischen Lebensversicherer ist stabil. Selbst die Verbraucherschützer der Stiftung Warentest warnten folglich davor, Verträge vorschnell zu kündigen. Stattdessen hätten Kundinnen und Kunden nun genügend Zeit, verschiedene Möglichkeiten zwischen einer Kündigung und einer Fortführung des Vertrags zu prüfen – denkbar ist zum Beispiel auch eine Kapitalzahlung, ein Verkürzen des Vertrags, ein Beitragsfrei-Stellen des Vertrags oder gar ein Verkauf an Anbieter, die Lebensversicherungen aufkaufen. Für eine solche Entscheidung kann ein professionelles Beratungsgespräch behilflich sein. Grund zur überstürzten Eile jedoch besteht nicht.

Übergangsfrist schafft Raum für Entscheidungen

Aber auch, wenn Verträge von Kundinnen und Kunden bei Anbietern nicht auf europäische Töchter übertragen wurden, besteht kein Grund zur Eile. Denn nach dem Brexit gibt es eine Übergangsphase bis zum 31. Dezember 2020 – bis dahin müssen alle Versicherungsunternehmen in Großbritannien die bislang in der EU geltenden Regeln einhalten. Die Übergangsphase schafft auch für andere Versicherungsverträge und Produkte die Möglichkeit, das weitere Vorgehen zu prüfen und hierzu gegebenenfalls Expertenrat einzuholen.

Kfz-Versicherung: Mögliche Änderung erst ab 1. Januar 2021

Auch für die Kfz-Versicherung ändert sich aufgrund dieser ausgehandelten Übergangsfrist bis zum 31. Dezember 2020 zunächst nichts. Und auch für die Kfz-Versicherung gilt: Erwartete Veränderungen liefern keinen Grund zur Panik. Denn weiterhin gilt der Schutz einer Kfz-Versicherung in Großbritannien ohne Einschränkungen.

Einzige mögliche Änderung: Ab 01. Januar 2021 könnte es Pflicht sein, bei Einreise nach Großbritannien die Internationale Versicherungskarte für den Kraftverkehr – auch “Grüne Karte” genannt –mitzuführen. Diese Karte bescheinigt in Nicht-EU-Ländern den Einreisenden einen Versicherungsschutz in der Haftpflichtversicherung gemäß den Bestimmungen des jeweiligen Gastlandes. Erhältlich ist die Grüne Karte kostenlos beim Kfz-Haftpflichtversicherer. Ob aber zukünftig tatsächlich die Grüne Karte bei Einreise nach Großbritannien mitzuführen ist, ist nach jetzigem Stand noch nicht sicher.

Keine Auswirkungen auf die Reise-, Haftpflicht- und Unfallversicherung

Für Reise-, Haftpflicht- und private Unfallversicherungen hat der Brexit laut GDV hingegen überhaupt keine Konsequenzen – ihr Schutz gelte in aller Regel weltweit. So gesehen ist der Brexit zumindest für Versicherungskunden kein Grund zur Unruhe – viele Bedingungen verschiedener Versicherungen bleiben gleich. Und für Lebensversicherungen bleibt genügend Zeit, sich Rat beim Experten zu holen.

Wer Knatsch mit seinem Versicherer hat, kann sich beim Versicherungsombudsmann beschweren: eine anerkannte Streitschlichtungsstelle der Branche. Dieser präsentierte vor wenigen Tagen die Zahlen für das abgelaufene Jahr 2019. Positiv: Die Verbraucher hatten deutlich weniger Grund, sich zu beschweren.

Der unabhängige Versicherungsombudsmann hat 2019 deutlich weniger Beschwerden von Kunden über ihren Versicherer erhalten. Das berichtet aktuell der Dachverband der Versicherer (GDV) und beruft sich auf den aktuellen Tätigkeitsbericht. Mit 16.928 Beschwerden erreichten den Streitschlichter gut sieben Prozent weniger Anträge als im Jahr 2018.

Alles in allem habe sich die Gesamtzahl der Beschwerden zum Vorjahr um 7,5 Prozent auf 17.528 reduziert, so schreibt der Verband weiter. Gut 4.500 dieser Anträge hätten Ombudsmann Wilhelm Schluckebier und sein Team als unzulässig abgewiesen.

Sehr wenige Beschwerden über Vermittler

Noch besser sieht sogar die Bilanz aus, wenn man allein auf Versicherungsvermittler blickt. Knapp 200.000 Personen sind in Deutschland als Versicherungsvertreter, -makler oder -berater tätig. Aber nur 261 Beschwerden erreichten den Ombudsmann speziell zu den Vermittlern in 2019. Das entspricht einer Beschwerdequote von 0,13 Prozent gemessen an der Gesamtzahl der Tätigen in diesen Berufen: Wobei man sogar noch berücksichtigen muss, dass sich einige Kunden mehrfach über einen Vermittler beschweren können.

Der Versicherungsombudsmann ist eine 2001 gegründete unabhängige Schlichtungsstelle der Versicherungswirtschaft, die aber von der Politik ebenfalls anerkannt wird. Grundlage ist das sogenannte Verbraucherstreitbeilegungsgesetz (VSBG). Haben Kunden Ärger mit dem Versicherer, kann die Stelle eine erste Anlaufstelle sein. Unabhängige Juristen prüfen eine Beschwerde, ohne dass extra Kosten entstehen: abgesehen von Kosten für Porto bzw. den Kontakt. Weitere Details zu Anträgen finden sich auf versicherungsombudsmann.de.

Das Positive aus Sicht des Kunden: Bis zu einem Betrag von bis zu 10.000 Euro kann der Ombudsmann einen Versicherer zur Leistung verpflichten. Liegt der Streitwert darüber, ist der Schlichtungsspruch für die Gesellschaft nicht bindend: Erfahrungsgemäß folgen die Versicherer aber auch dann meist der Auffassung des Ombudsmanns.

Bei Vermittlern hingegen ist die Entscheidung nicht bindend, der Ombudsmann kann aber Empfehlungen aussprechen. Die Ombudsstelle erklärt ihre Entscheidung verbraucherfreundlich anhand der aktuellen Gesetzeslage.

Ansprüche verjähren nicht

Wer einen Schlichtungsantrag stellt und gegen den Versicherer vorgehen will, muss keine Sorge haben, dass er bei einem unbefriedigenden Ergebnis nicht später vor Gericht ziehen kann. Während des Prüfverfahrens verjähren die Ansprüche nicht, eine Klage ist später immer noch möglich: unabhängig davon, wie der Ombudsmann entscheidet.

Seit dem April 2019 ist Wilhelm Schluckebier neuer Chef der Ombudsstelle: Ein renommierter Jurist, der unter anderem bereits am Bundesgerichtshof und dem Bundesverfassungsgericht tätig war. Über aktuelle Erfolgszahlen der Beschwerden ist noch nichts bekannt: Diese werden erst später mit dem Jahresbericht veröffentlicht. Aus früheren Veröffentlichungen weiß man jedoch, dass beinahe jede zweite Beschwerde zur Zufriedenheit des Kunden ausfällt, weil der Versicherer klein beigibt oder dem Betroffenen entgegenkommt, indem man sich außergerichtlich einigt.

Zu beachten ist darüber hinaus, dass die private Krankenversicherung eine eigene Schlichtungsstelle unter Vorsitz von Heinz Lanfermann hat (pkv-ombudsmann.de). Sie handelt alle Beschwerden zu PKV-Themen ab: Private Krankheitskostenvollversicherung, Private Pflegepflichtversicherung oder Zusatzversicherung.

Verliert man einen Wohnungsschlüssel oder einen Schlüssel des Arbeitgebers – zum Beispiel den Büroschlüssel – kann dies schnell teuer werden. So schätzen Verbraucherzentralen: Der Verlust eines Gemeinschaftsschlüssels kostet schnell so viel wie ein Kleinwagen. Hier hilft der richtige Versicherungsschutz.

Es kann schnell gehen: Man steht vor der Wohnung und bemerkt, dass der Schlüssel fehlt. Im besten Fall ist Unachtsamkeit die Ursache des Verlusts, und man hat den Schlüssel einfach irgendwo liegen lassen, so dass die Chance besteht ihn wiederzubekommen. Im schlimmsten Fall ist man Opfer eines Diebstahls geworden oder hat ihn verloren. Wer aber richtig versichert ist, der lindert den Schaden.

Schlüsseldienst: Abzocke droht

Der erste Griff bei Verlust des Schlüssels ist oft der Griff zum Handy. Helfen doch Schlüsseldienste, in die Wohnung zu kommen. Doch Vorsicht: In der Vergangenheit wurden immer wieder unseriöse Anbieter bekannt, die Betroffene in ihrer Not durch überteuerte Preise abzocken wollten. Insbesondere bei auffallend günstigen Preisen sollten die Alarmglocken läuten.

So warben Anbieter dafür, für nur fünf Euro die Tür zu öffnen – plötzlich wurden aber vor verschlossener Tür 500 Euro in bar verlangt. Doch nicht nur bei solchen Tricks droht Unbill. Die Preisspanne bei einem Test der Stiftung Warentest lag zwischen guten 65 Euro Minimum und 415 Euro Maximum. Verbraucherschützer halten – je nach Bundesland oder nach Tages- oder Nachtzeit – aber Komplettpreise von 60 bis 150 Euro für angemessen.

Da ist es gut, wenn man weiß: Wucherpreise bei Schlüsseldiensten können juristisch geahndet werden. So hat unter anderem das Amtsgericht Bergisch Gladbach die Sittenwidrigkeit eines Vertrages bemängelt, da die Kosten den Durchschnittspreis um fast 200 Prozent überschritten (Az. 68 C 404/13). In einem anderen Fall verurteilte ein Gericht einen Anbieter sogar zu einer Gefängnisstrafe, weil er wiederholt einen hohen vierstelligen Betrag verlangte. Wer sich vor einer Schlüsseldienst-Abzocke schützen will, sollte eine Rechtsschutzversicherung abschließen.

Verlust von Wohnungs- und Haustürschlüsseln: Haftpflichtschutz geboten

Ist man aber nach Schlüsselverlust erst einmal in die eigene Wohnung gelangt, ist der Ärger noch nicht ausgestanden. Denn zunächst müssen andere informiert werden. Können doch Einbrüche und Folgeschäden drohen. Demnach ist als erstes der Vermieter oder die Hausverwaltung zu informieren.

Da durch das Auswechseln der Schlösser oder gar durch den Austausch ganzer Schließanlagen hohe Kosten drohen, empfiehlt sich auf jeden Fall der Abschluss einer privaten Haftpflichtversicherung. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) informiert hierzu auf seiner Verbraucherseite: Ob und wie hoch der Versicherungsschutz ist, hängt vom einzelnen Vertrag ab.

So ist der Verlust von Wohnungs- und Haustürschlüsseln zwar häufig durch die Haftpflicht-Police abgesichert – zum Beispiel der Verlust von “privaten fremden Schlüsseln”. Jedoch sollten Vertragsbedingungen unbedingt auf diesen Versicherungsschutz hin geprüft werden. Auch kann die Höhe der Kostenübernahme begrenzt oder kann eine Selbstbeteiligung vereinbart worden sein. Ist man sich unsicher, ob die eigene Haftpflicht-Police den Schlüsselverlust privater Schlüssel abdeckt, lohnt sich Rat von einem Fachmann.

Schlüsseldiebstahl: Hausratversicherung muss informiert werden

Besondere Obacht ist geboten, wenn der Schlüssel gestohlen wurde – zum Beispiel durch Entwenden einer Handtasche, in der sich ein Wohnungsschlüssel befand. Denn verfügen Diebe über Papiere und Wohnungsschlüssel, ist nicht ausgeschlossen, dass sie in die Wohnung einbrechen. In einem solchen Fall sollte schnellstens die Polizei, aber auch die Hausratversicherung informiert werden.

Denn dringen Diebe tatsächlich mit gestohlenem Schlüssel in die Wohnung ein, leistet die Hausratversicherung für die gestohlene Sachen. Eine Verbraucherseite der Stiftung Warentest informiert aber darüber: Dies ist nur dann der Fall, wenn zuvor auch der Diebstahl des Schlüssels bei dem Versicherer gemeldet wurde. Ohne Meldung hingegen kann die Versicherung die Leistung kürzen oder sogar ganz verweigern.

Verlust beruflicher Schlüssel: nicht immer durch Policen abgedeckt

Besonders teuer kann es werden, wenn berufliche Schlüssel verloren gehen. So kostete der Verlust eines Dienstschlüssels durch einen Lehrer 25.000 Euro, da die komplette Schließanlage einer Schule zu ersetzen war. Zumal es bei Verlust fremder betrieblicher Schlüssel notwendig sein kann, zum Beispiel Objektschützer für ein Firmengelände zu engagieren. Auch für solche Fälle kann Versicherungsschutz über die private Haftpflichtversicherung abgeschlossen werden.

Die Haftpflichtversicherung leistet in der Regel nur, wenn der Tarif den Verlust “fremder” beruflich oder betrieblich genutzter Schlüssel auch umfasst. Wer sich über den Umfang seines Versicherungsschutzes unsicher ist, sollte deshalb auch für das Risiko des Verlusts beruflicher Schlüssel dringend eine Expertin oder einen Experten zu Rate ziehen. Denn wer nicht genügend für solche Risiken abgesichert ist, dem drohen aufgrund hoher Kosten ernste finanzielle Folgen.

Vor einem besonders tückischen Betrugsversuch warnt aktuell das Bundesministerium der Finanzen (BMF). Denn Betrüger versenden im Namen einer “Organisation Transparenzregister e.V.” betrügerische E-Mails und verlangen eine kostenpflichtige Registrierung. Mit dem offiziellen Transparenzregister des Bundesfinanzministeriums zur Bekämpfung der Geldwäsche jedoch haben die Absender nichts zu tun. Vielmehr soll das Unwissen vieler Gewerbetreibender schamlos ausgenutzt werden, um Geld zu ergaunern.

Ominöser Verein will Geld ergaunern

Die E-Mails werden zum Beispiel mit dem Betreff “”Zahlungsaufforderung – Verstoß gegen das Geldwäschegesetz” versendet. Auch wird behauptet, man habe sich noch nicht in das Transparenzregister eingetragen. Dies stelle “eine Ordnungswidrigkeit dar”. Folgt man aber dem Link, kommt man keineswegs zur offiziellen Seite des Transparenzregisters. Stattdessen bietet ein ominöser Verein Dienste an, für die man sich kostenpflichtig registrieren – und folglich zahlen – soll.

So soll ein Mitgliederbeitrag in Höhe von 49,00 Euro über den Link ergaunert werden. Außerdem droht eventuell zusätzlicher Schaden durch weitere kostenpflichtige Dienste oder gar durch einen Phishingversuch – beim Phishing versucht ein betrügerischer Angreifer, das Opfer zur Herausgabe sensibler Informationen zu bewegen. Schon die kostenpflichtige Registrierung aber erzeugt Unbill und Schaden.

Aus diesem Grund warnt das Bundesfinanzministerium auf seiner Webseite ausdrücklich davor, auf diese oder ähnliche Mails zu reagieren. Auch soll auf keinen Fall eine Registrierung auf der betrügerischen Seite des ominösen Vereins vorgenommen werden oder gar eine Zahlung geleistet werden. Stattdessen soll der Inhalt der Mail ignoriert und die Mail gelöscht werden.

Eintrag ins öffentliche Transparenzregister: Stets kostenlos

Auch weist das Bundesfinanzministerium darauf hin: Eintragungen in das offizielle (und damit tatsächliche) Transparenzregister sind stets kostenlos. Die offizielle Internetseite lautet www.transparenzregister.de. Der offizielle Betreiber des Transparenzregisters im Sinne des Geldwäschegesetzes (GwG) ist kein Verein, sondern die Bundesanzeiger Verlag GmbH – als Beliehene durch das Bundesfinanzministerium.

Gewerbetreibende: Eintragungspflicht ins offizielle Transparenzregister prüfen

Auch der Bundesverband Finanzdienstleistung (AfW) als wichtiger Interessenverband Gewerbetreibender warnt in einer Pressemitteilung vor dem betrügerischen Verein und betrügerischen E-Mails. Zugleich empfiehlt er aber: Gewerbetreibende sollten prüfen, ob Sie ihrer Eintragungspflicht in das echte Transparenzregister des Bundesfinanzministeriums schon nachgekommen sind. Dort müssen Unternehmen, Vereine, Genossenschaften und Stiftungen diejenigen Personen eintragen, die bei ihnen als “wirtschaftlich Berechtigte” Einfluss ausüben. Dies soll gemäß Geldwäschegesetz verhindern, dass Geld an kriminelle oder terroristische Akteure fließt.

Gesellschaften, die ihre Beteiligungsverhältnisse schon im Handelsregister veröffentlicht haben, haben hingegen bereits ihre Transparenz-Pflicht im Sinne des Geldwäschegesetzes erfüllt – diese Gesellschaften müssen laut AfW ihre Beteiligungsverhältnisse nicht mehr eigens beim Transparenzregister melden.

Auskünfte zum offiziellen Transparenzregister der Bundesregierung sind – aus dem deutschen Festnetz kostenlos – unter der Servicenummer 0800/1234337 erhältlich.

Auch Studierende können bereits eine private Berufsunfähigkeits-Police abschließen. Und das ist gar keine so schlechte Idee, wie ein Blick auf die Absicherung von Studenten zeigt.

Zu einer der wichtigsten Versicherungen, die immer wieder dem Verbraucher nahegelegt werden, gehört die Berufsunfähigkeitsversicherung. Das betonen sogar die Verbraucherschützerinnen und Verbraucherschützer von der gemeinnützigen Verbraucherzentrale NRW: Ein ausreichender Berufsunfähigkeitsschutz sei ein “absolutes Muss”, heißt es in einer Publikation. Zu dieser Versicherung gäbe es “praktisch keine Alternative”. Denn das Risiko “Berufsunfähigkeit” ist seit einer Rentenreform im Jahr 2001 nicht mehr durch den staatlichen Schutz versichert.

Berufsunfähigkeit: Nicht mehr durch den Gesetzgeber abgesichert

Als “berufsunfähig” gilt, wer seinen zuletzt ausgeübten Beruf infolge Krankheit, Körperverletzung oder Alter ganz oder teilweise auf Dauer nicht mehr ausüben kann – Orientierungswert ist eine Einschränkung ab 50 Prozent. Die Definition bezieht sich hierbei auf den zuletzt ausgeübten Beruf. Die Rentenkasse aber sichert eine solche “Berufsunfähigkeit” seit 2001 nicht mehr ab. Stattdessen besteht Anspruch auf Leistungen nur noch für die Erwerbsminderung.

Bedingungen für eine Erwerbsminderungsrente aber sind äußerst rigoros: Volle Erwerbsminderung nach dem 6. Sozialgesetzbuch liegt demnach erst dann vor, wenn die oder der Betroffene wegen Krankheit oder Behinderung weniger als drei Stunden täglich arbeiten kann — egal in welcher Tätigkeit. Dass demnach ein Chirurg, der berufsunfähig ist und Kriterien der Erwerbsminderung noch nicht erfüllt, zum Beispiel als Pförtner arbeiten muss, ist durchaus vorstellbar. Dieses Beispiel zeigt: Die Überprüfung des privaten Versicherungsschutzes ist dringend geboten

Berufsunfähigkeitsversicherung: Empfehlenswert besonders für Studierende

Aber können auch Studierende eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen? Zu dieser Frage gibt es viele Irrtümer, über die aktuell ein Anbieter von BU-Versicherungen aufklärt. Denken doch viele Menschen: “Studenten und Auszubildende können noch nicht versichert werden, weil sie ja noch keinen Beruf ausüben.” Das aber ist falsch.

Im Gegenteil: Ein zeitiger Abschluss einer BU-Police wird sogar für Studierende empfohlen. Das sehen nicht nur Versicherer so. Sondern sogar der verbrauchernahe Bund der Versicherten (BdV) warb auf dem Campus der Universität Hamburg für den Abschluss einer BU-Police unter Studierenden. Zum Ersten nämlich gehen Versicherer dazu über, das Studieren mit dem gleichen Status zu versehen wie die Berufstätigkeit. Noch wichtiger aber ist: Eintrittsalter und Gesundheitszustand entscheiden wesentlich über die Beitragshöhe für den so wichtigen BU-Schutz über den Lebensweg.

So ist der Versicherungsschutz für junge Studierende besonders günstig zu haben, da sich ein niedriges Eintrittsalter günstig auf die Prämie auswirkt. Hinzu kommt: Mit größerer Wahrscheinlichkeit leiden junge Menschen noch nicht an jenen Vorerkrankungen, die einen BU-Schutz wesentlich verteuern könnten. Versicherer nämlich haben die Möglichkeit, bei bestimmten Vorerkrankungen die Beiträge wesentlich teurer zu kalkulieren oder sogar bestimmte Risiken ganz vom BU-Schutz auszuschließen. Liegen solche Vorerkrankungen aber noch nicht vor, behält der Versicherungsnehmer die günstigen Bedingungen ein Leben lang. Schon diese Tatsache spricht für einen zeitigen Abschluss der BU-Police auch aus Verbrauchersicht.

BU-Police: Oft einziger Schutz auch bei Erwerbsminderung

Ein weiteres Problem aber macht den BU-Schutz für Studierende zusätzlich empfehlenswert. Denn sogar der Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente aus der gesetzlichen Rentenkasse besteht für Studierende meist noch gar nicht. Wird doch ein solcher Anspruch laut Sechstem Sozialgesetzbuch erst dann erworben, wenn in den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung drei Jahre Pflichtbeiträge in die Rentenversicherung eingezahlt wurden.

Diese Bedingung können viele Studierende noch nicht erfüllen. Demnach ist die BU-Police auch wichtig, um überhaupt Schutz sowohl bei Berufsunfähigkeit als auch bei Erwerbsminderung zu erhalten – und zwar bereits während des Studiums. Wer mehr wissen möchte über die wichtige BU-Vorsorge für Studierende und über geeignete Produkte, sollte sich dringend an einen Experten wenden.

Krankenkassen fallen wiederholt damit auf, dass sie Langzeit-Erkrankten das Krankengeld streitig machen wollen. Ein Mittel sind Kontrollanrufe, bei denen Mitarbeiter sensible Daten erfragen. Die müssen Betroffene aber nicht akzeptieren, wie nun die Verbraucherzentralen informieren.

Wer längere Zeit krankheitsbedingt im Beruf ausfällt, erhält ab der sechsten Krankheitswoche ein Krankengeld seiner Krankenkasse: vorausgesetzt, er ist als Arbeitnehmer gesetzlich versichert. Maximal 78 Wochen (546 Kalendertage) muss der Versicherer dann einen Teil des Lohnes ersetzen: in der Regel 70 Prozent des Bruttogehaltes, maximal 90 Prozent vom Nettoeinkommen.

Für die Krankenkassen aber ist das Krankengeld eine teure Angelegenheit. 13,1 Milliarden Euro gaben sie allein im Jahr 2018 dafür aus: mit steigender Tendenz, weil die Einkommen sich dank guter Konjunktur erhöhen und immer mehr Menschen wegen psychischer Krankheiten im Job ausfallen. Deshalb versuchen nun offenbar GKVen, die Betroffenen um ihr Krankengeld zu bringen: mit sehr zweifelhaften Methoden.

So berichtet die Verbraucherzentrale Hamburg, sie erhalte zunehmend Beschwerden von Betroffenen über Kontrollanrufe von Kassen. Dabei würden die Mitarbeiter äußerst aggressiv auftreten und die Krankengeld-Empfänger regelrecht in die Mangel nehmen. Auch würden sie persönliche Daten abfragen, um herauszufinden, ob es ein Einfallstor gibt das Geld zu streichen.

Keine Auskunftspflicht am Telefon

Die Anrufe aber müssen sich die Betroffenen nicht bieten lassen. Zumindest insofern nicht, da die Krankenkasse gar nicht berechtigt ist, sensible Infos am Telefon einzuholen, so klärt die Verbraucherzentrale auf. Kontrollanrufe oder sogar Besuche müssen sich erkrankte Personen nicht bieten lassen.

So gibt es zwar tatsächlich eine Mitwirkungspflicht: zum Beispiel, wenn Daten unvollständig und widersprüchlich sind. Diese können aber schriftlich beantwortet werden. Allerdings sind die Auskunftspflichten gegenüber der Krankenversicherung durch einen Paragraphen des Sozialgesetzbuches (§ 275 SGB V) stark eingeschränkt. Das liegt auch daran, dass sie gar nicht berechtigt sind, Gutachten über den Krankheitszustand des Patienten auszustellen. Hierfür ist der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) verantwortlich.

“Am Telefon sind Sie nicht zur Auskunft verpflichtet! Und schon gar nicht müssen Sie für Ihre Kasse telefonisch erreichbar sein. Wir raten Betroffenen daher, der Krankenkasse mitzuteilen, dass man alle notwendigen Fragen gerne schriftlich beantwortet”, schreibt die Verbraucherzentrale Hamburg.

Aber auch hier sind den Kassen Grenzen gesetzt. So dürfen sie nicht darauf bestehen im sogenannten Selbstauskunftsbogen, Fragen zur persönlichen Situation der Patienten, ihren Urlaubsplänen, ihrem Verhältnis zum Arbeitgeber oder familiärem Umfeld zu stellen: Das sei Tabu.

Wenn die Kontrollanrufe trotzdem nicht aufhören und sich Versicherte unter Druck gesetzt fühlen, haben sie die Möglichkeit, sich beim Bundesversicherungsamt und Bundesdatenschutzbeauftragten über die Kasse zu beschweren.

Armut im Ruhestand – dieses Problem bedroht immer mehr Menschen mit niedrigem Einkommen und mit durchbrochenen Erwerbsbiographien. Das berichtet aktuell das ARD-Politmagazin Monitor unter Berufung auf bisher unveröffentlichte Zahlen des Statistischen Bundesamts (Destatis). Demnach hat die Zahl der Menschen im Ruhestand, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung verdienen, zwischen den Jahren 2010 und 2017 um 33 Prozent zugenommen.

Galten in 2010 noch 2,4 Millionen Ruheständlerinnen und Ruheständler als “armutsgefährdet”, waren es in 2017 hingegen bereits 3,2 Millionen Menschen, heißt es in dem Bericht. Armut also bedroht immer mehr Menschen im Ruhestand.

Grundlegend für diese Berechnung der Armutsgefährdung ist das mittlere Einkommen der Bevölkerung. Dieses mittlere Einkommen gibt zunächst an: Es gibt genauso viele Menschen mit einem höheren wie mit einem niedrigeren Einkommen in der Bevölkerung. Zur Ermittlung des mittleren Einkommens werden allerdings besonders hohe sowie besonders niedrige Löhne herausgerechnet. Das mittlere Einkommen trifft demnach zuverlässigere Aussagen über die Einkommen einer Bevölkerung als das Durchschnittseinkommen, weil insbesondere die Besser- und Bestverdiener diesen Wert nicht verfälschen.

Um die Armutsgefährdung innerhalb einer Bevölkerung zu berechnen, wird aber in einem zweiten Schritt bestimmt, wer höchstens 60 Prozent dieses mittleren Einkommens oder sogar noch weniger verdient. Alle diese Menschen gelten als “armutsgefährdet”. Denn schon unerwartete Ausgaben – als Beispiel genannt werden könnte eine kaputte Waschmaschine – überfordern Menschen mit geringem Einkommen finanziell schnell und lassen sie tatsächlich in Armut abrutschen.

18,7 Prozent der Ruheständler betroffen

Im Jahr 2017 lag der Schwellenwert der Armutsgefährdung bei 13.628 Euro pro Jahr. Wer mit Sozial- und Transferleistungen nur diesen Betrag oder weniger hatte, galt entsprechend als armutsgefährdet. Für zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren lag der Schwellenwert bei 28.618 Euro pro Jahr. Insgesamt 16 Prozent der Gesamtbevölkerung waren in 2017 betroffen. Unter Rentnern und Pensionären aber lag der Anteil armutsgefährdeter Personen bei 18,7 Prozent.

Ein besonderer Risikofaktor für Altersarmut sind durchbrochene Erwerbsbiographien. Menschen, die häufiger die Arbeit wechseln und die teils auch niedrige Einkünfte haben, können nicht mehr genügend Ansprüche durch die gesetzliche Rentenversicherung für ein auskömmliches Leben erwerben. Denn 12,63 Euro pro Stunde müsste aktuell ein Arbeitnehmer verdienen, um nach 45 Beitragsjahren in der gesetzlichen Rentenversicherung eine Rente oberhalb des Niveaus der Grundsicherung zu erhalten. Das ergab eine Berechnung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS). Wissenschaftler gehen aber davon aus, dass durchbrochene Erwerbsbiographien zukünftig für immer mehr Menschen die Regel werden.

Renten werden zukünftig weniger einbringen

Und Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung werden zukünftig immer weniger den Lebensstandard sichern. Denn aufgrund des demografischen Wandels müssen immer weniger Beitragszahler zukünftig für immer mehr Rentner aufkommen. Zwar sinken die Renten nicht. Aber im Verhältnis zu den Durchschnittslöhnen gehen die Renten immer mehr zurück — und werden zudem durch die Inflation entwertet. Es drohen Vorsorgelücken im Alter.

Ein zusätzliches Problem sind steigende Mieten in Ballungsräumen. Warnen doch Sozialwissenschaftler mittlerweile vor der ganz konkreten Gefahr, sich im Alter regelrecht “arm zu wohnen”. In München – Deutschlands Rekordstadt bei hohen Mieten – stiegen laut Studie eines Immobilienportals die Mieten zwischen 2008 und 2018 um sagenhafte 61 Prozent.

Private Vorsorge ist angeraten

Solche Probleme zeigen: Wer sich gegen Armut im Alter absichern will, der sollte privat vorsorgen. Instrumente wie die staatlich geförderte Riester-Rente oder die Basis-Rente können hier helfen. Auch bieten Versicherer neue Modelle der privaten Rentenversicherung an, die auch in Zeiten des Niedrigzins die dringend gebotene Altersvorsorge ermöglichen sollen. Wer sich über derartige Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge informieren will, sollte sich ratsuchend an eine Expertin oder einen Experten wenden.

Mitte Dezember hieß es noch, dass kaum Krankenkassen ihre Beiträge anheben werden: Ganze zwei Anbieter hatten damals Prämienanstiege bekannt gegeben. Das hat sich nun geändert, da die Zahl sich deutlich erhöht hat. Und das dürfte noch nicht das Ende sein.

Wer schlechte Nachrichten hat, der wartet damit lieber gern mal etwas länger. Das bestätigt sich nicht nur für die Aufschieberitis im Alltag. Auch bei den Krankenkassen zeigt sich ein ähnliches Muster. Noch am 15. Dezember des letzten Jahres sah es so aus, als würden nur zwei Kassenanbieter ihren Zusatzbeitrag anheben. Zum Stand 01.01.2020 hat sich die Zahl deutlich erhöht: Nun haben mittlerweile 26 Krankenkassen einen höheren Zusatzbeitrag für 2020 festgelegt, betroffen sind rund 1,85 Millionen Mitglieder. Das berichtet die Webseite krankenkassen.net.

Akzeptieren muss man eine solche Teuerung nicht automatisch. Wenn die Krankenkasse dem Versicherten eine höhere Prämie schriftlich ankündigt (dazu ist sie gesetzlich verpflichtet), hat der Betroffene ein einmonatiges Sonderkündigungsrecht. Da dieses Jahr besonders viele Kassen ihren Beitrag stabil halten konnten, ist ein Wechsel durchaus zu erwägen. Immerhin 76 Krankenkassen halten ihre Prämie stabil, ohne mehr Geld zu verlangen. Zwei Anbieter haben den Beitrag sogar runtergesetzt.

Der Hintergrund: Seit 2015 dürfen die Kassen zusätzlich zum allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent einen kassenindividuellen Zusatzbeitrag erheben, wenn das Geld nicht ausreicht. Zunächst allein von den Arbeitnehmern getragen, wird er seit letztem Jahr wieder zu gleichen Teilen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern finanziert. Aktuell liegt der durchschnittliche Zusatzbeitrag pro Kasse bei 1,06 Prozent.

Teuerungen erwartet — und insgesamt steigende Prämien

Schlechte Nachrichten für alle Kassenversicherten hat aber aktuell Gernot Kiefer, der stellvertretender Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes ist: also des Dachverbandes der Krankenkassen. Er warnt in der aktuellen Ausgabe der “Welt am Sonntag”, dass bald alle Kassen die Prämie wieder raufsetzen müssen. Grund seien teure Reformen der Bundesregierung, aber auch die Alterung der Gesellschaft und steigende Ausgaben für Kliniken und Medikamente.

“Allein in diesem Jahr rechnen wir aufgrund des Terminservicegesetzes und des Pflegepersonal-Stärkungsgesetzes mit fünf Milliarden Euro Mehrausgaben”, sagt Kiefer. Aufgrund hoher Rücklagen der Kassen habe es in diesem Jahr nur wenige Beitragserhöhungen gegeben. “Im kommenden Jahr wird es allerdings schwieriger aussehen, denn viele der beschlossenen Gesetze führen zu dauerhaft höheren Ausgaben. Und wenn die Rücklagen erst mal aufgebraucht sind, führt kein Weg an höheren Beiträgen vorbei.”

Das angesprochene Pflegepersonal-Stärkungsgesetz soll dafür sorgen, dass speziell Kliniken mehr Personal für Pflege einstellen und die Fachkräfte besser bezahlen. Dringend notwendig, da schon jetzt viele Kliniken unterbesetzt sind und in Deutschland zehntausende Pflegerinnen und Pfleger fehlen. Kostet aber eben auch Geld. Darüber hinaus soll die zweite Reform, das Terminservicegesetz, dazu beitragen, dass Kassenpatienten schneller einen Facharzt-Termin erhalten. Für zusätzlich angebotene Sprechzeiten erhalten die Ärzte nun höhere Honorare.

Mit welchen Modellen auch gesetzlich Versicherte Prämie sparen, kann ein Beratungsgespräch klären. Darüber hinaus lässt sich der Schutz durch private Zusatzversicherungen aufwerten, wenn kein Wechsel zu einem privaten Krankenversicherer möglich ist.

Früher in Rente gehen, ohne Abschläge in Kauf nehmen zu müssen? Viele Menschen träumen davon. Zumindest für einige Menschen eröffnete der Gesetzgeber aber tatsächlich diesen Weg. Denn das “RV-Leistungsverbesserungsgesetz” machte einen früheren Bezug der Altersrente für “besonders langjährig Versicherte” ab dem 01.07.2014 möglich: Die so genannte “Rente ab 63”. Seitdem gilt: Wer eine Mindestversicherungszeit für Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung von 45 Jahren erfüllt, kann früher in Rente gehen, ohne Abschläge hinnehmen zu müssen.

Schwere Bedingung: Wartezeit von 45 Jahren

Die Bedingungen freilich sind streng und sind nicht von jedem erfüllbar. Denn 45 Jahre Pflichtbeiträge aus Beschäftigung oder Pflege sowie Zeiten der Kindererziehung bis zum zehnten Lebensjahr des Kindes müssen erbracht werden, bevor tatsächlich eine abschlagsfreie frühere Rente bezogen werden kann. Zeiten des Bezugs von Arbeitslosengeld oder Anrechnungszeiten eines Schul- oder Hochschulbesuchs jedoch werden nicht berücksichtigt.

Auch gilt: Ebenfalls nicht berücksichtigt werden Zeiten der freiwilligen Versicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung, solange nicht mindestens 18 Jahre Pflichtbeiträge geleistet wurden. Freiwillige Beiträge in der gesetzlichen Rentenversicherung werden demnach nur unter sehr erschwerten Bedingungen für einen früheren Rentenbezug ohne Abschläge bedacht.

“Rente ab 63” wird “Rente ab 65”

Gerade in Zeiten unsteter Erwerbsbiographien können immer weniger Menschen eine solche Mindestversicherungszeit erfüllen. Auch ist die Bezeichnung “Rente ab 63” , streng genommen, falsch. Denn die Sonderregelung von 2014 wurde auf die allgemeinen Erhöhung des Rentenalters – die Regelaltersrente mit 67 – abgestimmt. Hatte doch schon in 2007 der Gesetzgeber beschlossen, das Regelalter für eine gesetzliche Rente anzuheben.

Auch nach Einführung der Sonderregel betrifft dieses erhöhte Rentenalter all jene, die nicht eine Wartezeit von 45 Jahren erfüllen: Nach 1963 geborene Versicherte erreichen die Regelaltersgrenze für eine gesetzliche Rente ohne Abschläge demnach erst mit 67 Jahren anstatt, wie noch bis zur Reform, mit 65 Jahren. 2031 ist dieser Übergang zur “Rente mit 67” abgeschlossen.

Dieser Übergang aber spiegelt sich auch in Bedingungen der Sonderregel für besonders langjährig Versicherte wider: Das Mindestalter dieser Sonderregelung wird schrittweise angehoben. Aus einer “Rente ab 63” für besonders langjährig Versicherte wird demnach eine “Rente ab 65”. Die Regelung der “Rente ab 63” galt konkret für den Geburtsjahrgang 1952. Für jedes spätere Geburtsjahr verschiebt sich der mögliche Renteneintritt um zwei Monate nach hinten. So konnte beispielsweise der Geburtsjahrgang 1953 erst mit 63 Jahren und zwei Monaten in den Ruhestand wechseln. Für angehende Rentner, die 1964 geboren sind, ist der abschlagsfreie Übergang in die Rente erst mit 65 Jahren möglich. Schritt um Schritt erhöht sich demnach auch das Mindestalter für diese abschlagsfreie frühere Rente über die Sonderregelung.

Frühere Rente: Nachfrage übersteigt Erwartungen

Trotz dieses Einwands einer schrittweisen Erhöhung und schwer zu erfüllender Bedingungen durch die Mindestversicherungszeit ist die “Rente ab 63” ein Erfolgsmodell. Das gilt seit Einführung der Sonderregelung in 2014. So wurden im Oktober 2014 und damit vier Monate nach der Einführung bereits 137.000 Anträge für die Rente mit 63 gestellt. Die Nachfrage steigt seitdem stetig an.

Das bisher stärkste Jahr zeichnete sich 2017 ab. Damals hatten insgesamt 253.521 Senioren einen Antrag auf die abschlagsfreie Rente gestellt, wie aus Zahlen der Deutschen Rentenversicherung (DRV) hervorgeht. 2018 war die Nachfrage leicht zurückgegangen: knapp 251.000 Personen wollten die Regelung nutzen.

Trotz dieses Rückgangs aber ist die Nachfrage höher, als durch den Gesetzgeber gedacht. Denn im Gesetzentwurf der damals zuständigen Ministerin Andrea Nahles (SPD) waren etwa 200.000 Fälle je Jahr einkalkuliert worden. Für die Rentenkasse bedeutet die Sonderregelung eine höhere Last: Im Oktober 2019 stiegen die Kosten auf über zwei Milliarden Euro im Monat an. Allerdings muss bei Nennung solcher Zahlen bedacht werden: Einige Rentner wären auch ohne Sonderregel früher in den Ruhestand gegangen, dann unter Inkaufnahme von Abschlägen. Wie hoch Kosten der Sonderregelung für die Rentenkasse demnach tatsächlich sind, lässt sich nicht zuverlässig abschätzen.

Früher in Ruhestand? Private Vorsorge hilft

Jedoch sollte für die “Rente ab 63” bedacht werden: Nicht nur durchbrochene Erwerbsbiographien mit vielen Wechseln machen eine Wartezeit von 45 Jahren zukünftig immer unwahrscheinlicher. Die Sonderregel gilt einem Auslaufmodell. Zudem lastet der demografische Wandel auf der umlagefinanzierten gesetzlichen Rentenversicherung. Müssen in einer alternden Gesellschaft doch immer weniger Beitragszahler für immer mehr Rentner aufkommen.

Der Gesetzgeber reagierte auf diese Herausforderung mit dem Altersvermögensgesetz (AVmG): Stabile Beiträge sollen längerfristig gesichert werden, dafür aber nimmt man ein sinkendes Rentenniveau in Kauf. Renten werden also zukünftig im Verhältnis zu den Durchschnittslöhnen sinken, wodurch Vorsorgelücken im Alter drohen. Unter solchen Bedingungen könnte ein früherer Ruhestand nicht mehr machbar sein.

Schon aus diesem Grund ist es wichtig, auch privat vorzusorgen. Zeigen doch außerdem Instrumente wie die staatlich geförderte Riester-Rente oder die Basis-Rente oder zeigt das so genannte “Betriebsrentenstärkungsgesetz”: Der Gesetzgeber will ganz gezielt die kapitalgedeckte Altersvorsorge stärken. Wer also frei entscheiden will, wann er in den Ruhestand geht, sollte sich ratsuchend an einen Experten wenden. Denn nur wer vorsorgt, kann auch sicher und frei seinen Ruhestand planen.

Deutschland gilt der Versicherungswirtschaft mittlerweile auch als Land für Extremwetter. Denn Sturm und Hagel, aber auch Starkregen und Hochwasser schlagen sich jährlich bitter in den Bilanzen der Versicherungsunternehmen nieder. Aktuelle Zahlen hierfür präsentierte nun der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in einer Presseerklärung.

Demnach fällt die Naturgefahrenbilanz 2019 zwar erneut, wie schon im Vorjahr, leicht unterdurchschnittlich aus. Dennoch verharren Aufwendungen für Unwetterschäden auf hohem Niveau. Bitter litten besonders die Kfz-Versicherer in 2019. Denn Leistungen für Sturm- und Hagelschäden an Kraftfahrzeugen haben sich in 2019 gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt. Die Zahlen der Naturgefahrenbilanz 2019 gemahnen an eine Überprüfung des Versicherungsschutzes für Gebäude, Hausrat und Auto.

Naturgefahrenbilanz 2019: Extremwetter verursachen erneut hohe Schäden

Laut den ersten Zahlen der Naturgefahrenbilanz deutscher Versicherer sind Schadenaufwendungen gegenüber dem langjährigen Durchschnitt leicht zurückgegangen. Denn ergibt sich für Unwetter ein langjähriger Durchschnitt von jährlich rund 3,7 Milliarden Euro, lag er in 2019 bei 3,2 Milliarden Euro und damit beim gleichen Wert wie in 2018. Somit mussten Versicherer, wie bereits in 2018, diese Summe zahlen für alle versicherte Schäden an Häusern, Hausrat, Industrie und Kraftfahrzeugen, die durch Unwetter verursacht wurden. Die aktuellen Zahlen sind noch vorläufig.

Dass der Wert leicht unter dem langjährigen Durchschnitt lag, sollte laut GDV-Präsident Wolfgang Weiler jedoch nicht zu falschen Schlussfolgerungen führen. Denn die Bilanz dürfe “nicht darüber hinwegtäuschen, dass es immer wieder heftige lokale Regenfälle mit hohen Schäden” auch in 2019 gab. Die Gefahr ist also ungebrochen hoch, durch extreme Wettererscheinungen einen hohen Schaden zu erleiden.

Eine Branche traf es sogar besonders bitter. Denn im Vergleich zum vergangenen Jahr haben sich Leistungen für Unwetterschäden an Kraftfahrzeugen nahezu verdoppelt. Eine Milliarde Euro kostete das Begleichen aller versicherten Kfz-Schäden in 2019. Ein Grund für diesen Anstieg sind Unwetterserien wie der Hagel zu Pfingsten, der allein schon mit rund 350 Millionen Euro negativ zu Buche stand. Stürme wie “Dragi” und “Eberhard” tragen das ihre zu der hohen Schadenbilanz bei.

Versicherungsschutz: Auch für Elementarschäden wichtig

Welche Versicherung aber zahlt bei Unwetterschäden? Diese Frage kann dazu dienen, den eigenen Versicherungsschutz zu überprüfen. Denn nicht alle Unwettergefahren sind durch herkömmliche Policen abgedeckt. Es lohnt also, genauer hinzusehen.

So gilt zum Beispiel für die Kfz-Versicherung: Zwar sind Unwetterschäden am Auto durch die Teilkaskoversicherung abgedeckt, wenn sie durch Sturm, Hagel oder Blitzeinschlag verursacht werden. Seltenere Naturgefahren wie Erdrutsch oder Schneedruck jedoch fallen meist nicht unter die Deckung. Der GDV empfiehlt folglich, sich über einen erweiterten Naturgefahrenschutz beim Kfz-Versicherer zu informieren.

Noch wichtiger ist es, Unwetterschäden am Gebäude richtig abzusichern. Denn zwar kommt die Wohngebäudeversicherung für Schäden durch Hagel oder Blitzschlag oder durch Sturmschäden ab Windstärke 8 auf. Schäden durch Hochwasser oder durch Starkregen allerdings sind nicht durch eine gewöhnliche Wohngebäudeversicherung erfasst. Geschützt sind Mieter und Eigentümer vor solchen Schäden nur über die sogenannte Elementarschadenversicherung (oft auch “Naturgefahrenversicherung”), die als eigenständiger Vertrag oder Zusatzbaustein zu einer Wohngebäude-Police erhältlich ist.

Doch auch für den Hausrat gilt: Nur ein ungenügender Teil der Schäden am Inventar eines Hauses nach einem Unwetter wird durch die Hausratversicherung erfasst. Dieser Einwand gilt immer dann, wenn die Police über keinen notwendigen Elementarversicherungsschutz verfügt – auch hier drohen Unwetterschäden, die nicht durch die Versicherung beglichen werden. Wer nicht weiß, ob er über genügend Versicherungsschutz gegen sich mehrende Unwetter-Ereignisse verfügt, sollte dringend Rat bei einem Experten suchen.