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Wer als Pilot, Fluglotse oder Flugbegleiter tätig ist, muss regelmäßig seine Flugtauglichkeit nachweisen. Hier hilft eine sogenannte Loss of Licence Versicherung, die Arbeitskraft im Falle eines Verlusts der Flugtauglichkeit abzusichern.

Piloten, Fluglotsen oder Flugbegleiter haben eine große Verantwortung. Von ihrer Fehlerfreiheit hängt es ab, dass die Flugpassagiere heil wieder auf dem Boden landen: auch wenn zahlreiche technische Helfer mittlerweile die Luftfahrt erleichtern. Aus diesem Grund müssen diese Berufe auch regelmäßig ihre Flugtauglichkeit nachweisen. Die Untersuchungen werden von speziell geschulten flugmedizinischen Sachverständigen durchgeführt, die hierfür eine Erlaubnis des Luftfahrt-Bundesamtes brauchen. In der Regel sind das Ärzte mit Sonderausbildung.

Was aber, wenn ein Arzt die Flugtauglichkeit aberkennt? In diesem Fall dürfen die Betroffenen nicht mehr in ihrem Beruf tätig sein. Die Arbeitskraft wird durch eine private Berufsunfähigkeits-Police optimal geschützt und empfiehlt sich grundsätzlich auch für diese Berufsgruppen. Es gibt aber eine weitere Möglichkeit der Absicherung: die Loss-of-License-Versicherung. Sie kann als eigenständiger Vertrag und extra Baustein innerhalb einer BU-Police vereinbart werden.

Ein LOL-Vertrag hat gegenüber einem herkömmlichen Berufsunfähigkeits-Schutz Vorteile. In der Regel zahlen die Versicherer hier bereits, wenn eine Fluguntauglichkeit für einen bestimmten Zeitraum -in der Regel sechs Monate- festgestellt und amtlich bestätigt wird. Das kann den Antrag auf BU-Leistungen erleichtern. Denn normalerweise muss für den Erhalt einer BU-Rente eine 50prozentige Berufsunfähigkeit nachgewiesen werden, was unter Umständen mittels aufwendiger ärztlicher Gutachten und Analysen erfolgt.

Aber auch bei Loss-of-Licence-Policen gibt es Fallstricke, auf die geachtet werden sollte. Eher nicht empfehlenswert sind Verträge mit abstrakter Verweisung. Dann nämlich kann der Betroffene auf andere Berufe verwiesen werden, für die keine Flugtauglichkeit vonnöten ist: Das erschwert den Erhalt der Leistung deutlich. Zudem sehen manche Tarife den Ausschluss psychischer Krankheiten vor oder leisten für sie nur eingeschränkt. Diese sind mittlerweile Hauptursache, wenn Menschen ihre Arbeit aufgeben müssen: Fast jede dritte neu bewilligte BU-Rente geht auf die Psyche zurück. Folglich können sie auch das Aus im Cockpit oder Kontrollturm bewirken.

Darauf geachtet werden sollte, ob der Tarif ausreichend Erhöhungsoptionen der Versicherungsleistung ohne erneute Gesundheitsprüfung erlaubt. Schließlich hängt die Höhe des Gehalts in solchen Berufen auch von den Berufsjahren und anderen variablen Faktoren ab. Weil die Tarife noch wenig standardisiert sind und recht komplex, empfiehlt sich im Zweifel ein Beratungsgespräch, um den passenden Schutz zu finden.

Die Absicherung existenzieller Risiken sollte im Mittelpunkt stehen. Deshalb raten aktuell auch Verbraucherschutz-Organisationen zum Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung.

Ein Ende der Teuerung ist nicht in Sicht – im Gegenteil. Nach jüngsten Angaben des Statistischen Bundesamtes beträgt die Inflationsrate im Mai 2022 7,9 Prozent.

Bei vielen Menschen wird das dazu führen, dass der Rotstift angesetzt und geprüft wird, wo sich Einsparpotenzial bietet. Oft im Fokus: Beiträge zu Versicherungen.

Doch solche Schritte sollten gut überlegt werden. Denn sogar Verbraucherschützer raten eindringlich zur Absicherung existenzieller Risiken. Und für die allermeisten Deutschen bedeutet das: Die Arbeitskraft als einzige Erwerbsquelle muss abgesichert werden.

So rät Bianca Boss, Sprecherin der Verbraucherschutz-Organisation ‚Bund der Versicherten‘ (BdV), in einem aktuellen Beitrag für die auflagenstärkste Tageszeitung Deutschlands zum Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU-Versicherung). Um die Bedeutung dieses Schutzes klarzumachen, sagt sie wörtlich: “Stellen Sie sich vor, Sie können aufgrund von Krankheit oder Unfall Ihren Job nicht mehr ausüben. Ohne Ihr Gehalt können Sie den Kredit für Haus oder Wohnung nicht mehr abbezahlen, müssen wahrscheinlich ausziehen. Für die Ausbildung Ihrer Kinder können Sie nichts mehr beisteuern und auch für die eigene Altersvorsorge nichts mehr ansparen. Ihre Existenz ist gefährdet. Vom Staat erhalten Sie lediglich eine Erwerbsminderungsrente, die zum Leben nicht ausreicht. Oft muss zusätzlich noch Sozialhilfe beantragt werden. Wir empfehlen daher dringend allen Arbeitnehmern und Selbstständigen zu einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Diese zahlt Ihnen eine monatliche Summe, die Sie vorher festgelegt haben – und mit der Sie im Idealfall ihren Lebensstandard halten können.”

Allein ist der Bund der Versicherten mit dieser Haltung nicht. Auch Sandra Klug, Juristin der Verbraucherzentrale Hamburg, riet Ende vergangen Jahres zum Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung.

Das Deutschland-Barometer ‚Depression‘ brachte erschreckende Erkenntnisse mit sich. Demnach wurde die Diagnose bereits jedem fünften Beschäftigten gestellt. Häufig wird die Erkrankung aber verschwiegen und falsch behandelt.

Das 5. Deutschland-Barometer ‚Depression‘ der Stiftung Deutsche Depressionshilfe kommt zu Ergebnissen, die aufrütteln. So wurde bei jedem fünften Beschäftigten in Deutschland (20 Prozent) bereits die Diagnose ‚Depression‘ gestellt. Zudem geben weitere 19 Prozent der Deutschen an, schon einmal an einer Depression erkrankt gewesen zu sein – jedoch ohne ärztliche Diagnose. Und knapp jeder Siebte (15 Prozent) hat bereits einen Suizid oder Suizidversuch bei einem Kollegen bzw. einer Kollegin erlebt.

Wichtigste Ursachen für Depressionen

Gefragt nach den wichtigsten Ursachen, nennen die Betroffenen

  • Belastungen am Arbeitsplatz (95 Prozent)
  • Konflikte im Job bzw. mit Kollegen (93 Prozent)
  • dauerhafte Erreichbarkeit (83 Prozent)

Hier warnen Experten allerdings vor einer Überschätzung des Einflussfaktors ‚Arbeit‘. “Während der Depression nehmen Betroffene alles wie durch eine dunkle Brille wahr und fühlen sich völlig erschöpft und durch die Arbeit überfordert. Häufig wird dann die Überforderung fälschlicherweise als Ursache und nicht als Folge der Depression angesehen”, so Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

Diese vertauschten Kausalitäten würden auch dazu führen, dass Depressionen oft falsch behandelt würden. So glauben 68 Prozent, dass ein Urlaub aus der Krankheit heraushelfe. Weitere 63 Prozent vermuten, viel Schlaf helfe ihnen, die Depression zu überwinden.

Doch das Gegenteil ist der Fall, warnt Hegerl: “Langer Schlaf verschlechtert bei den meisten die Depression. Schlafentzug ist dagegen ein etabliertes Behandlungsverfahren in Kliniken. Auch Urlaub lindert die Depression nicht, da die Erkrankung mitfährt. Die Behandlung der Depression erfolgt gemäß den nationalen Leitlinien mit Antidepressiva und/oder Psychotherapie.”

Die repräsentative zeigte auch, dass viele der Betroffenen wenig Unterstützung erhalten, um im Beruf wieder Fuß zu fassen. 61 Prozent der Befragten berichten, dass es in ihrem Unternehmen keine Erleichterungen bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz gab. Jeder Vierte (25 Prozent) nutzt eine stufenweise Wiedereingliederung, jeder Zehnte reduziert dauerhaft die Arbeitszeit.

Die Umfrage zeigt auch, wie wichtig der Einschluss psychischer Erkrankungen in die Absicherung der Arbeitskraft ist. Denn mittlerweile sind Erkrankungen der Psyche wichtigster Hauptgrund für neu bewilligte Berufsunfähigkeits-Renten. Beinahe jeder dritte BU-Leistungsfall resultiert aus Nervenerkrankungen. Auch bei Fragestellungen zu Reha und Wiedereingliederung können Versicherer gute Dienste leisten.

Über die Studie:
Für das 5. Deutschland-Barometer Depression wurden 5.283 Personen zwischen 18 und 69 Jahren aus einem repräsentativen Online-Panel befragt. Die Umfrage fand im September 2021 statt.

Die Mehrheit der Deutschen bestreitet ihren Lebensunterhalt mit der eigenen Arbeitskraft. Deshalb ist die Absicherung der Arbeitskraft so wichtig. Doch die Verbreitung dieser Absicherung lässt ebenso ‚Luft nach oben’ wie das Wissen um Berufsunfähigkeit, zeigt eine aktuelle Studie.

80 Prozent der Deutschen haben keine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt eine YouGov-Studie, für die im Auftrag des Versicherungsmanager Clark 1025 Personen online befragt wurden.

Besonders sinnvoll ist der Abschluss einer solchen Versicherung, wenn man noch jung und gesund ist und (vermutlich) wenig Vorerkrankungen hat. Doch ausgerechnet bei jungen Menschen halten sich einige Vorurteile über Berufsunfähigkeit hartnäckig. Die Studienergebnisse deuten auch an, woran das liegen könnte: So glauben 14 Prozent der 25- bis 34-Jährigen Studienteilnehmer, die nicht gegen die Folgen einer Berufsunfähigkeit versichert sind, dass sie ihrer Arbeit immer uneingeschränkt nachgehen können.

Eine weitere Auffälligkeit: Seit Beginn der Pandemie haben die mentalen Belastungen am Arbeitsplatz zugenommen. Immerhin 31 Prozent der 35- bis 44-Jährigen teilt diese Beobachtung. Jeder Fünfte (20 Prozent) aus dieser Altersgruppe gibt sogar an, Burnout-Fälle seit Corona im eigenen Umfeld erlebt zu haben. Dennoch geben insgesamt 13 Prozent der Befragten an, dass Berufsunfähigkeit eher in Berufen mit körperlicher Belastung droht. Dabei wird verkannt, dass psychische Ursachen bereits häufigster Auslöser für bedingungsgemäße Berufsunfähigkeit sind.

Über die Studie: Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 1025 Personen zwischen dem 20. und 24.09.2021 teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.

Moderne Bedingungswerke von Berufsunfähigkeitsversicherungen wollen mit ihren Kunden ‚mitwachsen‘ und bieten dafür sogenannte Nachversicherungsgarantien an. Die können zum Beispiel für Studierende nach ihrem Abschluss wichtig sein. Doch dabei ist auf Fristen zu achten!

Mit sogenannten ‚Nachversicherungsgarantien‘ wollen Versicherer u.a. sicherstellen, dass ihr Produkt mit den Entwicklungen im Leben eines Versicherten Schritt hält. So kann der Versicherungsschutz bei verschiedenen Anlässen im Leben erweitert werden – und das ohne erneute Gesundheitsprüfung. Der Vorteil für den Kunden: Der einmal festgestellte Gesundheitsstatus bleibt dann für die Prämienberechnung der Versicherung erhalten. Erkrankungen, die in der Zwischenzeit aufgetreten sind, können sich also nicht in Form von Ausschlüssen oder Zuschlägen auswirken.

Vor diesem Hintergrund lohnt es sich also ebenfalls, möglichst früh mit der Absicherung der Arbeitskraft zu beginnen und beim Abschluss einer Lösung auf umfangreiche Nachversicherungsgarantien zu achten.

Die Nachversicherung kann beispielsweise bei folgenden Lebensereignissen greifen:

  • Gehaltserhöhung
  • Eheschließung
  • Geburt von Kindern
  • Immobilien-Erwerb
  • Wechsel in die Selbstständigkeit

Erfolgreicher Studienabschluss berechtigt zur Nachversicherung

Ein weiteres Lebensereignis, das die Nachversicherungsgarantie auslösen kann, ist der erfolgreiche Abschluss eines Studiums. Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes gelang das 2020 rund 477.000 Hochschul-Absolventen.
Doch aufgepasst! Die Nachversicherungsgarantie muss innerhalb bestimmter Fristen in Anspruch genommen werden. Die Fristenregelung unterscheidet sich je nach Tarif und Anbieter. Meistens beträgt sie zwischen drei und sechs Monate nach Ende des Studiums.

Berufsunfähigkeitsversicherungen könnten zum Jahreswechsel 2021/2022 um bis zu 10 Prozent teurer werden. Woran das liegt.

Zum Jahresbeginn 2022 hat der Gesetzgeber eine wichtige Kalkulationsgröße für Versicherer geändert und den sogenannten Höchstrechnungszins (HRZ) auf 0,25 Prozent abgesenkt. Diese Zinsabsenkung wird aber steigende Prämien zur Folge haben. Das hat folgende Ursache: Versicherer bauen für den den Fall der Berufsunfähigkeit ein Finanzpolster in Höhe der voraussichtlichen Leistungen auf. Dieser Kapitalstock wird in Abhängigkeit vom Höchstrechnungszins verzinst. Fällt dieser niedriger aus, steigen die Beiträge.

Nun bieten sich dem Versicherer verschiedene Reaktionsmöglichkeiten auf die Zinsabsenkung. Auch Bedingungsänderungen oder Anpassungen bei der Berufseinordnung könnten ebenfalls Folgen der Zinssenkung sein. Doch in einer Marktbefragung gingen 80 Prozent der teilnehmenden Lebensversicherer davon aus, dass die Preise für Berufsunfähigkeits-Policen anziehen werden.

Veränderte Kalkulationsgrundlagen gelten allerdings nur für Neu- und nicht für Alt-Verträge. Wer sich also noch die derzeit geltenden günstigeren Kalkulationsgrundlagen sichern will, sollte bald ein Beratungsgespräch vereinbaren.

Sehen, Hören, Gehen, Sprechen, Denken (“klar” und “strukturiert”, “logisch”): viele angeborene Fähigkeiten sind für menschliches Handeln grundlegend. Das gilt auch für die Ausübung des Berufs. Lokführer*innen, die nicht mehr sehen? Lehrer*innen, die die Fähigkeit zum Sprechen verlieren? Handwerker*innen, die nicht mehr greifen können? Wer Grundfähigkeiten verliert, verliert schnell Beruf und Einkommen. Doch das Risiko ist versicherbar.

Arbeitskraftabsicherung: Der Staat sichert auf niedrigem Niveau

Und Versicherungsschutz gegen solche Risiken tut Not. Denn der staatliche Versicherungsschutz für den Verlust der Arbeitskraft und damit des Einkommens ist sehr gering: Eine Rente wegen voller Erwerbsminderung erhalten nur Personen, die weniger als drei Stunden täglich arbeiten können — egal in welcher Tätigkeit. Kann man länger arbeiten, wird jeder Beruf durch den Gesetzgeber zugemutet. Damit droht Betroffenen sogar, dass sie unliebsame Jobs annehmen müssen und große Teile des Einkommens verlieren. Was aber ist, wenn es die Hauptverdienerin oder den Hauptverdiener trifft? Wer bedient dann Kredite, laufende Kosten, sichert das Lebensniveau? Es braucht hierfür den richtigen privaten Versicherungsschutz.

Grundfähigkeitsversicherung: Der Markt boomt

Vielen bekannt ist hierfür die Berufsunfähigkeitsversicherung. Doch seit 2000 existiert eine neue Möglichkeit, um ebenfalls die Arbeitskraft abzusichern – die Grundfähigkeitsversicherung. Verliert ein Mensch eine versicherte Grundfähigkeit für eine Mindestdauer (zumeist für mindestens sechs Monate), wird eine regelmäßige Rente gezahlt.

Ob es zur Leistung kommt, wird anhand medizinischer Gutachten eingeschätzt – der Verlust der Grundfähigkeit muss der Definition in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) entsprechen. Und der Markt boomt: die Zahl der Tarife und Tarifoptionen steigt und steigt.

Als wichtigste versicherbare Grundfähigkeiten gelten auf dem Markt: 1.) Gehen; 2.) Stehen; 3.) Knien oder Bücken; 4.) Autofahren; 5.) Sprechen; 6.) Hören; 7.) Heben und Tragen; 8.) Arme bewegen; 9.) Hände gebrauchen als Geschicklichkeit; 10.) Hände gebrauchen als Kraft aufwenden; 11.) Treppensteigen; 12.) Sehen; 13.) Geistige Leistungsfähigkeit; 14.) Sitzen.

Einfaches Prinzip – schwierige Produkte

Aber was in der Theorie einfach klingt – beim Verlust einer Grundfähigkeit gibt es eine Rente –, ist in der Praxis kompliziert. Denn Produktentwickler definieren mittlerweile mit viel Phantasie verschiedene Leistungsauslöser, um sich am Markt von Konkurrenten abzuheben. Das Problem: Aufgrund komplexer Definitionen ist einem Laien kaum ersichtlich, wann es zur Auszahlung einer Rente kommen würde.

Beispielsweise lautet eine Klausel aus dem Vertragswerk eines Anbieters, den Gebrauch der Hände betreffend: “Die Fähigkeit der versicherten Person, mit einer Hand einen Gegenstand zu greifen und zu halten, ist zumindest an einer ihrer beiden Hände stark beeinträchtigt. Das bedeutet, dass sie mit der linken oder mit der rechten Hand nicht mehr in der Lage ist, einen leichten Alltagsgegenstand (z. B. ein leeres Wasserglas, einen Stift oder einen Kochlöffel) zu greifen und ununterbrochen für fünf Minuten, auch unter Ablage des Unterarms, in der Luft zu halten, ohne dass er ihr aus der Hand fällt.”

Weil die Vertragswerke zu den Tarifen viele derartige Definitionen enthalten und weil die Produkte verschiedener Anbieter untereinander kaum vergleichbar sind, ist guter Rat einer Expertin oder eines Experten wichtig. Folgendes nämlich muss im Sinne des Versicherungsnehmers eingeschätzt werden:

  • Welche Grundfähigkeiten sind für den Beruf besonders wichtig? Denn häufig werden nicht alle Grundfähigkeiten versichert, sondern man versichert nur eine bestimmte Auswahl, so dass die Police bezahlbar bleibt (z.B. vier Grundfähigkeiten).
  • Welcher Anbieter hat für diese ganz spezifischen Grundfähigkeiten, deren Verlust das höchste Risiko bedeutet, die beste Definition? Bei welchen Anbieter ist es am wahrscheinlichsten, dass ich dann auch eine Leistung erhalte?

Wichtiger Baustein der Arbeitskraftabsicherung

Trotz der Komplexität der Produkte: Die Grundfähigkeitsversicherung kann sich zu einem wichtigen Baustein der Arbeitskraftabsicherung entwickeln. Denn dadurch lassen sich ganz spezifische Risiken bestimmter Berufsfelder abdecken – so gibt es mittlerweile Angebote, die sich zum Beispiel an Berufskraftfahrer wenden (versichert wird der Verlust der Fahrlizenz) oder an Menschen mit Bürotätigkeit (versichert wird der Gebrauch der Tastatur oder die Fähigkeit zur Bildschirmarbeit). Wer zu den recht neuen Produkten am Markt also Rat sucht, sollte sich an eine Expertin oder einen Experten wenden.

Wird man berufsunfähig und nimmt einen schlechter gestellten Job an, kann man dennoch eine BU-Rente beziehen. Das zeigt ein Urteil des Landgerichts Heidelberg.

Die Crux mit der Verweisung

Der staatliche Versicherungsschutz sichert nur das Risiko der Erwerbsminderung ab. Das bedeutet Sicherung auf niedrigem Niveau: Sobald ein Mensch mehr als drei Stunden am Tag arbeiten kann, muss er angebotene Tätigkeiten annehmen – und verliert dadurch den Anspruch auf Rentenleistungen. Diese Verweisungsmöglichkeit orientiert sich nicht einmal am vorher ausgeübten Beruf: Jede Erwerbstätigkeit muss angenommen werden, die als zumutbar gilt.

Anders verhält es sich mit dem Kriterium der Berufsunfähigkeit: Status und Lebenswirklichkeit des vorherigen Berufs sind hier der grundlegende Orientierungspunkt. Das zumindest gilt, seit viele Anbieter die Klauseln für die abstrakte Verweisung aus den Versicherungsbedingungen nahmen – solche ermöglichten ein ähnlich willkürliches Verweisen auf einen anderen Beruf, entpuppten sich aber als Gift für den Absatz. Heutzutage behalten sich viele Vertragswerke der BU-Versicherung nur noch die konkrete anstatt die abstrakte Verweisung vor.

Konkrete Verweisung: Bei Berufsunfähigkeit muss ein neuer Beruf dem alten ebenbürtig sein

Und hier sind die Bedingungen aus Kundensicht weitaus fairer: Eine konkrete Verweisung ist nur möglich, wenn a) der Versicherungsnehmer nach der Berufsunfähigkeit bereits von sich aus die Tätigkeit aufgenommen hat und wenn b) der Beruf in Ausbildung und Erfahrung sowie der Lebensstellung dem bisherigen Beruf ebenbürtig ist. Das Prinzip veranschaulicht ein Urteil des Landgerichts (LG) Heidelberg (Az. 4 O 165/16).

Was wurde vor Gericht verhandelt? Ein Industriemechaniker hatte seinen BU-Versicherer verklagt. Der Mann arbeitete seit Jahren für eine metallverarbeitende Firma. Die Arbeit aber belastete die Wirbelsäule stark. Das führte zu starken Rückenschmerzen, die einen Krankenhausaufenthalt notwendig machten. Die Ärzte diagnostizierten ein degeneratives Wirbelsäulenleiden – und in der Folge die Berufsunfähigkeit.

Also beantrage der Mann von seiner Versicherung den Bezug der Rentenleistungen. Allerdings nahm der Mechaniker im gleichen Jahr eine Stelle als Lagerist an. Deswegen lehnte die Versicherung eine Einstandspflicht ab durch konkrete Verweisung – der Mechaniker würde ja nun einem Beruf nachgehen, der seiner bisherigen Tätigkeit entspricht.

Der Mechaniker bekam Recht – und zum neuen Gehalt eine Rente

Der Mechaniker verklagte nun das Versicherungsunternehmen auf Zahlung der vertraglich zugesicherten Rente bis zum Ende der Vertragslaufzeit in 2028. Und er bekam Recht. Denn die Tätigkeit eines Lageristen unterscheidet sich derart von der Tätigkeit eines Industriemechanikers, dass eine Verweisung nicht zulässig ist:

  • Ein Lagerist wird nicht so gut bezahlt wie ein Industriemechaniker.
  • Das Anforderungsprofil eines Industriemechanikers ist anspruchsvoller als das einer Lageristen – Industriemechaniker wird man nur nach dreieinhalbjähriger Ausbildung, wohingegen die Arbeit eines Lageristen eine reine Anlerntätigkeit ist.
  • Als erfahrener Facharbeiter arbeitet ein Industriemechaniker selbstständig. Der Lagerist hingegen entspricht eher dem Rang eines Hilfsarbeiters – und muss sich oft anleiten lassen.

Weil das Gericht die Tätigkeit des Mechanikers höher bewertete, erhält der Mechaniker nun die Rente – 1.429,42 Euro monatlich. Aber auch das Gehalt des Lageristen von immerhin 3.434,97 Euro brutto bleibt dem Berufsunfähigen. Dieses Beispiel verdeutlicht das hohe Sicherungsniveau einer guten BU-Police – wer mehr wissen möchte, sollte sich an eine Expertin oder einen Experten wenden.

Was erwarten Versicherte von ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung? Welche Leistungen die Anbieter-Auswahl beeinflussen, zeigt eine aktuelle forsa-Umfrage.

Die Absicherung der Arbeitskraft ist für die allermeisten Arbeitnehmer in Deutschland essenziell. Insbesondere, weil die staatlichen Leistungen 2001 reduziert wurden. Wer nach dem 01.01.1961 geboren wurde, muss im Fall der Fälle auf eine Erwerbsminderungsrente hoffen. Die Leistungsvoraussetzungen dafür sind streng: Betroffene erhalten eine solche Rente nur dann, wenn sie weniger als drei Stunden täglich arbeiten können. Der bisherige Beruf spielt dabei keine Rolle. Unterschieden wird zwischen verminderter, teilweiser und voller Erwerbsminderung. 2019 bezogen etwa 1,7 Millionen Menschen in Deutschland eine Rente wegen voller Erwerbsminderung. Im Durchschnitt betrug die Rentenhöhe 851,16 Euro.

Die private Berufsunfähigkeitsversicherung versichert hingegen das Risiko, den Beruf, so wie er zuletzt ausgeübt wurde, nicht mehr nachgehen zu können. Als wichtigste Ursache dafür gelten schon seit einigen Jahren psychische Erkrankungen.

Doch welche Leistungen eines BU-Versicherers sind Kunden besonders wichtig? Worauf stützen sie ihre Entscheidung für oder gegen einen Anbieter? Das zeigen Umfrage-Ergebnisse des Meinungsforschungsinstituts forsa im Auftrag eines Versicherers. Für die repräsentative Umfrage “Berufsleben” wurden im Februar 2021 1.510 Personen zwischen 18 und 50 Jahren, darunter 1.000 Personen unter 30 Jahre, befragt. Die Ergebnisse:

Welche Leistungen die BU-Auswahl beeinflussen

  • 70 Prozent: Schnelle und unbürokratische Hilfe im Fall der Berufsunfähigkeit, auch rückwirkend
  • 45 Prozent: Unterstützung bei der Rehabilitation und beim beruflichen Wiedereinstieg
  • 40 Prozent: Auszahlung auch bei vorübergehender Arbeitslosigkeit
  • 34 Prozent: Stetiger Anstieg des Rentenbetrags, um z.B. die Inflation auszugleichen
  • 33 Prozent: Flexibilität für Anpassungen während der Laufzeit aufgrund von Veränderungen der Lebenssituation
  • 33 Prozent: Keine Verweisung auf eine alternative Tätigkeit

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf das Empfinden der Menschen und ihr Absicherungsbedürfnis aus? Antwort darauf geben gleich zwei aktuelle Studien. Deren Ergebnis: Mit der Furcht vor Einkommensverlust steigt der Absicherungsbedarf.

Der Wunsch, sich vor den Folgen von Arbeitsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit oder schwerer Erkrankung abzusichern, hat in Deutschland zugenommen. Zu diesem Ergebnis kommt die Erhebung “Protect & Project Oneself in Times of Crisis”. Für die wurden 21.000 Menschen in mehreren Ländern (siehe unten) befragt.

In Deutschland wünschen sich demnach 26 Prozent der Befragten eine bessere Absicherung gegen Arbeitsunfähigkeit (+ 7 Prozentpunkte gegenüber 2019), ebenfalls 26 Prozent gegen eine schwere Erkrankung (+ 6 Prozentpunkte) und 19 Prozent möchten besser vor Arbeitslosigkeit geschützt sein (+ 6 Prozentpunkte).

Größte Sorge ist hierzulande, selbst schwer zu erkranken. 65 Prozent der Befragten gaben das an. Auch mögliche Einkommensverluste durch die Corona-Krise werden sehr häufig genannt: 57 Prozent der Teilnehmer befürchtet das. Für 38 Prozent der Befragten sind Einkommensverluste durch die Corona-Krise bereits Realität.

Zu noch erschreckenderen Ergebnissen kommt die GfK-Studie zum Thema “Altersvorsorge: Gefährdete Generation”. Für diese Erhebung wurden nur Teilnehmer in der Altersgruppe von 18 bis 32 Jahren befragt. Ergebnis: 64,5 Prozent der Befragten verzeichnen bereits erste finanzielle Einbußen durch die Corona-Krise. 36,6 Prozent geben an, dass sie bereits angespartes Geld nutzen mussten, das ursprünglich für Urlaube, Eigenheim oder die Altersvorsorge vorgesehen war.

Dementsprechend hoch ist die Zahl derjenigen, die meinen, dass die gesetzliche Rente für ihr Auskommen im Alter nicht ausreichen wird: 67,6 Prozent befürchten das.

Um der drohenden Altersarmut zu entkommen, würden 27,4 Prozent der Befragten schlichtweg das Land verlassen und ihren Ruhestand im Ausland verbringen. Als Rentner einfach weiterzuarbeiten, kann sich nur einer von 100 Befragten vorstellen.

Zu den Studien:

Online-Studie “Protect & Project Oneself in Times of Crisis” des Versicherers BNP Paribas Cardif. Das Marktforschungsunternehmen Ipsos wurde beauftragt, die Befragung im Januar 2021 mit 21.000 Menschen in 21 Ländern auf drei Kontinenten (Europa, Lateinamerika und Asien) durchzuführen.
Die GfK-Studie zum Thema “Altersvorsorge: Gefährdete Generation” wurde in den Jahren 2017, 2018 und 2020 im Auftrag der Generali Lebensversicherung AG unter 1.012 Befragten im Alter von 18 bis 32 Jahren erhoben.