Beiträge

Viele Privatversicherte haben in Zeiten der Coronakrise Probleme, ihre Beiträge für die Krankenversicherung zu zahlen. Ein Gesetzentwurf der Bundesregierung sieht nun vor, den Betroffenen eine erleichterte Rückkehr aus dem Basistarif in ihren vorherigen Tarif zu ermöglichen. Auf eine neue Risikoprüfung soll dann verzichtet werden.

Was tun, wenn man infolge der Coronakrise seine Beiträge zur Krankenversicherung nicht zahlen kann? Diese Frage stellen sich gerade viele Privatversicherte, sind sie doch oft als Selbstständige tätig. Also jene Gruppe, die nun besonders schwer von der Coronakrise erwischt wird: vor allem, wenn sie im Veranstaltungs-, Tourismus- oder Gastronomiebereich arbeiten. Oft sind diesen Erwerbstätigen sämtliche Einnahmen weggebrochen.

Viele Krankenversicherer versuchen bereits, den Betroffenen entgegenzukommen. So bieten einige Versicherer freiwillig an, dass ihre Kundinnen und Kunden vorübergehend in einen weniger leistungsfähigen Tarif wechseln – um dann, anders als üblich, ohne neue Risikoprüfung in den Altvertrag zurückkehren zu können. Eine andere Möglichkeit ist, die Beiträge stunden zu lassen. Das Problem: Dann müssen sie zu einem späteren Zeitpunkt nachgezahlt werden. Hier empfiehlt es sich, das Gespräch mit dem Versicherer oder Vermittler zu suchen, bevor man einfach nicht zahlt.

Sozialtarife: Rückkehr in Alttarife unter Umständen schwierig

Eine weitere Möglichkeit ist, in einen der sogenannten Sozialtarife der PKV zu wechseln. Drei Tarife bietet die Branche aktuell an: den Standardtarif, den Basistarif und den Notlagentarif.

Der Standardtarif ist jener, der sich bisher am ehesten bewährt hat. Er bietet vergleichbare Leistungen wie die gesetzlichen Krankenkassen zu einem deutlich reduzierten Betrag. Zudem werden in ihm auch Alterungsrückstellungen gebildet, um Beitragssprünge im Alter abzufedern – ein Vorteil, den die anderen beiden Sozialtarife nicht haben. Das Problem ist allerdings, dass nur Versicherte vom Standardtarif Gebrauch machen können, die sich vor dem 1. Januar 2009 einer privaten Krankenversicherung angeschlossen haben. Hier appelliert der PKV-Verband aktuell an die Politik, den Standardtarif aufgrund der Pandemie für alle zu öffnen.

Der zweite Sozialtarif ist der Basistarif. Diesen gibt es seit 2009 – er verpflichtet die Privatversicherer, einen Tarif anzubieten, der -unabhängig von Vorerkrankungen und einer Risikoprüfung- allen Versicherten offen steht. Und das ist so ein bisschen das Problem dabei. Denn eine Risikokalkulation ist bei diesen Angeboten schwierig: Die Versicherer befürchten schlicht, dass viele ältere Versicherte mit Vorerkrankungen diesen wählen. Auch hier müssen die Gesellschaften vergleichbare Leistungen wie die Krankenkassen bieten.

Im Basistarif dürfen die Krankenversicherer als maximalen Beitrag nur den Höchstbetrag der gesetzlichen Krankenkassen verlangen. Aber das ist leider gar nicht so wenig: Er liegt aktuell bei circa 736 Euro. Selbst wenn der Beitrag nicht ausgereizt wird, sind diese Angebote in der Regel vergleichsweise teuer. Dennoch sollte man beim Versicherer anfragen, ob und unter welchen Umständen man sich dort versichern kann.

Gesetzentwurf der Bundesregierung: einfacheres Rückkehrrecht

In diesem Basistarif sieht die Bundesregierung nun die Lösung für jene, die von der Coronakrise betroffen sind. Ein aktueller Gesetzentwurf sieht vor, dass ein wichtiger Nachteil dieser Tarife ausgeschaltet werden soll: nämlich, dass normalerweise eine Risikoprüfung für die Rückkehr in den Alttarif vorgesehen ist, die zu Ausschlüssen und höheren Prämien führen kann. Das will die Bundesregierung nun vorübergehend korrigieren, berichtet der PKV-Verband aktuell auf seiner Webseite.

“Geplant ist, dass Versicherte, die nach dem 16. März 2020 wegen Hilfebedürftigkeit in den Basistarif wechseln, mit ihren vormals erworbenen Rechten ohne erneute Gesundheitsprüfung in ihren Ursprungstarif zurückkehren dürfen. Voraussetzung ist, dass sie die Hilfebedürftigkeit innerhalb von drei Jahren überwunden haben und innerhalb von drei Monaten nach deren Ende die Rückkehr beantragen”, schreibt der PKV-Verband.

Die Bundesregierung verweist auf die Vorteile des Basistarifes. Bei finanziell Hilfsbedürftigen werde der Beitrag halbiert – oder die Bundesagentur übernimmt gar bis zu 100 Prozent der Kosten, wenn der Betroffene auf Grundsicherung angewiesen ist. Der PKV-Verband aber fordert, auch den Standardtarif zu öffnen, da er für viele Versicherte die bessere Option wäre. Hier wird sich zeigen, wie die Politik entscheidet und ob sie einlenkt.

Notlagentarif bietet nur Akutversorgung

Der dritte Sozialtarif der PKV ist in Corona-Zeiten keine gute Lösung: der sogenannte Notlagentarif. Das ist ein Angebot für jene, die ihre Beiträge aktuell nicht zahlen können und mindestens zwei Monate im Verzug sind. Im Notlagentarif haben die Betroffenen aber nur Anspruch auf eine Notfallversorgung, etwa bei Schmerzen oder Schwangerschaft. Gerade in Coronazeiten keine gute Option. Der Beitrag ist hier immerhin auf circa 100-120 Euro begrenzt.

Bevor man in den Notlagentarif wechseln muss, empfiehlt es sich das Gespräch mit dem Versicherer und Vermittler zu suchen, um sich über Alternativen beraten zu lassen.

Seit 2013 gibt es den sogenannten Notlagentarif der privaten Krankenversicherung: Er soll Menschen helfen, die Beitragsschulden angehäuft haben. Tatsächlich gelingt es vielen, sich mit diesem Tarif zu entschulden. Das berichtet aktuell der Verband der privaten Krankenversicherung (PKV) — und nennt Zahlen.

Beitragsschulden in der privaten Krankenversicherung? Wem das passiert, der muss sich nicht schämen oder verzweifeln. Weil sich die Prämie in der PKV nicht am Einkommen orientiert, kann es schonmal passieren, dass Menschen mit den Beiträgen in Rückstand geraten. Für solche Fälle hat das Gesundheitssystem ein Auffangnetz geschaffen: Die Sozialtarife in der PKV.

Recht junger Notlagentarif

Ein solcher ist auch der sogenannte Notlagentarif, ein recht junges Konstrukt. 2013 war er von der damaligen Bundesregierung eingeführt worden. Das dazugehörige Gesetz hörte auf den sperrigen Titel “Gesetz zur Beseitigung sozialer Überforderung bei Beitragsschulden in der Krankenversicherung”. Und dieses kann durchaus Erfolge vorweisen.

Die Bundesregierung musste damals auf den Umstand regieren, dass rund 149.000 Privatversicherte Beitragsschulden von mindestens drei Monaten angehäuft hatten. Die Außenstände der Versicherer bezifferten sich auf 745 Millionen Euro. Diesen Menschen sollte ein schnellerer Weg zurück in ihre alten Tarife geebnet werden: einen Weg aus den Schulden.

Das ist auch gelungen, glaubt man einem Pressetext des PKV-Verbandes. So sank die Zahl der Menschen, die ihre Beiträge nicht bedienen können. “Ende 2018 waren im Notlagentarif insgesamt 102.200 Personen versichert. Das sind etwa drei Prozent weniger als im Jahr zuvor und nur 1,7 Prozent aller Privatversicherten”, schreibt der PKV-Verband. “Verglichen mit den etwa 149.000 Nichtzahlern vor Einführung des Notlagentarifs ist die Gesamtzahl also um über 31 Prozent zurückgegangen”.

Wie der Notlagentarif funktioniert

Dabei können die Versicherten den Notlagentarif nicht bewusst wählen. Er funktioniert folgendermaßen: Wer in Beitragsrückstand gerät und diesen nach zweimaliger Mahnung des Versicherers nicht innerhalb einer Frist begleicht, landet zwangsweise im Notlagentarif. Das bedeutet zunächst Nachteile. Die Versicherten haben nur noch Anspruch auf eine Akut- und Schmerzversorgung. Auch Leistungen bei Schwangerschaft und Mutterschaft bleiben unberührt.

Zugleich aber sinkt auch der zu zahlende Beitrag für die Betroffenen: auf 100-150 Euro monatlich. Das bremst nicht nur den Anstieg der Beitragsschulden aus, sondern bewirkt auch, dass sie schneller zurückgezahlt werden können. Mit Erfolg, denn Beitragsschulden müssen kein Dauerzustand sein. Im Schnitt nach einem Jahr kehren die Versicherten in ihre “normalen” Tarife zurück, so der PKV-Verband.

Alterungsrückstellungen werden in der Zeit nicht gebildet, fließen sogar teils in die reduzierten Prämien mit ein. Die übrigen Rückstellungen “parkt” und verzinst der Versicherer aber, damit die betroffenen Menschen wieder in ihre alten Tarife zurückkehren können.

Weitere Sozialtarife

Der Notlagentarif ist nicht der einzige Sozialtarif für Privatversicherte. Wer vor 2009 eine Police abgeschlossen und Probleme mit den Beiträgen hat, kann einen Standardtarif wählen. Er bietet ein Niveau vergleichbar den gesetzlichen Krankenkassen und vergleichsweise günstige Beiträge. Späteren Kunden steht aber nur noch der Basistarif offen, der ebenfalls den Kassen vergleichbare Leistungen beinhaltet. Allerdings zu saftigen Preisen: Laut Studien von Verbraucherschützern verlangen hier viele Versicherer den aktuellen Höchstbetrag der gesetzlichen Krankenkassen. Dieser gibt zwar das erlaubte Maximum vor, liegt aber bei stolzen 703,32 Euro Monatsbeitrag.

Eine weitere Option für Prämien-Ersparnisse: Laut §204 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) haben Privatpatienten das gesetzlich verbriefte Recht, innerhalb der Gesellschaft in alle gleichartigen Tarife zu wechseln – unter Mitnahme der Altersrückstellungen. Eine neue Gesundheitsprüfung oder einen Risikoaufschlag kann der Versicherer nur dann verlangen, wenn der Kunde auf Mehrleistungen besteht. Ein Beratungsgespräch kann helfen, mögliche Sparpotentiale zu identifizieren. Dabei geht es auch um die Frage, wie möglichst verhindert werden kann, dass man wichtige Leistungsansprüche verliert.

Zudem darf nicht vergessen werden, dass auch die gesetzlichen Krankenkassen sich als Beitragsfalle entpuppen können: vor allem für freiwillig Versicherte, wenn sie Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil tragen müssen. Zum Jahresende 2018 hatten Kassenpatienten laut Bundesversicherungsamt Rückstände in Höhe von 10,4 Milliarden Euro angehäuft: eine beachtliche Zahl. 2018 hat der Gesetzgeber eingegriffen und den sogenannten Mindestbeitrag für Geringverdiener zum Jahresanfang 2019 halbiert.