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Werden Menschen berufsunfähig, sind meistens psychische Störungen Ursache. Das belegt eine Analyse des viertgrößten Lebensversicherers in Deutschland.

Die Debeka zählt zu den größten Versicherern in Deutschland. 2019 zahlte der Versicherer insgesamt 61,7 Millionen Euro Rente an Menschen, die Leistungen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung beziehen. Bei dem Versicherer waren das immerhin 7.200 Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen ihrer Arbeit nicht oder nur teilweise nachgehen konnten. Insgesamt haben 506.000 Personen bei dem Koblenzer Unternehmen eine Berufsunfähigkeitsversicherung.

Um die Hauptursachen für Berufsunfähigkeit herauszufinden, hat der Versicherer die Daten für die rund 1.000 neu eingetretenen BU-Leistungsfälle ausgewertet. Dabei zeigte sich folgendes Bild:

Erkrankungen der Psyche waren in 44,1 Prozent der Fälle Grund für die Berufsunfähigkeit und sind damit der Hauptgrund. Deutlich weniger oft waren Tumore (gut- und bösartig) der ausschlaggebende Grund. Das war “nur” in 15,7 Prozent der Fälle so. Drittwichtigste BU-Ursache sind mit 12,6 Prozent Erkrankungen des Bewegungsapparates (Rücken, Gelenke, usw.).

Im Wesentlichen bestätigt der Versicherer mit dieser Bestandsauswertung Zahlen, die das Analysehaus Franke und Bornberg im Sommer 2020 vorlegte. Auch dort dominieren psychische Erkrankungen das Feld der BU-Leistungsauslöser. Allerdings sind die Abstände zwischen den Auslösern nicht so deutlich, wie in der Debeka-Auswertung.

Branchenweit sind psychische Erkrankungen in 26,64 Prozent der Fälle leistungsauslösend. Auf dem zweiten Rang finden sich die Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems und Bindegewebes mit 23,76 Prozent. Tumore und Geschwulste kommen auf Platz 3. Sie sind in 19,11 Prozent der BU-Fälle ursächlich.

Erneut zeigt eine Studie, dass das Wissen der Deutschen über Berufsunfähigkeit recht lückenhaft ist, teils sogar falsch. So glaubt jeder zweite Deutsche im erwerbsfähigen Alter, die gesetzliche Rentenversicherung schütze ihn auch bei Berufsunfähigkeit. Das ist ein Irrtum.

Genau jeder zweite Deutsche (50 Prozent) ist der Überzeugung, dass er im Falle einer Berufsunfähigkeit durch den Staat abgesichert ist. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschers Kantar Public im Auftrag der MetallRente. Doch das ist ein gefährlicher Trugschluss, denn spätestens seit einer Gesetzesreform 2001 ist das nicht mehr der Fall.

Seitdem nämlich existiert eine Absicherung des Berufsunfähigkeits-Risikos in der gesetzlichen Rentenversicherung nur noch für jene, die vor dem 2.1.1961 geboren wurden, und auch nur unter bestimmten Vorraussetzungen. Wer aber jünger als 59 Jahre alt ist, kommt nicht mehr in diesen Genuss. Für jene gilt, dass die Rentenkasse nur noch das Risiko der Erwerbsunfähigkeit absichert.

Status des Berufes: Rentenkasse nimmt keine Rücksicht

Was aber ist der Unterschied zwischen Berufs- und Erwerbsfähigkeit? Auch hier weist die Kantar-Umfrage gefährliche Wissenslücken nach. Nur knapp vier von zehn Befragten (38 Prozent) konnten darauf antworten.

Stark vereinfacht lässt sich das in folgende Faustformel fassen: Nur eine Absicherung gegen Berufsunfähigkeit berücksichtigt Status und Einkommen des zuletzt ausgeübten Berufes. Bei Erwerbsunfähigkeit ist das nicht der Fall: Hier kann man auf jeden anderen Beruf verwiesen werden, bevor man eine Leistung erhält, auch wenn damit ein deutlicher Status- und Einkommensverlust verbunden ist.

So berichtet die Deutsche Rentenversicherung auf ihrer Webseite: “Sie erhalten eine Rente wegen voller Erwerbsminderung, wenn Sie wegen Krankheit oder Behinderung weniger als drei Stunden täglich arbeiten können. Und zwar nicht nur in Ihrer, sondern in allen Tätigkeiten”. Das bedeutet im Klartext, dass man zum Beispiel als Chefarzt einer Klinik noch auf den Pförtner-Job verwiesen werden kann, wenn man aufgrund eines psychischen Leidens nicht mehr medizinisch praktizieren kann.

Zudem muss man eine Wartezeit von fünf Jahren erfüllen, bevor überhaupt Anspruch auf eine gesetzliche Erwerbsminderungs-Rente besteht: Das ist speziell für Studenten und Berufseinsteiger ein Risiko. Dennoch kann man nur auf eine Leistung auf Grundsicherungs-Niveau hoffen. Laut Deutscher Rentenversicherung betrug die durchschnittliche Erwerbsminderungsrente im Jahr 2019 lediglich 835 Euro.

Private Vorsorge lohnt sich!

Hier kann es nicht schaden, sich möglichst zeitig zusätzlich privat abzusichern, wobei eine private Berufsunfähigkeitsversicherung erste Wahl ist. Diese wird sogar schon für Schüler und Studenten angeboten: Wer jung ist und keine Vorerkrankungen hat, zahlt einen deutlich niedrigeren Beitrag. Ein früher Abschluss kann sich auszahlen, weil in der Regel der Gesundheitszustand bei Vertragsabschluss eingefroren wird und man ihn über die Vertragslaufzeit mit sich trägt.

Übrigens ist laut der Umfrage auch 80 Prozent der Deutschen bekannt, dass man früh selbst vorsorgen sollte. Als häufiger Hindernisgrund werden fehlende finanzielle Möglichkeiten und fehlendes Wissen zu den Tarifen genannt. Hier hilft eine Beratung, einen preiswerten und dennoch guten Schutz zu finden. Immerhin muss geschätzt jeder vierte Deutsche vorzeitig seinen Beruf aufgeben, im Schnitt mit Mitte 40.

Das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes kann lästig sein. Wer sich von der Pflicht befreien lassen will, braucht einen Attest des Arztes. Doch “Gefälligkeitsatteste” sind rechtswidrig und bergen Risiken.

Wer sich vom Tragen eines Mund- und Nasenschutzes im Rahmen der Corona-Maßnahmen befreien lassen möchte, braucht dazu die konkrete ärztliche Diagnose eines Krankheitsbildes. So stellte es das Verwaltungsgericht Würzburg in einem Beschluss vom 16. September 2020 fest (AZ Nr. W 8 E 20.1301).

Mit dieser Pflicht wollten die Würzburger Richter auch sogenannten “Gefälligkeitsatteste” vorbeugen. Gemeint sind damit Atteste für Menschen deren leichte Erkrankung eben nicht für ein Befreiungsattest ausreicht. Wer nun seinen Arzt bittet, die Diagnose entsprechend zu ändern, damit die Maskenpflicht ausgesetzt werden kann, handelt rechtswidrig. Zum anderen könnte er sich damit auch für eine spätere Inanspruchnahme etwa einer Berufsunfähigkeitsversicherung selbst ein Bein stellen, warnt Sven-Wulf Schöller, Fachanwalt für Versicherungsrecht von der Arbeitsgemeinschaft Versicherungsrecht. Um die Gefahr deutlich zu machen, schildert er folgendes Szenario:

Ein Verbraucher möchte sich vom Tragen eines geeigneten Mund- und Nasenschutzes befreien lassen und überredet seinen Arzt, ihm eine Erkrankung zu bescheinigen, die er gar nicht oder nicht in der entsprechenden Schwere hat. Einige Zeit später will er eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen, füllt die entsprechenden Gesundheitsfragebögen aus und wähnt seine Welt in Ordnung. Noch einmal einige Zeit später kommt es dazu, dass der Versicherungsnehmer die Berufsunfähigkeitsversicherung in Anspruch nehmen muss. Diese prüft seinen Antrag und findet in seiner Krankengeschichte die Diagnose einer schweren Lungenerkrankung. Der Versicherer lehnt die Leistung ab mit der Begründung, hier sei eine Vorerkrankung im Gesundheitsfragebogen nicht erwähnt worden. Der Versicherungsnehmer sieht sich auf einmal mit dem Vorwurf der arglistigen Täuschung konfrontiert und sein einziger Zeuge, sein Hausarzt, wird kaum bereit sein, hierzu eine Aussage zu machen. Schließlich hat er mit dem Attest zur längst zurückliegenden Befreiung von der Maskenpflicht de facto Versicherungsbetrug begangen, wenn er die Rechnung für das falsche Attest zum Zwecke der Einreichung bei der Krankenversicherung ausstellt. Von der Ausstellung eines unrichtigen Attestes, ganz zu schweigen. “Dieses Beispiel zeigt, dass aus einer vermeintlich kleinen Schummelei später existenzielle Schwierigkeiten erwachsen können”, unterstreicht Rechtsanwalt Schöller.

Die Arbeitsgemeinschaft Versicherungsrecht warnt Verbraucher daher eindringlich davor, solche “Deals” einzufädeln oder sich darauf einzulassen. Ein solches Gefälligkeitsattest zur Befreiung von der Maskenpflicht lohne sich in keinem Fall, hebt der Fachanwalt für Versicherungsrecht hervor, “ganz abgesehen davon, dass die Einreichung von unrichtigen Rechnungen und Angabe falscher Erklärungen Versicherungsbetrug ist und der ist bekanntlich strafbar”, wie der Rechtsanwalt betont. Darüber hinaus haben sowohl Ladengeschäfte als auch Restaurantbetriebe oder Betreiber öffentlicher Verkehrsmittel weiterhin das Hausrecht und müssen ein Attest zur Befreiung von der Maskenpflicht nicht akzeptieren.

Welche Krankheiten führen zu Berufsunfähigkeit? Dies wertet jährlich ein Hannoveraner Analysehaus aus. Die aktuellen Zahlen belegen den Trend: Immer häufiger führen psychische Krankheiten zum Aus im Beruf. Aber auch Gebrechen, die aus körperlicher Belastung resultieren, sind nicht zu unterschätzen.

Das Hannoveraner Analysehaus Franke und Bornberg wertet seit mehreren Jahren anhand von Stichproben aus, welche Krankheiten zur Anerkennung einer privaten Berufsunfähigkeit-Rente führen. Die neuesten Zahlen stammen aus dem Juni 2020. Und der Trend ist eindeutig: Immer öfter sind psychische Krankheiten Ursache für das vorzeitige Aus im Beruf.

In der aktuellen Untersuchungen waren “psychische Krankheiten und Verhaltensstörungen” bereits für 26,64 Prozent aller neuen BU-Renten Leistungsauslöser. Das verdeutlicht den Trend, dass auch Menschen mit körperlich leichten und geistigen Tätigkeiten, etwa im Büro, von der Berufsunfähigkeit bedroht sind. Stress, die zunehmende Vermischung von Beruf und Freizeit sowie zunehmender Leistungsdruck sind hierfür wichtige Gründe. Noch vor zehn Jahren waren nur etwa 20 Prozent der neuen Fälle psychisch bedingt.

Dennoch sind auch die körperlichen Ursachen nicht zu unterschätzen. Mit 23,76 Prozent aller neuen Leistungsfälle rangieren “Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und Bindegewebes” bereits auf dem zweiten Rang – mit ähnlich vielen Betroffenen. Hier wird alles zugerechnet, was durch schwere Tätigkeiten und körperlichen Verschleiß begünstigt werden kann: also wenn Rücken, Gelenke, Muskeln oder Knochen nicht mehr mitspielen.

Auf Rang drei der wichtigsten BU-Gründe landen die sogenannten Bösartigen Neubildungen (19,11 Prozent): stark vereinfacht alles, was Krebs und Tumoren zugerechnet werden kann. Eine solche Diagnose ist für viele Menschen und ihre Angehörigen nicht nur psychisch eine große Belastung. Sie bedeutet mit Blick auf das Erwerbsleben oft einen Bruch in der Biographie: Der Job kann lange Zeit nicht mehr ausgeübt werden oder muss sogar ganz aufgegeben werden.

An vierter Stelle kommen die sonstigen Erkrankungen mit 16,95 Prozent: etwa Erkrankungen der inneren Organe wie zum Beispiel der Schilddrüse oder Niere, auch Erbkrankheiten werden hier zugerechnet. Darauf folgen Erkrankungen des Kreislaufsystems (7,23 Prozent) und Unfälle (6,31 Prozent).

Schützen kann man sich vor den vielfältigen Ursachen mit einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung: Sie zahlt in der Regel ab einer Berufsunfähigkeit von 50 Prozent. Was es hierbei zu beachten gibt, klärt ein Beratungsgespräch.

Der staatliche Versicherungsschutz für den Verlust der Arbeitskraft und damit des Einkommens ist sehr gering: Eine Rente wegen voller Erwerbsminderung erhalten nur Personen, die weniger als drei Stunden täglich arbeiten können — egal in welcher Tätigkeit. Hingegen ist das Risiko “Berufsunfähigkeit” seit einer Rentenreform im Jahr 2001 nicht mehr durch den staatlichen Schutz abgedeckt.

Sogar Verbraucherschützer empfehlen demnach eine Berufsunfähigkeitsversicherung und bezeichnen diese als “Must-Have” ohne Alternative. Was aber ist, wenn aufgrund eines fortgeschrittenen Alters, einer bestimmten Vorerkrankung oder einer gefährlichen beruflichen Tätigkeit nur ein sehr teurer oder gar kein BU-Schutz zu haben ist? Wie der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) in einem aktuellen Beitrag empfiehlt, kann sich dann lohnen, über den Abschluss einer Grundfähigkeitsversicherung nachzudenken.

Grundfähigkeitsversicherung als “kleine Alternative”: Recht neu auf dem deutschen Markt

Die Grundfähigkeitsversicherung ist eine noch neue Produktklasse auf dem deutschen Versicherungsmarkt – erst ab dem Jahr 2000 wurde sie in Deutschland eingeführt. Rund 20 Anbieter gibt es laut Beitrag des GDV mittlerweile. Diese haben im vergangenen Jahr geschätzt 60.000 Verträge neu an die Frau oder den Mann gebracht. Abgesichert werden Grundfähigkeiten des menschlichen Handelns.

Als wichtigste versicherbare Grundfähigkeiten gelten auf dem Markt: 1.) Gehen; 2.) Stehen; 3.) Knien oder Bücken; 4.) Autofahren; 5.) Sprechen; 6.) Hören; 7.) Heben und Tragen; 8.) Arme bewegen; 9.) Hände gebrauchen als Geschicklichkeit; 10.) Hände gebrauchen als Kraft aufwenden; 11.) Treppensteigen; 12.) Sehen; 13.) Geistige Leistungsfähigkeit; 14.) Sitzen. Sobald ein Mensch eine versicherte Grundfähigkeit für eine Mindestdauer verliert (zumeist für mindestens sechs Monate), wird eine regelmäßige Rente gezahlt.

Keineswegs beschränkt sich das Angebot des Marktes aber auf solche Kernfähigkeiten. Stattdessen werden mittlerweile immer neue Grundfähigkeiten definiert, um Produkte für Kunden attraktiv zu machen – immer mehr Fähigkeiten lassen sich also versichern. Allerdings hängt der Preis einer Police zumeist von der Anzahl der versicherten Grundfähigkeiten ab.

Produkte unterscheiden sich in der Leistungspflicht

Wer eine Grundfähigkeitsversicherung abschließen will, der sollte zunächst analysieren, auf welche Grundfähigkeiten er in seinem Beruf besonders angewiesen ist. Als Beispiel: Für einen Handwerker lohnt sich das Absichern der Fähigkeit, die Hände zu gebrauchen. Aber die Wahl der richtigen Fähigkeit ist erst der Anfang der Produktwahl. Denn anschließend heißt es: Vertragsbedingungen vergleichen.

Definieren doch Anbieter mitunter sehr verschieden, wann der Verlust einer Grundfähigkeit erfüllt ist. Und erst dann, wenn Fach-Gutachten einen Verlust im Sinne der Definition nachweisen, müssen die Anbieter auch tatsächlich leisten durch Zahlung der vereinbarten Rente. Aufgrund verschiedener Definitionen kann demnach die gleiche Grundfähigkeit zu gänzlich unterschiedlichen Bedingungen abgesichert sein.

Für psychische Erkrankungen wird in der Regel nicht gezahlt

Wichtig ist zudem: Der Verlust der Grundfähigkeit muss in der Regel organisch bedingt sein – also zum Beispiel durch Multiple Sklerose, Schädelhirntrauma, Schlaganfall, Hirntumor oder ähnliches. Damit aber bleibt in dem Versicherungsschutz einer Grundfähigkeitsversicherung eine große Lücke: Geleistet wird in der Regel nicht, sobald der Verlust der Fähigkeit psychisch bedingt ist. Viele Vertragswerke schließen psychische Erkrankungen explizit aus dem Versicherungsschutz aus.

Deswegen ist die Grundfähigkeitsversicherung auch kein vollwertiger Ersatz für die Berufsunfähigkeitsversicherung. Denn die Berufsunfähigkeitsversicherung leistet auch bei psychischen Erkrankungen – der Versicherungsschutz greift, sobald Versicherungsnehmer wegen einer Krankheit oder eines Unfalls weniger als 50 Prozent berufsfähig sind.

Und psychische Erkrankungen sind mittlerweile der Hauptgrund, warum Menschen überhaupt eine BU-Rente beziehen müssen durch Aufgeben des Berufs: 29 Prozent aller Leistungsfälle für die Berufsunfähigkeitsversicherung gehen laut einer Studie auf psychische Erkrankungen zurück.

Die Grundfähigkeitsversicherung bleibt allerdings eine Alternative, sobald die BU-Versicherung nur zu erschwerten Bedingungen zu haben ist oder gar nicht zu haben ist. Wer zu diesem komplexen Problemfeld der Arbeitskraft-Absicherung Rat sucht, der sollte sich – schon aufgrund der komplexen und unterschiedlichen Produkte – an eine Expertin oder einen Experten wenden.

Die gute Nachricht: Die Deutschen sichern sich immer besser gegen Berufsunfähigkeit ab. So sind die durchschnittlich vereinbarten Jahresrenten in den letzten Jahren stetig gestiegen. Die schlechte: Noch immer sind die vereinbarten BU-Renten oft zu niedrig, um den Lebensstandard der Versicherten ausreichend abzusichern. Das geht aus aktuellen Branchenzahlen der Versicherungswirtschaft hervor.

Deutsche Verbraucher vereinbaren immer höhere Renten, um sich mit einer Berufsunfähigkeits-Police für den Fall abzusichern, dass es im Job nicht mehr weitergeht. Das zeigen aktuelle Zahlen, die der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) am Montag präsentierte.

Wiesen 2009 erst 35 Prozent der ausgewerteten Verträge eine Barrente von jährlich mehr als 10.000 Euro aus, so lag dieser Anteil 2018 bereits bei 49 Prozent, schreibt der GDV im Pressetext. “Die Zahlen unterstreichen das wachsende Bewusstsein der Menschen dafür, ihre Arbeitskraft abzusichern”, sagt GDV-Geschäftsführer Peter Schwark. Immerhin jeder vierte Arbeitnehmer werde im Verlauf seines Berufslebens mindestens einmal berufsunfähig – sei es durch eine schwere Krankheit oder Unfall. Im Schnitt schließen die Deutschen eine BU mit 28 Jahren ab.

Viele Renten noch immer zu wenig

Trotz dieses Trends zeigen die Zahlen auch, dass viele Versicherte noch immer zu niedrige Renten bei Berufsunfähigkeit vereinbart haben. Selbst eine Jahresrente von 10.000 Euro sichert den Betroffenen nur knapp 834 Euro im Monat zu: kaum mehr als Grundsicherungs-Niveau.

Hier sei daran erinnert, dass die private BU-Rente mit der Grundsicherung verrechnet wird, sollte ein Berufsunfähiger bzw. eine Berufsunfähige auf Sozialleistungen angewiesen sein. Entsprechend sollte eine Rente vereinbart werden, die deutlich darüber liegt. Experten empfehlen, mindestens 1.000 Euro pro Monat abzusichern.

Wie hoch die Rente gewählt wird, ist natürlich auch von der jeweiligen Lebenssituation, dem Beruf und den finanziellen Möglichkeiten des Versicherungsnehmers abhängig. Allein-Ernährer einer Familie sollten zum Beispiel eine höhere Summe vereinbaren, auch ein laufender Kredit kann ein Grund für einen höheren Schutz sein. Die Höhe sollte sich am jeweiligen Nettoeinkommen orientieren.

Etwas schwieriger ist es natürlich für Schüler, Studenten und Gründer, die finanziellen Kosten eines BU-Schutzes zu stemmen. Dabei ist es sinnvoll, sich zeitig zu versichern. Nicht nur werden viele Studenten zum Beispiel in eine günstige Berufsgruppe eingestuft. Sie haben in der Regel auch noch keinen Schutz über die gesetzliche Erwerbsminderungsrente erworben. Ein früher Abschluss lohnt sich auch, weil dann in der Regel noch keine Vorerkrankungen vorliegen.

Für diese Zielgruppen kann zunächst eine geringere Summe vereinbart werden. Darauf geachtet werden sollte aber, dass dieser Schutz im Laufe des Lebens entsprechend angepasst und erhöht werden kann: zum Beispiel über Nachversicherungs-Garantien. Auch sollten Schüler und Studenten die Klauseln des Vertrages genau checken: etwa, ob eine extra Gesundheitsprüfung erforderlich wird, wenn ein vollwertiger Beruf ergriffen wird.

Eine aktuelle Umfrage zur Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) zeigt, dass die Bundesbürger noch immer recht sorglos mit dem Thema umgehen. Zwar erkennen sie das Risiko, dass es eine hohe Wahrscheinlichkeit gibt, im Laufe des Lebens berufsunfähig zu werden. Zugleich aber überwiegt die Einstellung – “Mich wird es schon nicht treffen!”

Gefahr erkannt – Gefahr gebannt? Das trifft auf die Deutschen zumindest mit Blick auf die Berufsunfähigkeit nicht zu. Eine repräsentative Forsa-Studie im Auftrag eines großen Versicherers zeigt demnach ein sehr widersprüchliches Ergebnis.

Zwar ist den Bürgerinnen und Bürgern durchaus bewusst, dass es sehr wahrscheinlich ist, einen Einnahmeausfall infolge der Berufsunfähigkeit zu erleiden. Sie ist sogar Favorit, wenn es um die Absicherung von Lebensrisiken geht: 62 Prozent nennen eine Berufsunfähigkeits-Police als wichtige Absicherung noch vor einer privaten Rentenversicherung (54 Prozent) und der Kfz-Vollkasko (37 Prozent, Mehrfachantworten möglich). Zum Vergleich: eine Unfallversicherung, immerhin auch eine potentiell wichtiger Schutz, landet mit nur drei Prozent Zustimmung deutlich abgeschlagen hinter BU-Policen.

Dem entgegen betrachten die Befragten das Risiko einer eigenen Berufsunfähigkeit als sehr niedrig. Die Mehrheit der Umfrageteilnehmer schätzt das Risiko, selbst berufsunfähig zu werden, als gering (54 Prozent) oder gar sehr gering (17 Prozent) ein. Immerhin sagten auch 48 Prozent der Umfrageteilnehmer, dass sie dieses Risiko bereits abgesichert hätten – ein Wert, der Mut macht. Wobei man relativieren muss, dass viele sich abgesichert wähnen, obwohl sie doch einen anderen Schutz haben. Allein die Berufsunfähigkeitsversicherung sichert nämlich Status und Einkommen des tatsächlich ausgeübten Berufes. Hierbei sei daran erinnert, dass nahezu jeder Vierte seinen Job vor dem Rentenalter aufgeben muss – im Schnitt mit Mitte 40.

Eine Unfallversicherung ist keine BU!

Ein potentielles Missverständnis: So gaben etwa Befragte, die sich abgesichert wähnten, auch an, dass sie mit einer privaten Unfallversicherung (60 Prozent) ihre Arbeitskraft schützen. Diese leistet aber tatsächlich nur, wenn sich ein Unfall ereignet hat, der zu einem körperlichen Schaden führte. In der Regel erbringen die Verträge aber keine Leistung bei Krankheiten wie Krebs, Gelenk-Verschleiß – oder psychischen Erkrankungen, die mittlerweile Hauptursache für Berufsunfähigkeit sind. Knapp jede dritte BU-Neurente wird bewilligt, weil die Psyche eine Ausübung des Berufes verhindert.

Bei den Gründen, weshalb die Abstinenzler sich nicht absichern, überwiegt vor allem der finanzielle Aspekt: Viele sagen schlicht, eine BU ist zu teuer. Tatsächlich gehören diese Verträge zu den Versicherungen, für die man etwas mehr Geld monatlich überweisen muss: speziell Risikoberufe zahlen oft mehr. Dennoch sollte man versuchen, ob eine Absicherung nicht doch auch preiswert möglich ist.

Wichtiger aber noch als der der Preis ist der Leistungskatalog des Versicherers. Dieser sollte auf den Beruf und die konkrete Lebenssituation des Versicherungsnehmers zugeschnitten sein. Hier empfiehlt es sich, eine anonymisierte Voranfrage an die Versicherer zu stellen, ob und unter welchen Bedingungen man sich versichern lassen kann. Denn gerade Vorerkrankungen werden oft mit deutlichen Preisaufschlägen und Ausschlüssen “bestraft” – oder führen sogar dazu, dass man den gewünschten Vertrag nicht bekommt. Ein Beratungsgespräch schafft Aufklärung!

Das Risiko “Berufsunfähigkeit” ist seit einer Rentenreform im Jahr 2001 nicht mehr durch den staatlichen Schutz versichert. Seitdem erbringt die Rentenkasse nur noch Leistungen bei Erwerbsminderung. Bedingungen für eine Erwerbsminderungsrente aber sind äußerst rigoros:

  • Volle Erwerbsminderung nach dem 6. Sozialgesetzbuch liegt demnach erst dann vor, wenn Betroffene wegen Krankheit oder Behinderung weniger als drei Stunden täglich arbeiten können — egal in welcher Tätigkeit. Demnach sind Menschen, die als erwerbsgemindert gelten, in ihrer Lebensweise schon auf das Äußerste eingeschränkt.
  • Zwar gibt es auch eine Rente bei teilweiser Erwerbsminderung. Doch auch hier sind medizinische Voraussetzungen streng: Die Rente erhält nur, wer wegen Krankheit oder Behinderung weniger als sechs Stunden täglich arbeiten kann — egal in welcher Tätigkeit.

Nun veröffentlichte das Bundesministerium für Arbeit und Soziales neue Zahlen für die Rentenbestände in der gesetzlichen Rentenversicherung. Diese Zahlen zeigen unter anderem, wie hoch die durchschnittlichen Erwerbsminderungsrenten in Ost- und Westdeutschland sind. Die Rentenhöhe unterscheidet sich durch verschiedene Leistungsvorgaben für die allgemeine und die knappschaftliche Rentenversicherung. Im Folgenden sind jedoch nur die Zahlen für Erwerbsminderungsrenten der allgemeinen Rentenversicherung angegeben.

Renten wegen voller Erwerbsminderung: Das erhalten Betroffene

  • Männer in Ostdeutschland erhalten eine Rente wegen voller Erwerbsminderung in Höhe von durchschnittlich 795,36 Euro monatlich. Frauen in Ostdeutschland erhalten durchschnittlich 943,28 Euro monatlich. Bedingung für diese Rente ist eine Mindestversicherungszeit von fünf Jahren in der gesetzlichen Rentenversicherung.
  • Männer in Westdeutschland erhalten eine Rente wegen voller Erwerbsminderung in Höhe von monatlich durchschnittlich 838,08 Euro. Frauen in Westdeutschland erhalten durchschnittlich etwas weniger: 830,14 Euro monatlich. Bedingung für diese Renten ist eine Mindestversicherungszeit von fünf Jahren.

Es gibt auch Renten, die gezahlt werden an Menschen, die bei Eintritt der Erwerbsminderung noch nicht die Mindestversicherungszeit erfüllten – zum Beispiel, weil sie vor Erfüllung der allgemeinen Wartezeit schon voll erwerbsgemindert waren. Dann aber gilt bis zum Erhalt der Rente eine lange Wartezeit von 20 Jahren (gemäß Paragraph 43 des Sechsten Sozialgesetzbuchs). Für diese Menschen werden folgende Renten gezahlt:

  • Männer in Ostdeutschland erhalten durchschnittlich 932,56 Euro monatlich bei voller Erwerbsminderung, weil sie vor Erfüllung der allgemeinen Wartezeit bereits voll erwerbsgemindert waren und 20 Jahre Wartezeit vorweisen konnten. Frauen erhalten unter dieser Maßgabe eine durchschnittliche Rente von 941,26 Euro monatlich.
  • Männer in Westdeutschland erhalten hier 797,08 Euro monatliche Rente, weil sie vor Erfüllung der allgemeinen Wartezeit bereits voll erwerbsgemindert waren und 20 Jahre Wartezeit vorweisen konnten. Frauen in Westdeutschland erhalten unter dieser Maßgabe durchschnittlich 789,64 Euro monatliche Rente.

Renten wegen teilweiser Erwerbsminderung: Starke Beeinträchtigung, wenig Geld

Geringer fallen die Renten wegen teilweiser Erwerbsminderung aus. Bedacht werden sollte: Teilweise erwerbsgemindert sind Personen, sobald sie wegen Krankheit oder Behinderung außerstande sind, unter üblichen Bedingungen des Arbeitsmarktes mindestens sechs Stunden täglich zu arbeiten – egal in welcher Arbeit. Die Krankheit oder Behinderung muss also schon zu einer sehr starken Beeinträchtigung des Lebens geführt haben, bevor man überhaupt eine Erwerbsminderungsrente wegen teilweiser Erwerbsminderung erhält.

  • In Ostdeutschland erhalten Männer dann eine Rente in Höhe von durchschnittlich 489,20 Euro im Monat wegen teilweiser Erwerbsminderung. Frauen erhalten in Ostdeutschland durchschnittlich 565,16 Euro im Monat.
  • In Westdeutschland erhalten Männer wegen teilweiser Erwerbsminderung eine Rente in Höhe von durchschnittlich 534,27 Euro im Monat. Frauen erhalten in Westdeutschland durchschnittlich nur 492,18 Euro Rente.

Berufsunfähigkeit: Warum sich privater BU-Schutz lohnt

Eine volle Erwerbsminderung im Sinne der gesetzlichen Rentenversicherung liegt stets erst dann vor, wenn die Person nicht mehr in der Lage ist, für mindestens drei Stunden täglich irgendeinem Beruf nachzugehen. Und eine teilweise Erwerbsminderung liegt erst dann vor, wenn Betroffene nicht mehr in der Lage sind, für mindestens sechs Stunden irgendeinem Beruf nachzugehen. Hierfür ist nicht einmal relevant, welchen Beruf die oder der Betroffene ausübte – jeder Beruf wird durch den Gesetzgeber zugemutet. Damit droht Betroffenen sogar, dass sie unliebsame Jobs annehmen müssen, ohne eine Rente zu erhalten.

Ein Chirurg, der durch eine medizinische Beeinträchtigung als Pförtner arbeiten oder geringe Arbeiten wie das Sortieren von Schrauben ausüben muss? Aus Sicht des Sechsten Sozialgesetzbuchs ist dies durchaus eine zumutbare Vorstellung. Denn sobald dies für mindestens drei Stunden möglich ist, gibt es höchstens eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung. Und ist dies gar für sechs Stunden möglich, gibt es durch die gesetzliche Rentenversicherung gar keine Leistungen mehr.

Hingegen orientiert sich die Berufsunfähigkeit für den privaten BU-Schutz an dem bisher ausgeübten Beruf. Auch tritt Berufsunfähigkeit in der Regel schon ab 50 Prozent Beeinträchtigung ein, die ein weiteres Ausüben des bisherigen Berufs unmöglich macht – und damit wesentlich eher als Erwerbsminderung. Weil demnach auch berufsunfähig sein kann, wer noch keinen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente hat, ist die Überprüfung des privaten Versicherungsschutzes dringend geboten.

Der Betrieb oder das Geschäft ruht oder läuft auf sprichwörtlicher “Sparflamme”. Menschen sind in Kurzarbeit, viele müssen mit Einbußen beim Einkommen leben – die Corona-Pandemie macht sich auch im Geldbeutel vieler Menschen schmerzlich bemerkbar. Vielfach bedeutet dies auch eine Notlage durch laufende Kosten – Mieten, Kredite, Rechnungen müssen dennoch weiter bedient werden. Und auch für Versicherungsverträge fallen laufende Kosten an. Was aber tun, wenn aufgrund des derzeitigen “Shutdowns” auch Prämien und Beiträge für Versicherungen nicht länger bedient werden können? Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) klärt aktuell auf seiner Verbraucherseite über diese Frage auf.

So würden, laut GDV, zwei Prämissen gelten. Als ersten Grundsatz formuliert der GDV: Beitrag (des Kunden) gibt es gegen Leistung (der Versicherung). Da aber stets finanzielle Notlagen den Versicherungsschutz bedrohen können, gäbe es stets auch verschiedene Möglichkeiten, mit den Beiträgen auszusetzen oder Prämien und Leistungen der neuen Lage anzupassen. Dies gelte nicht nur für die Zeit der Corona-Krise, wie der GDV außerdem formuliert. Sondern stets gibt es auch die Möglichkeit des Nachbesserns bei finanziellen Engpässen.

Retten des Versicherungsschutzes auch im Interesse der Anbieter

Zwar bedeutet ein Aussetzen der Prämien mitunter weniger Leistung durch den Versicherer. Wichtig aber ist: Dennoch wird der Versicherungsschutz aufrecht erhalten. Allerdings muss auch hierfür zunächst etwas vorausgeschickt werden: Zu welchen Bedingungen Beiträge ausgesetzt werden können, hängt stets auch von den einzelnen Verträgen ab. Ebenso von guter Kommunikation: Denn ein Aufrechterhalten des Versicherungsschutzes und damit der Verträge liegt gerade in Zeiten wie der Corona-Krise auch im Interesse der Anbieter. Wäre es doch fatal, wenn mit lang laufenden Verträgen auch treue Kunden verloren gehen, weil die Krise kurzfristig Einkommen kostet. Hier kann auch ein Experte bei der Vermittlung helfen.

Zu welchen Bedingungen aber können die Beiträge ausgesetzt werden? Der aktuelle Beitrag des GDV informiert zu drei Produkten: zur Berufsunfähigkeitsversicherung, der Risikolebenversicherung sowie der Lebens- und Rentenversicherung als wichtiger Bestandteil privater Altersvorsorge.

Stundung führt oft zu Ratenzahlung

Für die Berufsunfähigkeitsversicherung würden zum Beispiel viele Versicherer die Möglichkeit anbieten, die Beiträge zu stunden. Üblich hierfür wären Zeiträume von bis zu sechs Monaten. Freilich: Die gestundeten Beiträge müssen später nachgezahlt werden. Nicht wenige Versicherer eröffnen hierfür auch die Möglichkeit einer Ratenzahlung.

BU-Schutz: lieber weniger Rente als neuer Vertrag

Eine weitere Möglichkeit wäre, die Berufsunfähigkeitsversicherung beitragsfrei zu stellen. Diese Möglichkeit steht auch für länger andauernde finanzielle Engpässe zur Verfügung – genannt wird ein Zeitraum von bis zu drei Jahren. Zu bedenken ist für einen solchen Schritt freilich, dass mit den ausbleibenden Beiträgen auch die Berufsunfähigkeitsrente kleiner wird. Denn die Versicherer kalkulieren mit dem eingezahlten Kapital die Rentenhöhe. Fließt weniger Kapital in die Police, gibt es im Falle der Berufsunfähigkeit auch weniger Rente.

Und dennoch: Zum einen kann der Versicherungsnehmer – trotz reduzierter Rente – dennoch auch seinen von Verbraucherschützern empfohlenen BU-Schutz aufrechterhalten. Zum anderen sichert er sich zu bestehenden Bedingungen diesen Schutz. Kann doch der Abschluss eines neuen Vertrags aufgrund neu zu beantwortender Gesundheitsfragen eine wesentliche Verteuerung des Versicherungsschutzes bedeuten oder gar Ausschlüsse. Wer also die Beiträge für eine bestimmte Zeit nicht mehr bedienen kann, für den ist das “Beitragsfrei-Stellen” trotz der geringeren Rentenhöhe oft der günstigste Weg, den BU-Schutz zu behalten.

Risikolebensversicherung: Aussetzen der Beiträge nicht vorteilhaft

Auch für die Risikolebensversicherung ist eine Freistellung von den Beiträgen möglich. Jedoch: Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft empfiehlt diese Lösung nicht. Denn da durch eine Freistellung von den Beiträgen kaum Deckungskapital gebildet würde, dürfte die verbleibende beitragsfreie Leistung nur sehr gering sein. Deswegen würde sich, aus Sicht des GDV, eher eine Überprüfung der Leistungsfähigkeit mit Herabsetzung des Versicherungsbeitrags sowie eine daran angelehnte Herabsetzung der Leistung lohnen. Denn Einbußen eines solchen Schrittes bei der Versicherungsleistung wären weniger schmerzlich als das gänzliche Freistellen vom Versicherungsbeitrag.

Private Altersvorsorge: Kündigung der Verträge die schlechteste Lösung

Wie aber sieht es mit der privaten Lebens- und Rentenversicherung aus? Laut GDV zeigen bestehende Verträge hier bereits, aufgrund der zu kalkulierenden langen Laufzeit, größere Flexibilität. Deswegen würden die Anbieter seit je her unterschiedliche Möglichkeiten zur Wahl stellen, monatlichen Beiträge für langlaufende Altersvorsorge-Verträge anzupassen.

Zur Wahl stehen unter anderem ein Ruhen-Lassen des Vertrags, eine Beitragsfreistellung oder Beitragsstundung sowie die Herabsetzung der Versicherungssumme bei Anpassung des Beitrags. Wichtig ist den Versicherern: Ein Kündigen des Versicherungsschutzes ist immer die schlechteste Lösung. Denn alle bisher bezahlten Ansprüche und bei Riester-Verträgen auch Zulagen und Steuervorteile würden dadurch verloren gehen.

Für ein Ruhen-Lassen der Verträge müssen in der Regel bestimmte Bedingungen erfüllt sein – zum Beispiel müssen für einen Vertrag (je nach Vertragsbedingungen) mindestens ein oder zwei Jahre lang Beiträge gezahlt worden sein. Eine Beitragsfreistellung hingegen könnte – zum Beispiel – zu der Bedingung geschehen, dass der Versicherer den Rückkaufswert nicht auszahlt, jedoch die Versicherung grundsätzlich bestehen bleibt. Freilich: Durch diesen Schritt würden sich auch Risikoschutz und Versicherungssumme erheblich verringern.

Auch die Stundung der Beiträge ist deswegen denkbar. Das lässt sich dann meist ohne Einbußen bei der Versicherungsleistung realisieren, wenn nach der Stundung (üblicherweise für den Zeitraum eines halben Jahres) die Beiträge wieder zurückgezahlt werden. Doch auch die Anpassung der Versicherungssumme ist denkbar.

Policendarlehen: Das Darlehen auf den Vorsorgevertrag

Eine weitere Möglichkeit für finanzielle Engpässe in Krisen wie der Corona-Krise besteht in einem Policendarlehen – hierbei wird eine Art Vorschuss auf die zu erwartende Versicherungsleistung durch den Versicherer gezahlt. Zwar besteht kein Rechtsanspruch auf ein solches Darlehen. Zudem müssen bei Gewähr des Darlehens auf die Summe auch Zinsen gezahlt werden – Darlehen und Zinsen werden später mit der fälligen Versicherungsleistung verrechnet. Gerade in Zeiten einer zeitlich begrenzten Not wie der Corona-Krise kann aber auch ein solches Darlehen ein Ausweg und der rettende Strohhalm aus finanziellen Engpässen sein. Wer hierzu Beratung sucht, sollte sich dringend an eine Expertin oder einen Experten wenden.

Die privaten Invaliditätsversicherer haben 2019 erneut mehr Leistungen an ihre Kundinnen und Kunden ausgezahlt als im Jahr zuvor. 3,9 Milliarden Euro an Renten und anderen Leistungen erhielten die Versicherungsnehmer in Summe: Das sind 2,6 Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahr.

Das Thema Berufsunfähigkeit betrifft viele Menschen: Nach Branchenschätzungen muss jeder vierte Erwerbstätige vor Erreichen des Rentenalters seinen Job aufgeben. Das Ausmaß zeigen auch aktuelle Zahlen, die der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) diese Woche vorgestellt hat.

Demnach haben die Invaliditätsversicherer, die dauerhafte körperliche und psychische Beeinträchtigungen absichern, im Jahr 2019 rund 2,9 Milliarden Euro ausgezahlt. Das bedeutet einen neuen Rekord. Die Berufsunfähigkeits-Policen machen ein Gros dieser Zahlungen aus.

Auch die Leistungsverpflichtungen gegenüber den Kunden legten im Jahresvergleich zu: also die versicherte Summe aller Vertragspartner. Diese kletterte von 35,7 Milliarden auf 38,1 Milliarden Euro. Ein Grund hierfür ist auch, dass mehr Bürger mit einer solchen Versicherung für den Ernstfall vorsorgen: unter anderem, weil Medien und sogar der Verbraucherschutz neben den Versicherungsvermittlern über die Wichtigkeit dieser Absicherung aufklären.

Keine aktuellen Zahlen kann der Versichererverband hingegen für die wichtigsten Ursachen einer Berufsunfähigkeit vorlegen. Hier beziehen sich die Daten noch auf 2018. Trotzdem sei daran erinnert, dass psychische Krankheiten mittlerweile wichtigste Ursache für das Ausscheiden aus dem Beruf sind. Immerhin 29 Prozent aller neu bewilligten Leistungen resultierten in dem Jahr daraus. Da sind Erkrankungen des Bewegungsapparates, etwa Rücken- und Gelenkleiden, auf Rang zwei schon deutlich abgeschlagen. Auf sie entfielen 19 Prozent aller neu bewilligten Leistungen. Dritthäufigste Ursache sind Tumorerkrankungen mit 18 Prozent.

Trotz der hohen Zahl der (potentiell) Betroffenen ist die Berufsunfähigkeits-Absicherung in Deutschland noch immer eine Nische. Auf rund 45 Millionen Erwerbstätige kommen lediglich gut 17 Millionen Versicherungsverträge mit vollem oder teilweisem BU-Schutz, so geht aus GDV-Zahlen hervor.

Dabei ist das gesetzliche soziale Netz durchlässig, denn die Rentenversicherung leistet seit einer Gesetzreform nur noch bei Erwerbsminderung, nicht aber bei Berufsunfähigkeit. Das ist etwas anderes, denn auf Status und Einkommen des eigentlichen Berufs wird hierbei keine Rücksicht genommen. Wenn maximal drei Stunden täglich gearbeitet werden kann, egal in welchem Job, erhalten Betroffene im Schnitt “gerade einmal ca. 40 Prozent des Nettoeinkommens”, so geht aus Daten der Rentenversicherung hervor. Bei drei bis sechs Stunden Erwerbsfähigkeit sind es “sogar nur noch ca. 20 Prozent”. Hier gilt es, ausreichend mit privaten Optionen vorzusorgen.