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Eine Umfrage offenbarte in 2019 ein erstaunliches Unwissen der Deutschen zu Pflegekosten: Rund 43 Prozent der Deutschen glauben tatsächlich, die gesetzliche Pflegeversicherung würde die Kosten für einen vollstationären Pflegeplatz in voller Höhe übernehmen. Das aber ist ein tückischer Irrtum. Denn die Pflegeversicherung ist seit ihrer Einführung in 1995 nur als ergänzende “Teilkasko” angelegt, weswegen Pflegebedürftige für einen großen Teil der Kosten selber aufkommen müssen.

Doch damit nicht genug! Die Kosten für Pflege und Heimunterbringung bedrohen auch die Familie, da Kinder auch für Eltern unterhaltspflichtig sind. Und wie ein aktuelles Urteil des Oberlandesgerichts Celle zeigt, können sogar Sparkonten der Enkel für Pflegekosten herangezogen werden, falls die Rente der Großeltern nicht für die Heimunterbringung ausreicht. Das Urteil sollte eine wichtige Mahnung sein, sich um privaten Versicherungsschutz zu bemühen.

Elternunterhalt für Pflege: Kinder haften für die Eltern

In Sachen Pflege gilt in Deutschland der Grundsatz, dass Kinder auch für ihre Eltern haften. Zwar: Reicht das Geld des Pflegebedürftigen und der gesetzlichen Sozialversicherung nicht aus, springt zunächst das zuständige Sozialamt ein. Jedoch macht das Sozialamt anschließend Angehörige ausfindig, die für den Unterhalt des Betroffenen einstehen müssen: in der Regel Ehepartner und Kinder.

Ab einem Bruttoeinkommen von mehr als 100.000 Euro jährlich greifen die Sozialämter dann ordentlich zu: Geschützt ist nur ein bestimmter Eigenbetrag – als Richtwert gilt aktuell laut Düsseldorfer Tabelle eine Einkommensgrenze von 24.000 Euro netto jährlich für Alleinstehende und 43.200 Euro netto jährlich für zusammenlebende Ehegatten. Was allerdings darüber liegt, muss hälftig für den Elternunterhalt abgetreten werden.

Pflegekosten gelten als Armutsrisiko

Viele Familien sind durch die Pflegekosten überfordert. Nicht von ungefähr. Im bundesweiten Durchschnitt zahlen Pflegebedürftige derzeit schon 1.940 Euro im Monat für einen Pflegeheimplatz. Der Betrag setzt sich zusammen aus durchschnittlich 731 Euro monatlich als Eigenanteil für die Pflege, durchschnittlich 756 Euro im Monat für Unterkunft und Verpflegung sowie durchschnittlich 453 Euro im Monat für Investitionskosten des Heims, etwa Renovierung und neue medizinische Geräte. Sozialverbände wie Deutschlands größer Sozialverband VdK warnen deswegen vor einem hohen Armutsrisiko durch immer höher werdende Kosten bei Pflegebedürftigkeit.

OLG Celle: Sozialamt darf Pflegekosten der Großmutter vom Sparkonto der Enkel wiederholen

Wie ein Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) Celle nun zeigt, sind sogar die Sparkonten der Enkel bei Pflegebedürftigkeit in Gefahr (Az. 6 U 76/19). Eine Rentnerin hatte sich von ihrer geringen Rente jahrelang etwas für die Enkel abgespart, legte hierfür zwei Sparkonten auf die Namen der Enkel an. Diese Konten bediente die Seniorin mit je 50 Euro im Monat für immerhin elf und neun Jahre. Als die Frau aber pflegebedürftig wurde und in ein Pflegeheim ziehen musste, reichte ihre Rente in Höhe von 1.250 Euro nicht mehr aus, um die hohen Eigenanteile für die stationäre Unterbringung im Pflegeheim zu zahlen.

Sozialleistungen in Höhe von insgesamt 25.041 Euro musste aus diesem Grund das zuständige Sozialamt zuschießen. Jedoch: Das Sozialamt wollte sich sein Geld von den Angehörigen wiederholen, forderte deswegen 6.000 Euro vom Sparkonto des ersten Enkels und 5.850 vom Sparkonto des zweiten Enkels zurück. Und mit dieser Forderung erhielt das Sozialamt nun vor dem Oberlandesgericht Celle recht: Regelmäßige Zahlungen an Familienangehörige können tatsächlich durch das Sozialamt eingefordert werden, sobald die Schenkenden selbst bedürftig sind.

Ausnahme: Anstandsschenkungen dürfen nicht zurückgefordert werden

Denn Schenkungen liegen gemäß Bürgerlichem Gesetzbuch (BGB) der Rückforderung und dem Widerruf, wenn Schenkende bedürftig werden. Eine Ausnahme gilt nur für Pflicht- und Anstandsschenkungen. Anstandsschenkungen aber sind “gebräuchliche Gelegenheitsgeschenke des täglichen Lebens” sowie “kleinere Zuwendungen”. Auch Taschengeld fällt darunter, das Kindern und Enkeln zum Verbrauch gegeben wird – solche Schenkungen hätten die Enkel behalten dürfen.

Bei langjährigen Sparkonten aber handelt es sich laut Oberlandesgericht um Zahlungen, die dem Kapitalaufbau dienen – in diesem Fall als finanzielles Polster für die Enkel. Und der jährliche Wert der Zahlungen hätte, gemessen an den finanziellen Verhältnissen der Großmutter, den Wert von Gelegenheitsgeschenken übertroffen. So gesehen hat die Großmutter über ihre Verhältnisse “geschenkt”.

Dass die Großmutter beim Anlegen der Sparkonten noch nicht von ihrer späteren Pflegebedürftigkeit wissen konnte, spielt hierbei laut Gericht keine Rolle – die Familie musste die Gelder auf den Sparkonten nun trotzdem herauszugeben. Und mehr noch: Auch die Kosten des Rechtsstreits gehen nun zulasten der Enkel und zulasten der Familie. Somit hat die Sparerin nicht erreicht, was sie erreichen wollte: Die finanzielle Absicherung der Enkel. Ihr mühsame Sparen war aus dieser Sicht vergebens – durch die Pflegekosten wurde das Geld anders aufgebraucht.

Privater Schutz bei Pflegebedürftigkeit sichert auch Erspartes der Nachkommen

Das Urteil sollte also Warnung sein für alle, die für die Nachfahren sparen und diese dadurch absichern wollen: Zusätzlich zum Sparen ist privater Versicherungsschutz gegen Kosten der Pflegebedürftigkeit dringend geboten. Denn nur dieser private Versicherungsschutz sichert zugleich, dass Kinder und Enkel nicht durch Elternunterhalt belastet werden und sichert zudem das Ersparte für Nachkommen vor dem Sozialamt. Wer hierzu Rat sucht, der sollte sich dringend an eine Expertin oder an einen Experten wenden.

Pflegevorsorge ist wichtig: Das hat auch der Staat erkannt und fördert private Pflegezusatzversicherungen mit fünf Euro im Monat. Doch die Nachfrage nach sogenannten Pflege-Bahr-Policen, benannt nach dem früheren Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP), bleibt bescheiden. Auch 2019 konnte die Zahl der Verträge nicht die Millionengrenze knacken.

Die gesetzliche Pflegeversicherung ist nur eine Teilkasko. Und damit bedeutet es ein echtes Armutsrisiko, wenn man selbst oder ein Mitglied der Familie plötzlich auf Pflege angewiesen ist. Im Januar 2020 betrug der Eigenanteil für die vollstationäre Unterbringung im Pflegeheim bereits 1.940 Euro im Monats-Schnitt: zusätzlich zu dem, was die Krankenkassen zuschießen.

Doch auch wenn Familienangehörige zuhause betreut werden, bedeutet das finanzielle Einbußen für die Mehrheit der Pflegenden. Im Job muss unter Umständen kürzer getreten werden, viele Pflegende wechseln in Teilzeit. Und auch der behindertengerechte Umbau der Wohnung verschlingt zusätzliche Kosten, die nicht voll von den Kassen übernommen werden. Aus diesem Grund hat die Bundesregierung 2013 das “Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz” (PNG) in Kraft gesetzt: Seitdem wird die private Pflegevorsorge staatlich gefördert.

Weniger als eine Million Verträge

Aber die sogenannten Pflege-Bahr-Versicherungen bleiben trotz dem Extra vom Staat ein Nischenprodukt. Wie die Zeitschrift “Euro am Sonntag” (22. Mai) berichtet, stieg das Neugeschäft mit diesen Versicherungen zwar im Jahr 2019 um vier Prozent an: Doch noch immer sind weniger als eine Million solcher Verträge vermittelt worden. Der Bestand aller Versicherer zum Jahresende 2019 betrug demnach rund 917.500 Pflege-Bahr-Versicherungen.

Dabei hat der Gesetzgeber sehr darauf geachtet, bei diesen Pflegetagegeld-Policen die Hürden für Versicherungsnehmerinnen und -nehmer niedrig anzusetzen. Wer einen staatlich geförderten Tarif anbietet, darf demnach keine Anträge aufgrund von Vorerkrankungen, Alter und gesundheitlichen Risiken ablehnen. Lediglich wer bereits eine Pflegestufe hat, ist ausgeschlossen.

Gerade für Menschen, die aufgrund einer Vorerkrankung schwer -oder nur sehr teuer- eine “normale” Pflegezusatzversicherung bekommen, ist der Pflege-Bahr deshalb eine Option, um drohende Kosten im Pflegefall aufzufangen.

Insgesamt wenig private Vorsorge für die Pflege

Der niedrigschwellige Einstieg bei Pflege-Bahr hat allerdings auch einen Nachteil. Denn mitunter sind die staatlich geförderten Verträge teurer als andere Pflegeversicherungen, weil die Anbieter keine Risikoeinstufung vornehmen dürfen. Sie fürchten schlicht, das überproportional viele Menschen mit hohem Pflegerisiko eine solche Police abschließen.

Deshalb sollten potentielle Kundinnen und Kunden zunächst prüfen, ob nicht geförderte Tarife keine bessere Option sind. Doch auch diese Angebote sind eine Nische, wenn sie auch deutlich mehr nachgefragt werden in den letzten Jahren.

Weniger als 3,5 Millionen Bürger besaßen zum Jahresende 2019 eine Pflegezusatz-Police, geförderte und nicht geförderte Verträge zusammengerechnet: Das entspricht rund vier Prozent der Bevölkerung. Angesichts der drohenden Pflegekosten im Ernstfall ist das deutlich zu wenig. Ein Beratungsgespräch schafft Klarheit über Vor- und Nachteile der Angebote.

Am 21. September ist Welt-Alzheimertag. Der Tag dient als Gelegenheit, über das oft gemiedene Thema “Alzheimer” aufzuklären. Er kann aber auch genutzt werden, an drohende Kosten im Pflegefall zu erinnern. Denn vielen Menschen sind diese Kosten nicht bewusst.

Alzheimer: Ein angstbesetztes Thema

Die Zahl der Menschen im Alter ab 80 Jahren wird von derzeit 5,4 Millionen Menschen auf 6,2 Millionen im Jahr 2022 ansteigen, wie das Statistische Bundesamt in seiner aktuellen Bevölkerungsvorausberechnung darlegt. Jedoch verbindet sich kaum ein Thema derart auch mit negativen Assoziationen einer zunehmenden Hochaltrigkeit, wie das Thema “Alzheimer”. Denn viele Menschen befürchten, durch diese Krankheit im Alter ihre Selbstständigkeit zu verlieren.

Ängste um das Thema “Alzheimer” und “Demenz” jedoch werden auch mitverschuldet durch fehlendes Wissen. Ein Teufelskreis: Da Menschen das Thema Alzheimer gern meiden oder verdrängen, informieren sie sich nicht. Die abstrakte Angst vor der Krankheit nimmt zu. Zugleich aber versäumen es viele, für einen möglichen Pflegefall im Alter tatsächlich vorzusorgen.

Um Abhilfe gegen diesen Missstand zu schaffen, organisiert die Dachorganisation Alzheimer’s Disease International (London) zusammen mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) einmal jährlich den Welt-Alzheimertag. Dieser Tag findet seit 1994 stets am 21. September statt. Auch in Deutschland nutzen Alzheimer-Gesellschaften und Selbsthilfegruppen den Tag, um über Alzheimer aufzuklären. Das Motto des diesjährigen Welt-Alzheimertages ist “Demenz. Einander offen begegnen”. Auf der Webseite der Deutschen Alzheimer Gesellschaft findet sich ein Veranstaltungskalender, der Veranstaltungen deutschlandweit nach Postleitzahlen auflistet.

Pflegekosten: Unwissen ist hoch

Das “Thema Alzheimer” beinhaltet auch eine Vielzahl an Versicherungsthemen. So kann der Tag zum Beispiel genutzt werden, um sich über Leistungen der Pflegeversicherung, jedoch auch über drohende Pflegekosten durch den zu leistenden Eigenanteil oder für Angehörige durch den so genannten “Elternunterhalt” zu informieren. Denn die gesetzliche Pflegepflichtversicherung ist keine Vollkaskoversicherung. Vielmehr wurde schon mit Einführung dieser zusätzlichen Säule der Sozialversicherung stets der ergänzende Charakter herausgestellt.

Mit dem Thema Alzheimer meiden aber viele Deutsche auch das Thema Pflegekosten, wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln feststellte. Demnach haben sich 55 Prozent der Deutschen noch nicht mit dem Thema Pflege und damit auch nicht mit drohenden Kosten beschäftigt.

Pflegezusatzversicherung: Schützt auch die Angehörigen

Insbesondere wissen viele nicht, dass bei Bedürftigkeit der Eltern hohe Kosten auf volljährige Kinder durch den sogenannten Elternunterhalt zukommen können. Wer sich und seine Angehörigen vor derartigen Kosten schützen will, für den bietet sich eine private Pflegezusatzversicherung an. Auch Verbraucherschützer – zum Beispiel die Webseite der Stiftung Warentest – empfehlen eine solche Pflegezusatzversicherung, um die finanzielle Lücke im Pflegefall schließen.

Der Welt-Alzheimertag kann demnach auch Erinnerung sein an all jene, die sich noch nicht mit den drohenden Kosten im Pflegefall beschäftigt haben, sich über Möglichkeiten zum Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung zu informieren.

Das Wissen der Deutschen über die Pflegeversicherung ist noch immer lückenhaft. Fast zwei Fünftel (42 Prozent) gehen laut einer aktuellen Umfrage davon aus, dass die gesetzliche Pflegeversicherung die gesamten Kosten übernimmt. Ein gefährlicher Irrtum, der im Zweifel die ganze Familie belastet — denn auch die Kinder haften bei den Pflegekosten für ihre Eltern.

Seit 1995 gibt es in Deutschland die gesetzliche Pflegeversicherung. Und auch, wenn es sich um eine recht junge Säule der Sozialversicherung handelt, war ihre Einführung doch sinnvoll. Zuvor gab es speziell für die Unterstützung von Pflegebedürftigen in den eigenen vier Wänden kaum eine Infrastruktur, etwa durch ambulante Pflegedienste, viele Menschen hatten keinen Grundschutz. In einer alternden Gesellschaft, die heute schon 2,9 Millionen Pflegebedürftige zählt, war da politisches Handeln geboten.

Mehrheit der deutschen auf Pflegefall schlecht vorbereitet

Doch auch fast 25 Jahre nach ihrer Einführung ist das Wissen der Deutschen über die Pflegeversicherung sehr lückenhaft. Und das kann zu bitteren Konsequenzen führen: bis dahin, dass sich ein Pflegefall in der Familie als Armutsfalle entpuppt. So werden nicht nur die tatsächlichen Kosten der Pflegebedürftigkeit von vielen Bürgern unterschätzt. Viele wissen auch nicht, was ihnen durch die gesetzliche Pflegekasse zusteht — oder genauer formuliert, worauf sie eben keinen Anspruch haben.

Laut einer repräsentativen Umfrage von Kantar Emnid im Auftrag eines großen Bankhauses glauben nämlich 43 Prozent der Deutschen, dass der gesetzliche Pflegeversicherer die gesamten Kosten für einen vollstationären Pflegeheimplatz übernimmt. Das ist aber ein Trugschluss, der teuer werden kann. Denn die gesetzliche Pflegeversicherung ist eine Art Teilkasko — und war von vorn herein darauf angelegt. Sie sollte eben eine Grundsicherung bieten, die durch zusätzliche private Vorsorge ergänzt werden muss.

Infolgedessen wissen diese Personen auch nicht, dass ihnen hohe Kosten drohen, wenn es zum Ernstfall kommt. Weitere 21 Prozent der Befragten schätzen die Pflegekosten viel zu niedrig ein, nämlich unter 1.000 Euro. Das ist, zumindest wenn jemand dauerhaft betreut werden muss, deutlich zu wenig! In Summe haben zwei Drittel (64 Prozent) der Deutschen kein ausreichendes Wissen über drohende Pflegekosten.

Bundesschnitt Pflegeheimkosten: 1.830 Euro monatlich

Wie hoch sind diese Pflegekosten denn aber nun? Im Januar 2019 betrugen sie für vollstationäre Betreuung im Bundesschnitt 1830 Euro monatlich, so zeigen Zahlen der Ersatzkassen. Hierbei gilt es zu bedenken, dass von Bundesland zu Bundesland große Unterschiede bestehen können. In Nordrhein-Westfalen müssen sogar 2.252 Euro für einen Pflegeheimplatz aufgebracht werden, in Sachsen-Anhalt weniger als 1.300 Euro.

Seit dem 2. Pflegestärkungsgesetz der Bundesregierung 2017 müssen alle Menschen in einem Pflegeheim denselben Betrag zahlen: unabhängig von Pflegestufe oder Pflegegrad. Dabei gliedern sich die Gesamtkosten in zwei Teile auf. Erster Kostenblock ist der einrichtungseinheitliche Eigenanteil (EEE), der vom Pflegeheim-Betreiber, den Pflegekassen und Kommunen ausgehandelt wird: hier stecken die rein pflegebedingten Aufwendungen drin. Aber zusätzlich müssen auch Kosten für die Heimunterbringung, das Essen sowie die Betreibung des Pflegeheimes berappt werden: das ist der zweite Part.

Die Pflegekosten werden voraussichtlich weiter steigen: auch, weil immer mehr Menschen auf Betreuung angewiesen sein werden. Deshalb empfiehlt sich der Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung. Und zwar nicht nur mit Blick auf die Heimunterbringung. Auch wenn der Betroffene von den eigenen Verwandten betreut wird, kann das Geld frei verwendet werden, sofern es sich um eine Pflegetagegeld- oder Pflegerentenversicherung handelt. Laut Versicherer-Dachverband GDV sind diese Policen immer noch ein absolutes Nischenprodukt: Weniger als vier Millionen Menschen haben entsprechend vorgesorgt.

An dieser Stelle sei daran erinnert, dass Ehepartner und Kinder für die Pflegekosten zur Kasse gebeten werden können. Sie haften, wenn die Sozialämter einem Bedürftigen finanziell unter die Arme greifen müssen. Der Deutsche Evangelische Verband für Altenarbeit und Pflege (DEVAP) hat zum Beispiel anhand eigener Daten folgendes errechnet: Im Schnitt zahlen Betroffene vom Beginn der Pflegebedürftigkeit bis zum Tod 31.131 Euro aus der eigenen Tasche, wenn sie in ein Pflegeheim müssen: pro Monat 1.170 Euro. Dabei ist der Betrag natürlich stark davon abhängig, wie lange eine Person noch lebt, und variiert sehr stark.

Die Pflegeversicherung ist nur eine Teilkasko, in den letzten Jahren sind die Kosten für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen nahezu explodiert. Deshalb will nun das Bundesland Hamburg eine Gesetzesinitiative im Bundesrat anstoßen, um die Kosten im Sinne der Betroffenen zu deckeln. Die Initiative zeigt die hohen Kostenrisiken der Pflegebedürftigkeit.

Wer in Deutschland ein Pflegefall wird, sieht sich mit hohen Kosten konfrontiert: daran nützt auch die gesetzliche Pflegeversicherung nichts. Denn diese ist nur als Teilkasko-Schutz kalkuliert. Das bedeutet: Fast zwangsläufig ist die Sozialversicherung darauf angelegt, dass ein Pflegebedürftiger und seine Familie große Teile der Kosten übernimmt, wenn jemand auf fremde Hilfe angewiesen ist. Der Staat greift nur unterstützend ein.

Doch in den letzten Jahren sind speziell die Kosten im Pflegeheim nahezu explodiert. Abhängig vom Bundesland und Einrichtung kostet eine stationäre Heim-Betreuung im Schnitt zwischen 1.218 Euro (Sachsen-Anhalt) und 2.252 Euro (Nordrhein-Westfalen). Hier gilt es zu bedenken, dass seit dem 2. Pflegestärkungsgesetz der Bundesregierung die Heime einheitliche Pflegekosten berechnen. Sie sind nicht mehr vom Grad oder von der Stufe der Pflegebedürftigkeit abhängig, sondern werden von allen Bewohnern in gleicher Höhe gezahlt.

Hamburg will fixen Eigenanteil

Doch seit Inkrafttreten der Pflegestärkungsgesetze sind die Pflegekosten für Angehörige nahezu explodiert. Die durchschnittliche Last der Bundesbürger stieg von 1.772 Euro im Januar 2018 auf 1830 Euro monatlich zum Jahresanfang 2019. Ein Grund sind die Mehrleistungen, die mit dem Gesetz beschlossen wurden: Sie müssen finanziert werden.

Deshalb will nun das Bundesland Hamburg über den Bundesrat eine Gesetzesinitiative anstoßen. Sie soll bewirken, dass der Eigenanteil im Sinne der Betroffenen fixiert wird. Dann würden Teuerungen im Gesundheitssystem von der gesetzlichen Pflegekasse getragen. Bisher ist es umgekehrt: Der Pflegeanteil ist variabel, den der Pflegebedürftige zahlen muss, nicht der Zuschuss der Krankenkasse. Hier ist ein fester Wert für Geld- und Sachleistungen vorgesehen. Über den Vorstoß berichtet am Montag das “Handelsblatt”.

Kosten werden oft unterschätzt

Doch selbst wenn der Vorstoß Erfolg haben sollte: Damit wird das Armutsrisiko durch die Pflege nicht beseitigt. Denn das Reformvorhaben zielt nur auf die “reinen” Pflegekosten, den sogenannten einrichtungseinheitlichen Eigenanteil (EEE). Er wird vom Pflegeheim-Betreiber, den Pflegekassen und Kommunen ausgehandelt und beziffert sich aktuell auf 655 Euro. Dieser Betrag soll künftig gedeckelt werden und die Mehraufwendungen aus Steuermitteln bezahlt — zumindest, wenn es nach dem rot-grünen Hamburger Senat geht.

Das aber ist längst nicht alles, was die Betroffenen zu zahlen haben. Hinzu kommen die Aufwendungen für Unterkunft und Versorgung im Heim, so dass sich dann die weit höheren Beträge wie oben genannt ergeben. Mit bitteren Konsequenzen: Schon heute sind 300.000 Personen bzw. 37 Prozent auf Sozialhilfe angewiesen, berichtet das “Handelsblatt”. Aber dauerhaft springt das Sozialamt erst ein, wenn keine Verwandten in gerader Linie für den Pflegebedürftigen zahlen: in der Regel die Kinder oder Ehepartner. Die tatsächlichen Aufwendungen werden oft unterschätzt.

Eltern haften für ihre Kinder? Dieser Spruch funktioniert auch anders herum: Kinder haften für ihre Eltern! Zum Beispiel dann, wenn deren Vermögen nicht ausreicht, um die Pflege zu bezahlen. Erwachsene Kinder müssen befürchten, dass die Sozialämter zur Kasse bitten, wenn das Einkommen ein bestimmtes Schonvermögen übersteigt.

In Deutschland gilt noch immer, dass die Familie wesentlich die Sozialgesetzgebung bestimmt. Definiert doch § 1601 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB): “Verwandte in gerader Linie sind verpflichtet, einander Unterhalt zu gewähren”. Das bedeutet oft: Ist jemand auf stationäre Pflege angewiesen und hat nicht ausreichend Geld, werden auch die Kinder zur Kasse gebeten. In diesem Falle spricht man von “Elternunterhalt”. Zwar schießt das Sozialamt die notwendigen Aufwendungen zuerst vor, ermittelt dann aber unterhaltspflichtige Angehörige, um sich das Geld wiederzuholen.

Dieser Elternunterhalt begründet auch, weshalb eine private Pflegezusatzversicherung nicht nur den Betroffenen selbst schützt. Sie schützt darüber hinaus auch das Vermögen des Ehepartners bzw. der eigenen Kinder. Denn das Geld, das der Versicherungsnehmer zugesprochen bekommt, wenn er einen bestimmten Pflegegrad erreicht, kann bei vielen Formen dieses Zusatzschutzes frei verwendet werden.

An Düsseldorfer Tabelle orientiert sich Schonvermögen!

Zur Berechnung des Elternunterhaltes ist die sogenannte Düsseldorfer Tabelle ausschlaggebend. Das ist eine Richtlinie, die das Oberlandesgericht Düsseldorf (OLG) errechnet hat und regelmäßig erneuert wird, zuletzt am 1. Januar 2019. Zwar sind die Werte nicht rechtsverbindlich. Aber sie fanden Einzug in mehrere Gerichtsurteile, so etabliert sind sie. Die meisten Gerichte orientieren sich an diesen Berechnungen.

Wichtig ist die Düsseldorfer Tabelle auch, weil hierin der Selbstbehalt festgeschrieben ist: stark vereinfacht das Schonvermögen, falls Kinder oder Ehepartner vom Sozialamt zur Unterhaltszahlung verpflichtet werden. Hierfür wird der sogenannte notwendige Selbstbehalt berechnet, der aktuell für Alleinstehende bei 1.800 Euro netto liegt (einschließlich 480 Euro Warmmiete). Somit müssen alleinstehende volljährige Kinder hälftig als Unterhalt zahlen, was an Einkommen über 1.800 Euro netto hinausreicht.

Hinzu kommt ein bestimmter Prozentsatz des darüber hinausgehenden Einkommens, der einbehalten werden darf, sowie unter Umständen weitere Aufwendungen für etwa die Altersvorsorge und eigene Kinder. Es ist also gar nicht so viel, was übrig bleibt, wenn das Sozialamt unterhaltspflichtige Kinder zur Kasse bittet.

Für die mit einer unterhaltspflichtigen Person zusammenlebenden Ehepartner ist zudem ein notwendiger Selbstbehalt von 1.440 Euro vorgesehen (einschließlich 380 Euro Warmmiete). Bei “Vorteilen des Zusammenlebens” – in der Regel trifft dies für das Zusammenleben in einer Lebenspartnerschaft zu – sind es jedoch nicht 50 Prozent, sondern 45 Prozent des über den notwendigen Selbstbehalt hinausgehenden Einkommens, die behalten werden dürfen. Hier wird also noch ein größerer Anteil berechnet.

Altersvorsorge: Mehr Schonvermögen bleibt übrig

Ein höherer Teil des Einkommens bleibt hingegen unangetastet, wenn man für das eigene Alter vorsorgt. Schließlich will der Staat, dass auch Menschen mit pflegebedürftigen Angehörigen für ihr eigenes Alter was zurücklegen können. So kann ein Teil des Jahresbruttoeinkommens für jenes Schonvermögen geltend gemacht werden, auf das der Staat beim Elternunterhalt nicht zugreift. Das gilt allerdings nur für private Vorsorge, nicht für die gesetzliche Rente.

Wie das berechnet wird, ist kompliziert. Der Vorjahres-Bruttoverdienst wird mit fünf Prozent multipliziert sowie der Anzahl der Berufsjahre, verzinst mit vier Prozent und abzüglich der bereits getätigten Altersvorsorge. Hiervon wird dann noch der sogenannte Rückkaufswert der Altersvorsorge abgerechnet, also was der Versicherer bezahlen würde, wenn er die Rechte aus dem Vertrag zum aktuellen Zeitpunkt zurückkauft. Ein Beispiel: Bei einem Jahresbrutto von 40.000 Euro und 20 absolvierten Berufsjahren lässt sich der Freibetrag so auf knapp 63.950 Euro erhöhen. Und auch Schulden oder Raten für ein Darlehen können zu bestimmten Bedingungen für das Schonvermögen geltend gemacht werden. Hier hilft es, sich umfassend beraten zu lassen.

Die Deutschen sind auf einen möglichen Pflegefall in der Familie schlecht vorbereitet! Das zeigt eine aktuelle Umfrage einer Krankenkasse. Nicht einmal drei von zehn Personen geben demnach zu Protokoll, sie könnten eine Pflegebedürftigkeit finanziell stemmen.

In Deutschland sind immer mehr Menschen auf Pflege angewiesen. 3,5 Millionen Menschen beziehen bereits Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung, doch aufgrund der steigenden Lebenserwartung dürfte die Zahl deutlich anwachsen. Die Bertelsmann Stiftung geht in einer Studie davon aus, dass bis zum Jahr 2030 circa 50 Prozent mehr Pflegebedürftige in Deutschland gezählt werden.

Das erlaubt die Frage, wie die Deutschen auf eine mögliche Pflegebedürftigkeit vorbereitet sind. Genau dies hat nun eine Betriebskrankenkasse in einer repräsentativen Umfrage abgefragt. Das Ergebnis ist ernüchternd. Weniger als drei von zehn Bundesbürgern (26 Prozent) sagen demnach, ein Pflegefall in der Familie könne finanziell zum jetzigen Zeitpunkt gestemmt werden. Und vier von zehn Befragten schätzen ein, sie hätten ausreichend zeitliche Ressourcen.

Mit anderen Worten: die Mehrheit der Bevölkerung ist auf einen Pflegefall in der Familie nicht vorbereitet und hätte weder ausreichend Zeit noch Geld, um damit umzugehen. Leider ist das eine sehr realistische Einschätzung. Denn die gesetzliche Pflegeversicherung ist nur ein Teilkasko-Schutz. Laut einer Studie der Barmer müssen, abhängig vom Bundesland, aktuell bis zu 2.252 Euro Eigenanteil im Monat gezahlt werden, wenn ein Mensch auf stationäre Unterbringung angewiesen ist. Reicht das Geld des Pflegebedürftigen nicht aus, holt sich das Sozialamt das Geld auch von den nächsten Angehörigen zurück.

Aber auch, wenn ein Angehöriger in den eigenen vier Wänden betreut wird – schnell kommt ein Anteil von 1.000 Euro und mehr zusammen, der von der Familie gestemmt werden muss, abhängig von der Schwere der Bedürftigkeit. Und da ist noch gar nicht eingerechnet, dass eventuell die Wohnung behindertengerecht umgebaut werden muss und pflegende Angehörige auch oft im Job kürzer treten, um den Pflegebedürftigen zu umsorgen. Im schlimmsten Fall ist dann der bisherige Lebensstandard nicht aufrecht zu erhalten – finanzielle Probleme gesellen sich zu der ohnehin enormen seelischen Belastung hinzu.

Da verwundert es, dass viele Bürger das Thema Pflegevorsorge auf die lange Bank schieben. Eine private Pflegezusatzversicherung kann die drohende Pflegelücke nämlich auf ein erträgliches Maß zusammenschrumpfen lassen. Aber ganze 2,7 Millionen Pflegezusatz-Policen besitzen die Deutschen, es handelt sich eher um ein Nischenprodukt. Hier kann ein Beratungsgespräch helfen, die richtige Absicherung zu finden.

Aktuelle Zahlen zeigen erneut, wie wichtig eine private Pflegezusatzversicherung ist. Wer in einem Pflegeheim stationär betreut werden muss, zahlt demnach im Schnitt monatlich 1.170 Euro Eigenanteil. Geld, das zusätzlich zu den Kosten finanziert werden muss, die durch die gesetzliche Pflegeversicherung abgedeckt sind.

Am Montag tagte der Gesundheitsausschuss des Bundestages, nachdem die Opposition einen entsprechenden Antrag gestellt hatte. Das Thema dabei war durchaus wichtig, wie die “Bild”-Zeitung exklusiv berichtete. Überfordern die Eigenanteile für die stationäre Pflege die Patienten? Drohen die Kosten für die Betroffenen aus dem Ruder zu laufen?

In der Anhörung kamen auch Experten zu Wort, die interessante Zahlen präsentierten. Der Deutsche Evangelische Verband für Altenarbeit und Pflege (DEVAP) hat zum Beispiel folgendes errechnet: Im Schnitt zahlen Betroffene vom Beginn der Pflegebedürftigkeit bis zum Tod 31.131 Euro aus der eigenen Tasche, wenn sie in ein Pflegeheim müssen. Das ist der Preis für einen Kleinwagen. Doch je länger jemand im Heim betreut wird, desto mehr muss er aus der eigenen Tasche finanzieren. Umgerechnet in den monatlichen Eigenanteil, beziffern sich die durchschnittlichen Kosten demnach auf 1.170 Euro.

Das ist nicht wenig – und jeder kann errechnen, ob er im Falle der Pflegebedürftigkeit einen vierstelligen Betrag extra zur Verfügung hat. Wenn nicht, werden die Angehörigen zur Kasse gebeten, in der Regel der Ehepartner oder die Kinder. Dass die hohen Pflegekosten ein Armutsrisiko bedeuten, zeigt eine andere Zahl. Zum Jahresende 2016 waren bereits 347.000 Senioren auf “Hilfe zur Pflege” angewiesen, das ist jeder sechste Pflegefall. Mit “Hilfe zur Pflege” springt das Sozialamt ein, wenn das eigene Einkommen nicht reicht, um die Lebenskosten im Pflegefall abzusichern. Grundlage ist das 12. Buch des Sozialgesetzbuches.

Es kann also nicht schaden, eine private Pflegezusatzversicherung abzuschließen. Speziell eine Pflegetagegeld- und Pflegerentenversicherung bietet sich hierfür an. Dann nämlich kann das Geld nach eigenem Ermessen verwendet werden – im Gegensatz zu einer Pflegekosten-Police, die lediglich die Kostendifferenz für ambulante und stationäre Dienste übernimmt. Hierbei gilt es zu bedenken, dass nach wie vor zwei Drittel aller Pflegebedürftigen zu Hause von Angehörigen umsorgt werden.

Seit Inkrafttreten des 2. Pflegestärkungsgesetzes ist der Eigenanteil im Pflegeheim übrigens nicht mehr abhängig vom Pflegegrad bzw. der Pflegestufe. Alle Bewohner einer Einrichtung zahlen den gleichen Betrag. Hier lohnt sich ein Vergleich von verschiedenen Regionen und Pflegeheimen, denn die Kosten können stark differenzieren. In Sachsen müssen die Betroffenen im Schnitt 1.170 Euro zuschießen. In Nordrhein-Westfalen zahlen sie mit 2263 Euro deutlich mehr.

Aktuelle Zahlen zeigen erneut, wie wichtig die Pflegevorsorge ist. Demnach klettert die Zahl der Pflegebedürftigen über die 3-Millionen-Marke. Längst ist Pflegebedürftigkeit ein Thema, das für viele Familien relevant ist.

Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt seit Jahren. Nun ergab eine aktuelle Auswertung des Statistischen Bundesamtes, dass zum Jahresende 2015 rund 2,9 Millionen Menschen pflegebedürftig im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes waren. Neuere Zahlen der Statistikbehörde liegen zwar aktuell nicht vor. Allerdings lässt eine weitere Erhebung des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) den Schluss zu, dass die 3-Millionen-Marke längst geknackt sein dürfte.

Denn die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen den Status Quo, bevor das Zweite Pflegestärkungsgesetz der scheidenden Bundesregierung in Kraft trat. Nun haben auch erstmals Menschen mit geistiger Behinderung Anspruch auf Pflegeleistungen, die vorher durch das Raster fielen: vor allem Demenzkranke. So sei die Zahl der zusätzlichen Empfänger von Pflegeleistungen allein in den ersten drei Quartalen 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 220.000 gestiegen. In diesem Zeitraum hätten 586.000 Menschen erstmals Leistungen erhalten, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa) mit Bezug auf MDS-Zahlen.

Fast drei von vier Pflegebedürftigen werden zuhause betreut

Für die Angehörigen bedeutet es eine enorme Umstellung, wenn in der Familie ein Pflegefall eintritt. Denn stolze 73 Prozent aller Pflegebedürftigen werden laut Statistischem Bundesamt nicht in einem Heim betreut, sondern in den eigenen vier Wänden. Das bedeutet oft, dass Angehörige im Beruf kürzertreten müssen und mit ganz neuen Herausforderungen konfrontiert sind. Unter Umständen muss der Betroffene gewaschen, gehoben, eingekleidet und anderweitig versorgt werden – Aufgaben, für die professionelle Pflegekräfte eine lange Ausbildung absolvieren.

Deshalb empfiehlt es sich, schon im Vorfeld auf den Fall der Fälle vorbereitet zu sein – so ungern man sich auch mit der eigenen Pflegebedürftigkeit beschäftigt. Zunächst sei daran erinnert, dass die gesetzliche Pflegeversicherung nur eine Teilkasko ist, das Armutsrisiko entsprechend hoch. Logisch: Wer etwa im Job kürzer tritt, muss oft Einbußen beim Gehalt verkraften, die sich durch Zahlungen der Pflegekasse oft nicht allein auffangen lassen. Auch fallen zusätzliche Kosten an, etwa, um die Wohnung behindertengerecht zu gestalten.

Deshalb empfiehlt sich zunächst der Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung. Experten raten bevorzugt zu einer Pflegetagegeld- oder Pflegerentenversicherung, weil bei diesen Sparten das Geld dem Versicherten zur freien Verfügung steht. Er kann es dann auch den pflegenden Angehörigen für Unterstützungsleistungen geben.

Vorsorgevollmacht – eigentlich Pflicht!

Darüber hinaus sollte eigentlich jeder Bürger über eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung verfügen. Eine Vorsorgevollmacht legt fest, welche Personen wichtige Aufgaben übernehmen sollen, wenn man selbst nicht mehr entscheiden kann: zum Beispiel, wer Zugriff auf das Konto hat. Mit einer Patientenverfügung können Menschen konkret regeln, welche medizinische Behandlung sie wünschen, wenn sie selbst nicht mehr entscheidungsfähig sind. Liegen diese Dokumente nicht vor, kann das Sozialgericht im schlimmsten Fall einen fremden Betreuer ernennen, der dann die Angelegenheiten des Patienten regelt.

Vorsorge-Maßnahme Numero 3: Gerade Senioren sollten sich Gedanken machen, ob ihre Wohnung und ihr Umfeld für eine mögliche Pflegebedürftigkeit geeignet sind. Also zum Beispiel, ob die eigene Wohnung ebenerdig ist und sich Hindernisse leicht überwinden lassen – oder steile Treppen und Schwellen es erschweren, sich im Raum zu bewegen. Und ob eine gute Anbindung zu Supermärkten und dem Nahverkehr besteht. Hierbei empfiehlt es sich auch, Rat von Fachleuten einzuholen.

In der Pflege gilt: Kinder haften für ihre Eltern. Wird eine Person zum Pflegefall und kann die Kosten selbst finanziell nicht stemmen, bitten die Sozialämter regelmäßig auch deren Kinder zur Kasse, um die finanzielle Lücke zu schließen. Gut zu wissen, dass man mit einer privaten Pflegezusatzversicherung vorbeugen kann.

Wenn eine Person pflegebedürftig wird, bedeutet das auch für die Angehörigen ein hohes finanzielles Risiko. Zumindest dann, wenn das Einkommen und die Gelder aus der gesetzlichen Pflegeversicherung nicht ausreichen, um alle Pflegekosten zu decken. Zwar schießen die Sozialämter zunächst alle Kosten vor. Sie können sich aber einen Teil davon von den Ehegatten und/oder Kindern zurückholen. Die Rückforderung der Sozialämter kann mehrere Tausend Euro betragen und auch erst gestellt werden, wenn der Elternteil bereits gestorben ist.

Schonvermögen für Singles und Familien

Die gute Nachricht: Es gibt ein Schonvermögen, damit die Sozialämter ihren Bürgern nicht zu stark ins Portemonnaie greifen. Aber dieses ist recht knapp bemessen. Für Alleinstehende ist ein Netto-Selbstbehalt von 1.800 Euro vorgesehen, für Familien sind es 3.240 Euro. Abgezogen werden davon noch Ausgaben für die Altersvorsorge und Darlehen. Was darüber aber hinausgeht, müssen die Kinder hälftig als Unterhalt zahlen.

Dennoch lauern hier Kosten, die im Zweifel Angehörige belasten. 2015 kostete ein vollstationärer Pflegeheim-Platz in der höchsten Pflegestufe 3.165 Euro im Monat. Zwar wurden mit der Pflegereform der Bundesregierung die drei Pflegestufen in fünf Pflegegrade übersetzt. So soll differenzierter abgebildet werden, welchen Bedarf ein Patient hat. Auch die finanziellen Leistungen wurden zum Jahreswechsel 2017 erhöht. Aber noch immer kann eine hohe finanzielle Lücke entstehen. So steuert die gesetzliche Pflegeversicherung im höchsten Pflegegrad 5 maximal 2.005 Euro zu. Der Rest muss aus eigener Tasche gezahlt werden.

Armutsrisiko: 451.000 Sozialhilfe-Empfänger in Pflege

Wie groß das Armutsrisiko ist, wenn eine Person zum Pflegefall wird, zeigen auch aktuelle Zahlen des Städte- und Gemeindebundes. Die Kommunen müssen die Sozialleistungen finanzieren, wenn jemand die Pflege nicht finanzieren kann. Aktuell erbringen die Sozialämter der Städte und Gemeinden für rund 451.000 Personen Sozialleistungen, weil deren Einkommen nicht ausreicht, die eigenen Pflegekosten zu decken. In diesen Fällen haben weder die Patienten noch ihre Angehörigen genügend Geld.

Hier empfiehlt es sich, mit einer privaten Pflegezusatzversicherung den Schutz aufzustocken. Sie leistet – abhängig vom Pflegegrad – eine vorher vereinbarte Monatsrente oder ein Pflegetagegeld, wenn der Versicherte zum Pflegefall wird. Geld, das dann zur freien Verfügung steht und auch der Familie gegeben werden kann, wenn der Patient zu Hause betreut wird. Um die Leistungen eines solchen Vertrages kennenzulernen, kann ein Beratungsgespräch helfen.