Beiträge

Bei Unterbringung in einem Pflegeheim drohen hohe Zuzahlungen, die Pflegebedürftige leisten müssen. Sozialverbände wie Deutschlands größer Sozialverband VdK warnen schon seit Jahren vor einem hohen Armutsrisiko aufgrund der Eigenkosten für die Pflege.

Denn mit Stichtag zum 01.07.2022 zahlen die Deutschen bundesweit durchschnittlich 916 Euro an so genannten einrichtungseinheitlichen Eigenanteilen (EEE) für die stationäre Unterbringung. Hinzu kommen 814 Euro für Unterkunft und Verpflegung sowie 469 Euro anteilige Investitionskosten – macht deutschlandweit im Schnitt 2.200 Euro.

Sicherheit gegen dieses Risiko, bei Pflegebedürftigkeit zu verarmen, bietet einzig ein privater Versicherungsschutz. Drei Produktgruppen stehen hierfür zur Verfügung, zwischen denen gut gewählt werden sollte: Die Pflegetagegeldversicherung, die Pflegerente und die Pflegekostenversicherung.

Pflegetagegeldversicherung: Erfolgreichstes Vorsorgeprodukt gegen das “Armutsrisiko Pflege”

Das erfolgreichste Produkt gegen das “Armutsrisiko Pflege” ist die Pflegetagegeldversicherung – laut Zahlen des Gesamtverbands der Versicherungswirtschaft (GDV) sind aktuell 26,44 Millionen Pflegetagegeld-Policen im Umlauf. Angeboten werden die Produkte durch private Krankenversicherer. Ab einem bestimmten Pflegegrad – meist ab Pflegegrad zwei – wird ein fest vereinbartes Tagesgeld bezahlt, das mit zunehmendem Pflegegrad ansteigt.

Der Vorteil: Pflegetagegeldversicherungen sind anfangs recht günstig und sind weniger komplex als zum Beispiel Rentenprodukte. Deswegen gelten sie als ideales Einstiegsprodukt zur Absicherung des “Armutsrisikos Pflege”. Aber Pflegetagegeldversicherungen haben auch Nachteile.

So können die Produkte über die Laufzeit angepasst (und damit die Beiträge auch erhöht) werden. Zudem gibt es auch Produkte von unausgewogener Qualität – der Produkttest eines Analysehauses fand zwar 65 “ausgezeichnete” Tarife, aber 41 Tarife schnitten “schwach” ab. Deswegen sollte man Produkte sorgfältig vergleichen.

Die Pflegerente: Zwar teuer, aber auch mit Vorteilen

Das teurere Produkt zur Absicherung des “Armutsrisikos Pflege” ist die private Pflegerente – diese wird durch Lebensversicherer angeboten. Pflegerenten garantieren – der Name sagt es bereits – bei Eintritt des Pflegefalls eine lebenslange Rente. Der Preisunterschied macht sich bemerkbar: Pflegetagegelder beginnen schon ab 15 Euro im Monat, wohingegen Pflegerenten erst ab 70 Euro im Monat zu haben sind. Und dennoch können auch Pflegerenten Vorteile haben.

So bleibt der Beitrag der Pflegerenten über die gesamte Laufzeit der Police stabil – anders als bei der Pflegetagegeldversicherung droht kein böses Erwachen, wenn Beiträge angepasst werden. Noch wichtiger aber ist der Hinterbliebenenschutz. Denn anders als das Pflegetagegeld enthält die Pflegerente auch einen Sparanteil, weswegen im Todesfall des Versicherten Geld an Hinterbliebene ausgezahlt wird – ein Leistungsplus der Pflegerente, die nicht nur das Armutsrisiko des Versicherten absichert, sondern auch eine Hinterbliebenenvorsorge leisten kann.

Pflegekostenversicherung: Der Zuschuss zu den Pflegekosten

Ein drittes Produkt zur Absicherung des Armutsrisikos Pflege ist die Pflegekostenversicherung – diese ist zum Teil sogar günstiger als das Pflegetagegeld, wobei aber das Leistungsvolumen sehr variieren kann. Wie der Name schon sagt, leistet die Pflegekostenversicherung anteilig für tatsächlich anfallende Pflegekosten: In der Regel wird für die Differenz zwischen staatlichen Zuschüssen für eine Pflegeleistung und den vollen Pflegekosten gezahlt.

Gewählt werden kann zwischen verschiedenen Zuschuss-Anteilen. So kann die Pflegeversicherung zum Beispiel 50 Prozent der Differenz zwischen gesetzlicher Leistung und tatsächlichen Pflegekosten übernehmen oder auch 75 oder 100 Prozent. Wichtig aber ist: Die Gesamtleistung der gesetzlichen Pflegeversicherung plus der Pflegekostenversicherung darf tatsächlich anfallende Pflegekosten nicht übersteigen.

Armutsrisiko Pflege: Ein wichtiger Grund, sich beraten zu lassen

Das Risiko, bei Pflegebedürftigkeit zu verarmen, ist hoch. Deswegen sollten Vorsorgeprodukte gut auf individuelle Bedürfnisse abgestimmt sein – geht es doch um eine glückliche Zukunft und ein glückliches Altern. Beides kann nur durch private Vorsorge abgesichert werden. Wer hierzu Rat sucht, sollte sich dringend an eine Expertin oder einen Experten wenden.

Die Osteopathie ist beliebt, aber zählt nicht zu den Kassenleistungen. Dennoch beteiligen sich viele Krankenkassen an den Kosten und werben dadurch um Kunden – zum Teil über das Bonussystem. Weil die Praxis kompliziert ist, kann sich aber auch eine private Zusatzversicherung lohnen.

Die Osteopathie möchte Leiden lindern, indem sie die Selbstheilungskräfte des Körpers unterstützt. Hierzu löst sie Blockaden, die eine Selbstheilung des Körpers behindern könnten. Am verbreitetsten ist die Osteopathie bei Behandlung chronischer Rückenleiden. Aber auch in der Kinderheilkunde hat sie einen festen Platz – zum Beispiel bei der Behandlung von Schrei-Babys oder von Verdauungsproblemen in der Kindheit.

Jeder Vierte war schon beim Osteopathen

Und die Osteopathie ist beliebt, wie eine Forsa- Umfrage herausfand: Jeder vierte Deutsche war in seinem Leben bereits einmal beim Osteopathen. Dennoch zählt die Osteopathie nicht zu den gesetzlichen Kassenleistungen. Weil aber gesetzliche Krankenkassen im Wettbewerb untereinander auch von der Beliebtheit der Osteopathie profitieren wollen, erbringen sie oft Zuschüsse zur Behandlung als freiwillige Satzungsleistung. Osteopathie-Zuschüsse sind ein beliebtes Mittel, um für eine Krankenkasse zu werben.

Häufig wird die Zahl der bezuschussten Behandlungen pro Kalenderjahr jedoch durch eine Krankenkasse begrenzt. Oder der Betrag wird bei einer bestimmten Zuschuss-Summe gedeckelt. Auch verlangen einige Kassen, dass der Osteopath Mitglied eines Berufsverbandes ist oder er eine definierte Mindestzahl an Unterrichtsstunden absolviert hat. Oder die Kasse koppelt die Zuschüsse an ein Bonussystem.

Bonussysteme sind oft aufwendig

Sind Zuschüsse zur Osteopathie an ein Bonussystem gekoppelt, kann es für Kassenpatienten aber aufwendig werden – zwei, drei, vier weitere Maßnahmen müssen dann als Bonusmaßnahme absolviert werden. Typisch sind hierfür zum Beispiel verschiedene Vorsorgeuntersuchungen oder auch verschiedene Sportangebote. Bedingung: Diese müssen zu einem Nachweis für die Krankenkasse führen und von der Kasse als Bonus-Maßnahme akzeptiert werden.

Besucht man anrechnungsfähige Maßnahmen, erhält man häufig Punkte auf einem Konto gutgeschrieben. Erst beim Erreichen einer bestimmten Zahl an Bonuspunkten wird dann die Osteopathie bezuschusst – das kann Zeit kosten oder auch Geld, sobald die geforderten Maßnahmen zuzahlungspflichtig sind.

Aus diesem Grund lohnt sich mitunter der Abschluss einer privaten Zusatzversicherung – durch die Beliebtheit der Osteopathie haben viele Anbieter osteopathische Behandlungen fest in den Leistungskatalog integriert. Wer wissen möchte, ob er mit einem Krankenkassenzuschuss oder einer Zusatzversicherung besser in die Zukunft ohne Rückenleiden “fährt”, der sollte sich an eine Expertin oder einen Experten wenden.

Die Professionelle Zahnreinigung (PZR) ist eine beliebte Präventionsmaßnahme gegen Zahnfleischerkrankungen und Karies. Allerdings zählt sie nicht zu den Kassenleistungen. Dennoch bieten manche Krankenkassen einen Zuschuss an.

Bedingungen der Zuschüsse aber variieren – mitunter kommt man günstiger mit einer Zahnzusatzversicherung weg. Auch koppeln einige Krankenkassen die Bezuschussung an ein Bonusprogramm.

Professionelle Zahnreinigung: Von Zahnärzten empfohlen

Bei der Professionellen Zahnreinigung werden harte sowie auch weiche Zahnbeläge mit Handinstrumenten, Pulver-Wasser-Spray und Schallinstrumenten entfernt. Zudem werden die Zähne poliert und fluoridiert. All dies geschieht in Verbindung mit einer Beratung zu besserer Zahnhygiene.

Ausdrücklich empfohlen wird die Professionelle Zahnreinigung von der Bundeszahnärztekammer – und zwar mindestens einmal jährlich. Bei erhöhtem Risiko, an Karies oder Parodontitis zu erkranken, soll sogar mehrmals im Jahr eine PZR durchgeführt werden. Die Kosten liegen etwa zwischen 80 Euro bis 120 Euro.

Viele Krankenkassen leisten einen freiwilligen Zuschuss

Trotz Empfehlung der Zahnärzte ist die Professionelle Zahnreinigung allerdings keine Kassenleistung. Dennoch leisten viele Krankenkassen einen Zuschuss – als freiwillige Satzungsleistung. Eine Satzungsleistung ist eine Leistung, zu der Kassen nicht verpflichtet sind – sie kann aber freiwillig gewährt werden und wird dazu in der Satzung der Kassen festgeschrieben. Durch attraktive Zuschüsse möchten sich die Kassen einen Wettbewerbsvorteil im Kampf um die Kunden sichern.

Höhe der Zuschüsse und Bedingungen variieren stark

Wie hoch aber der Zuschuss ist oder zu welchen Bedingungen er geleistet wird, ist ganz verschieden. So gewähren einige Krankenkassen gerade einmal zehn Euro Zuschuss. Andere hingegen bezuschussen 80 Prozent der Kosten. Mitunter sind die Zuschüsse an das Bonussystem gekoppelt – dann ist es gar nicht so einfach, die Zusatzleistungen zu erhalten.

Bonussysteme können aufwendig sein

Denn Bonussysteme können aufwendig und kompliziert sein – Zuschüsse sind hier von der Teilnahme an weiteren Maßnahmen abhängig. Für diese Maßnahmen muss Zeit investiert werden – zum Beispiel für Vorsorge-Untersuchungen oder das Nutzen von Sportangeboten. Auch fallen mitunter weitere Kosten an, wenn auch Bonusmaßnahmen nur zu einem gewissen Teil bezuschusst werden.

Wem das Nutzen von Zusatzangeboten (wie zum Beispiel der Professionellen Zahnreinigung) wichtig ist, der sollte sich sehr genau über die Bedingungen informieren, zu denen die Krankenkasse derartige Leistungen erbringt.

Weitere Möglichkeit: Behandlung durch Vertragsärzte

Mitunter aber erstatten einige Kassen sogar den vollen Betrag – jedoch ist dies aktuell nur möglich durch Behandlungen über Vertragsärzte. Denn es gibt ganze Netzwerke an Arzt- und Zahnarztpraktiken, mit denen Krankenkasse besondere Bedingungen aushandeln – das Dentnet-Netzwerk oder das IMEX-Netzwerk sind für Zahnbehandlungen hier wichtig. Versicherte sollten deswegen nachfragen, ob ihre Kasse für eine PZR durch Vertragsärzte einen höheren Teil der Kosten übernimmt.

Zahnzusatzversicherung: Leistet für viele Maßnahmen

Teils geringe Zuschüsse, teils komplexe Bedingungen oder Verweigerung einer freien Arztwahl – Gesetzliche Krankenkassen machen es ihren Versicherten oft nicht einfach, an Zuschüsse für freiwillige Leistungen zu kommen. Wer aber seine Krankenkasse nicht nach Zusatzleistungen auswählen will oder wer umfangreiche Prophylaxe-Maßnahmen unabhängig von komplexen Bedingungen nutzen möchte, für den empfiehlt sich eine Zahnzusatzversicherung.

Denn viele Zahnzusatzversicherungen sind günstig – und gewähren dann dennoch viele Prophylaxe-Maßnahmen für gesunde Zähne. Dadurch erspart man sich aufwendige Zugeständnisse an ein Zuschuss-System. Wer hierzu mehr wissen will, der sollte sich an eine Expertin oder einen Experten wenden.

Welche Ereignisse die Schadenkosten bei Gewerbetreibenden und Unternehmen in die Höhe treiben, zeigt die Auswertung eines Industrieversicherers.

Ein international tätiger Industrieversicherer hat seine Leistungsfälle der Jahre 2017 bis 2021 ausgewertet. In Deutschland zahlte dieser Versicherer rund 5,8 Milliarden Euro in diesem Zeitraum für insgesamt 47.365 Versicherungsfälle.

Die Auswertung zeigt auch, welche Ereignisse als Hauptschadentreiber zu betrachten sind. So sorgten Brände und Explosionen für einen Anteil von 37 Prozent am gesamten Schadenvolumen. Für 12 Prozent der Schäden waren Naturkatastrophen verantwortlich. Die Folgen fehlerhafter Verarbeitung und Wartung machen 9 Prozent des Schadenvolumens aus. Es folgen ‚defekte Produkte‘ (6 Prozent) und Maschinenausfälle (4 Prozent).

Anzumerken ist, dass ‚Sonstige‘ Schadenursachen 32 Prozent des Werts aller Schäden ausmachen. In der Gesamtzahl der Schäden sind auch Anteile anderer Versicherer enthalten.

Die durchschnittliche Rentenbezugsdauer in der gesetzlichen Rentenversicherung ist auch 2021 erneut gestiegen. 21,72 Jahre lang bezogen Ruheständler demnach ihre Altersrente im Schnitt.

Deutschland altert, die Lebenserwartung steigt. Das wirkt sich auch auf die Bezugsdauer der Altersrenten aus, wie Zahlen der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV) zeigen. 21,72 Jahre lang bezogen Ruheständler demnach 2021 im Schnitt ihre Altersrente, wie aktuell die BILD-Zeitung berichtet. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 21,51 Jahren. Aufgrund der höheren Lebenserwartung haben Frauen eine längere Rentenbezugsdauer von 23,27 Jahren (2020: 23,18 / 2019: 23,09). Bei Männern liegt sie mit 20 Jahren (2020: 19,78) niedriger.

Wie die Zeitung weiter berichtet, sind derzeit 31.351 Rentenempfänger älter als 100 Jahre. Eine Rentenbezugsdauer von 60 Jahren und mehr können 1.200 Rentenempfänger vorweisen. 50 Jahre und länger sind 11.998 Menschen im Rentenbezug.

Erst im Herbst 2021 ließ der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) untersuchen, wie Deutsche ihre Lebenserwartung und damit auch die Rentendauer einschätzen. Zentrales Ergebnis: Die Deutschen unterschätzen ihre Lebenserwartung teilweise deutlich. Jeder fünfte Befragte (19 Prozent) setzt seine Lebenserwartung und damit die Rentendauer um mehr als zehn Jahre zu niedrig an. Mit Blick auf die Altersvorsorge kann das fatale Folgen haben. So warnte Peter Schwark, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des GDV: “Wer die Rentendauer unterschätzt, sorgt möglicherweise unzureichend vor.”

Der Zinssatz für Steuernachzahlungen oder Erstattungen sinkt rückwirkend zum 1. Januar 2019. Der Bundesrat hat am Freitag einer entsprechenden Änderung der Abgabenverordnung zugestimmt. Das entsprechende Gesetz tritt noch im Juli in Kraft, nachdem der Bundespräsident unterzeichnet hat.

Für Steuernachzahlungen muss künftig ein deutlich niedrigerer Zinssatz gezahlt werden. Der Bundesrat hat zugestimmt, dass der entsprechende Zinssatz nach Paragraf 233a Abgabenordnung auf 0,15 Prozent pro Monat gesenkt wird. Das entspricht einem Zins von 1,8 Prozent pro Jahr. Dies teilt der Bundesrat per Pressetext mit. Das Gesetz soll noch im Juli in Kraft treten, notwendig ist noch die Unterschrift des Bundespräsidenten.

Hintergrund sind Forderungen des Bundesverfassungsgerichts, den bisher geltenden festen Zinssatz ab 1. Januar 2019 rückwirkend verfassungskonform auszugestalten. Denn der Jahreszins von bisher sechs Prozent wurde in Zeiten dauerhaft niedriger Zinsen als zu hoch angesehen. Bereits 1961 festgelegt, wurde dieser Zins bisher nie geändert. Unter anderem würden von Unternehmen Gewinne abgeschöpft, die so im Moment gar nicht zu erzielen sind, so hatte das Bundesverfassungsgericht kritisiert: und verlangte eine Korrektur.

Die Angemessenheit des neuen Zinssatzes werde künftig evaluiert, so berichtet der Bundesrat: erstmals zum 1. Januar 2026. Außerdem verankert das Gesetz eine bisher nur im Verwaltungsweg getroffene Regelung über den Erlass von Nachzahlungszinsen bei vor Fälligkeit freiwillig geleisteten Zahlungen. Sie erstreckt sich damit künftig auch auf die von Kommunen verwaltete Gewerbesteuer.

Die Bundesregierung erwartet durch die Änderung in diesem Jahr Mindereinnahmen von 2,46 Milliarden Euro und im kommenden Jahr von 530 Millionen Euro.

Im Juli 2022 treten wieder Änderungen in Kraft. Rentnerinnen und Rentner erhalten mehr Geld, zudem gibt es Entlastungen bei der Steuer aufgrund eines höheren Grundfreibetrags. Die EEG-Umlage entfällt, was zu leichten Entlastungen bei den Stromkosten beiträgt.

Der 1. Juli bringt für die Bürgerinnen und Bürger wieder einige Änderungen mit sich. Und das merken zunächst die Rentnerinnen und Rentner in ihrem Portemonnaie. Für das Jahr 2022 steht wieder eine Erhöhung der Altersbezüge ins Haus, nachdem im Jahr zuvor die Renten weniger stark stiegen. Im Westen werden die Renten um 5,35 Prozent raufgesetzt, im Osten sogar um 6,12 Prozent. Ein wichtiger Grund für das deutliche Rentenplus ist die Lohnentwicklung: steigen die Löhne, steigen in der Regel auch die Renten. Und hier hatten sich im Vorjahr die Löhne wieder deutlich erholt, nachdem sie im ersten Corona-Jahr 2020 zunächst eingebrochen waren.

Auch bei der Steuer gibt es Änderungen. Hier werden Arbeitnehmer entlastet. Ein Grund ist das sogenannte Steuerentlastungsgesetz 2022, das auch helfen soll, die Bürger angesichts der hohen Inflation zu entlasten. So steigt der Grundfreibetrag bei der Einkommensteuer von derzeit 9.984 Euro um 363 Euro auf 10.347 Euro im Jahr. Die Änderung tritt rückwirkend zum 1. Januar 2022 in Kraft. Wer weniger verdient, der muss bis zu dieser Grenze keine Steuern auf sein Einkommen zahlen. Wer hingegen mehr Lohn erhält, dem bleibt das Einkommen zumindest bis zu dieser Grenze steuerfrei.

Außerdem wird die Entfernungspauschale erhöht: um drei Cent auf 0,38 Euro je vollem Entfernungskilometer. Ursprünglich war dieser Reformschritt erst für die Jahre 2024 bis 2026 vorgesehen, doch angesichts hoher Spritpreise zieht die Bundesregierung diesen nun vor. Die höhere Entfernungspauschale gilt vorerst für die Jahre 2022 bis 2026.

Ebenfalls raufgesetzt wird der Arbeitnehmerpauschbetrag bei der Steuer. Das bedeutet: die Bürgerinnen und Bürger können sich bei der Steuererklärung eine höhere Pauschale für Werbungskosten anrechnen lassen. Das Finanzamt darf den Arbeitnehmerpauschbetrag auch dann nicht kürzen, wenn feststeht, dass keine oder nur geringe Werbungskosten angefallen sind. Dieser Betrag erhöht sich von 1.000 Euro jährlich auf nun 1.200 Euro. Ein Nachweis der Werbungskosten ist nur notwendig, wenn darüber hinausgehende Werbungskosten geltend gemacht werden.

Ausgezahlt werden soll im Juli auch der sogenannte Kinderbonus. Dieser soll zusätzlich zur Energiepauschale von 300 Euro Familien entlasten, da die Energie- und Lebenshaltungs-Kosten deutlich gestiegen sind. Ganze 100 Euro gibt es extra: ob dies ausreicht, um die deutlich steigenden Preise aufzufangen, darf bezweifelt werden. Die Bundesregierung schätzt zum Beispiel, dass sich die Kosten für Gas verdoppeln oder gar verdreifachen könnten. Das werden die Bürgerinnen und Bürger mit der Nebenkosten-Abrechnung im Herbst zu spüren bekommen.

Ebenfalls Teil der Entlastungen ist der Wegfall der sogenannten EEG-Umlage. Sie war gedacht, um den Ausbau erneuerbarer Energien zu finanzieren. Die Kilowattstunde Strom kostet dadurch 3,72 Cent weniger als bisher. Doch viel bringt auch sie nicht. Ein durchschnittlicher Ein-Personen-Haushalt werde dadurch um 35 Euro im Jahr entlastet, so hat der Bayerische Rundfunk errechnet.

Angehoben wird ebenfalls der Pfändungsfreibetrag. Das ist das monatliche Einkommen, das vor Pfändungen geschützt ist, um Menschen mit Schulden ein Existenzminimum garantiert wird. Der Pfändungsfreibetrag steigt von aktuell 1.252,64 Euro auf 1.330,16 Euro. Das bedeutet ein Plus von sechs Prozent.

Der gesetzliche Mindestlohn wird ebenfalls erhöht. Er beträgt seit dem 1. Januar 2022 9,82 Euro pro Stunde. Zum 1. Juli 2022 steigt er planmäßig auf 10,45 Euro.

Für Minijobs gilt bisher eine Einkommensgrenze von 450 Euro. Doch das soll sich ab Oktober ändern. Die Grenze soll dann auf 520 Euro angehoben werden. Für derartige Tätigkeiten müssen keine Sozialabgaben gezahlt werden.

Knapp 6,47 Millionen Minijobberinnen und Minijobber gibt es in Deutschland. Sie kellnern im Gastro-Gewerbe, sitten Babys, geben Schülernachhilfe oder helfen älteren Personen im Haushalt. Aus vielen Branchen wären sie nicht wegzudenken – und gerade Studentinnen und Studenten sind oft auf die Tätigkeiten angewiesen, um sich etwas dazuzuverdienen.

Seit 23 Jahren gilt für Minijobs eine Einkommensgrenze von 450 Euro im Monat, die auch über das Jahr verteilt werden kann. Doch das wird sich künftig ändern. Ab Oktober können Minijobber mehr Geld verdienen: die Verdienstgrenze steigt auf 520 Euro im Monat bzw. 6240 Euro im Jahr. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Das entsprechende Gesetzvorhaben habe Bundestag und Bundesrat passiert.

Die Anpassung war unter anderem notwendig geworden, weil auch für Minijobs der gesetzliche Mindestlohn gilt: Deshalb konnten die Menschen in diesen Berufen nur noch kürzere Zeit bzw. weniger Tage arbeiten. Durch die neue Minijob-Verdienstgrenze sind nun 43,3 Stunden Arbeit im Monat möglich.

Wer einen Minijob ausübt, ist nicht verpflichtet, in die Sozialversicherung einzuzahlen. So besteht auch die Möglichkeit, sich von der Rentenversicherungs-Pflicht befreien zu lassen. Das empfiehlt sich jedoch oft nicht, da dadurch im Zweifel Wartezeiten nicht erfüllt werden und Ansprüche aus der Rentenversicherung verloren gehen können. Arbeitgeber, die Minijobber einstellen, müssen jedoch pauschale Sozialabgaben und Steuern entrichten – hierfür ist die Minijob-Zentrale der richtige Ansprechpartner, wo die Beschäftigten auch gemeldet werden müssen.

Auch im Minijob besteht die Pflicht, sich krankenversichern zu lassen. Wird der Minijob zusätzlich zu einem Hauptjob ausgeübt, sind privat Versicherte über diese Tätigkeit abgesichert: an der Versicherung und den Kosten ändert sich nichts. Ist der Minijob die einzige Beschäftigung, muss man sich als hingegen selbst um den Krankenversicherungsschutz kümmern, ob freiwillig gesetzlich oder privat. Wichtig: Arbeitgeber im Hauptberuf müssen einen Minijob genehmigen.

Ist der Beschäftigte in der gesetzlichen Krankenversicherung pflicht-, familien- oder freiwillig versichert, zahlt der Arbeitgeber in der Regel eine Pauschale an die Krankenkasse. Der Solidarbetrag beträgt aktuell 13 Prozent des Arbeitsentgeltes bzw. -bei Arbeit in Privathaushalten- fünf Prozent.

32 Prozent der Deutschen wollen nicht bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter arbeiten. Doch Zeitwertkonten werden kaum genutzt.

Fast jeder Dritte Deutsche (32 Prozent) plant, vor dem gesetzlichen Renteneintrittsalter (65 bzw. 67 Jahre) aus dem Berufsleben auszuscheiden.

Doch wie soll das finanziert werden? 47 Prozent der Befragten, die vorzeitig in Ruhestand gehen wollen, zahlen regelmäßig in eine private Altersvorsorge-Lösung ein. 36 Prozent nutzen eine betriebliche Altersversorgung (bAV) über den Arbeitgeber. Aus Sicht von 32 Prozent derjenigen, die nicht bis zur Regelaltersgrenze arbeiten wollen, soll ein Sparkonto helfen, diesen Wunsch zu erfüllen.

Doch nur sieben Prozent nutzen ein Zeitwertkonto für den früheren Ruhestand. Mit einem solchen ‚Konto‘ können Wertguthaben für Freistellungen über einen längeren Zeitraum angespart werden. Angestellte können einen fixen Teil ihres Gehalts sowie Überstunden oder nicht in Anspruch genommene Urlaubstage in das Zeitwertkonto einzahlen, um damit zum Beispiel einen früheren Renteneintritt zu finanzieren. Auffällig: Während nur drei Prozent der Zeitwertkonten-Nutzer weiblich sind, sind es bei den Männern immerhin 12 Prozent.

Ein möglicher Grund für die geringe Nutzung: Das Zeitwertkonto ist vielen nahezu unbekannt. Der Begriff “Zeitwertkonto” sagt nur gut jedem Vierten (28 Prozent) etwas – Älteren dabei weitaus häufiger als Jüngeren: Fast jeder Zweite (47 Prozent) der jüngeren Berufstätigen zwischen 18 und 24 Jahren hat den Begriff noch nicht gehört, ebenso 38 Prozent der 25- bis 34-Jährigen.

Dabei könnten sich 60 Prozent der Berufstätigen – über alle Altersgruppen hinweg – vorstellen, ein Zeitwertkonto zu nutzen, wenn der Arbeitgeber dies anbieten würde.

Die verwendeten Daten stammen aus einer Umfrage unter 2.000 berufstätigen Deutschen ab 18 Jahren, die im Auftrag von Fidelity International vom Marktforschungsinstitut YouGov Deutschland GmbH durchgeführt wurde.

Die geplante Erhöhung der Altersrenten und Verbesserungen für Erwerbsminderungsrenten wurden am Freitag auch vom Bundesrat gebilligt. Damit ist die letzte parlamentarische Hürde genommen.

Das ‚Rentenanpassungs- und Erwerbsminderungsrenten-Bestandsverbesserungsgesetz‘ hebt zum 1. Juli 2022 den aktuellen Rentenwert auf 36,02 Euro und den aktuellen Rentenwert (Ost) auf 35,52 Euro an. Damit steigen die Renten im Westen um 5,35 Prozent und im Osten um 6,12 Prozent. Die Zahlen beruhen auf Daten zur Lohnentwicklung des Statistischen Bundesamts sowie den Daten für die Berechnung des Nachhaltigkeitsfaktors und zur Entwicklung der beitragspflichtigen Bruttolöhne und -gehälter von der Deutschen Rentenversicherung Bund.

Gilt wieder: Der Nachholfaktor

In diesem Jahr wurde dabei der so genannte Nachholfaktor reaktiviert: Dieser sorgt dafür, dass künftig wieder jede aufgrund der Rentengarantie unterbliebene Rentenkürzung bei einer darauffolgenden positiven Rentenanpassung verrechnet wird. In der Corona-Pandemie war der Nachholfaktor ausgesetzt worden.

Zuschlag für Erwerbsminderungsrente

Erwerbsminderungsrentnerinnen und -rentner im Bestand, die von bisherigen Leistungsverbesserungen nicht erreicht wurden, profitieren ab 1. Juli 2024 von einem pauschalen Zuschlag an persönlichen Entgeltpunkten. Die Zuschlagshöhe richtet sich danach, wann erstmalig eine Erwerbsminderungsrente bezogen wurde.

Weitere Anpassungen

Zudem bestimmt das Gesetz für die Zeit ab 1. Juli 2022 die allgemeinen Rentenwerte in der landwirtschaftlichen Alterssicherung, die Mindest- und Höchstbeträge des Pflegegeldes der gesetzlichen Unfallversicherung sowie den Anpassungsfaktor für Geldleistungen der gesetzlichen Unfallversicherung.

Zuschuss für Künstlersozialversicherung

Die Künstlersozialversicherung erhält nochmals einen staatlichen Stabilisierungszuschuss in Höhe von knapp 59 Millionen Euro, um die Folgen der Corona-Pandemie abzufedern und eine Steigerung der Künstlersozialabgabe zu dämpfen. Diese Ergänzung des ursprünglichen Gesetzentwurfs wurde erst im Lauf der Bundestagsberatungen beschlossen.

Wurde das Gesetz vom Bundespräsidenten unterzeichnet und im Bundesgesetzblatt verkündet, kann es wie geplant zum 01. Juli 2022 in Kraft treten.