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Im Dezember 2023 verzeichnete Deutschland einen deutlichen Anstieg der Personen, die Grundsicherungsleistungen erhielten.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bezogen mehr als 1,2 Millionen Menschen Leistungen der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, was einen Zuwachs von 1,9 % oder etwa 22.000 Personen gegenüber dem Vorjahr darstellt. Diese Sozialleistungen sind für Menschen vorgesehen, die aufgrund ihres Alters oder einer dauerhaften vollen Erwerbsminderung ihren Lebensunterhalt nicht selbst sicherstellen können.

Die Mehrheit dieser Leistungsempfänger, rund 690.000 Personen oder 56,9 %, erhielten die Grundsicherung aufgrund ihres Alters, was einen Anstieg von 4,7 % gegenüber dem Vorjahresmonat markiert. Die Altersgrenze für den Bezug dieser Leistungen wird schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben, was für Personen, die im Dezember 2023 leistungsberechtigt waren, eine Altersgrenze von 66 Jahren bedeutete.

Etwa 43,1 % der Empfänger, also circa 520.000 Personen, waren aufgrund einer dauerhaften vollen Erwerbsminderung leistungsberechtigt. Im Vergleich zum Vorjahr sank ihre Zahl um 1,6 %.

Ein signifikanter Anstieg war insbesondere bei den geflüchteten Ukrainern zu beobachten. Ihre Zahl erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr um 18,8 %, von 73.060 im Dezember 2022 auf 86.775 im Dezember 2023. Seit Juni 2022 haben ukrainische Geflüchtete Anspruch auf Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch (SGB XII), was einen Wechsel vom Asylbewerberleistungsgesetz zu den regulären Sozialleistungen darstellt.

Mehr als die Hälfte aller gezahlten gesetzlichen Renten (54,3 Prozent) liegen unter der relativen Armutsgrenze. Das zeigen aktuelle Zahlen des Bundessozialministeriums. Demnach erhalten rund 10,1 Millionen Menschen weniger als 1.100 Euro Rente im Monat.

Mehr als jeder zweite Rentner in Deutschland, 10,1 Millionen Menschen, erhält eine gesetzliche Rente unterhalb der relativen Armutsgrenze. Das geht aus Zahlen hervor, die das Bundessozialministerium auf eine Anfrage der Fraktion Sahra Wagenknecht (BSW) mitgeteilt hat.

Konkret angefragt hatte Wagenknecht, wie viele Menschen weniger als 1.100 Euro im Monat erhalten. Die aktuelle Armutsgrenze, die laut Statistischem Bundesamt derzeit bei 1.250 Euro im Monat liegt, wird damit noch deutlich unterschritten. Auf die Zahlen machte zuerst das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) aufmerksam.

Zu beachten ist hierbei, dass es sich um relative Armut handelt. Diese ist von absoluter Armut abzugrenzen, die etwa durch Notlagen wie Hunger und Obdachlosigkeit gekennzeichnet ist. Eine Person gilt nach der EU-Definition als armutsgefährdet, wenn sie über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung verfügt (Schwellenwert der Armutsgefährdung).

Eine Umfrage des NDR zeigt: Zwei Drittel der Bürgerinnen und Bürger fürchten im Alter von Armut betroffen zu sein. Die Gründe dafür liegen vor allem im instabilen Rentensystem und der befürchteten Inflation.

Die Sorgen vor Altersarmut nehmen in Norddeutschland zu, wie eine Umfrage des NDR zum Thema “Reicht die Rente?” zeigt. Trotz der regionalen Begrenzung auf Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Bremen beteiligten sich rekordverdächtige 20.609 Personen an der Umfrage.

Zwei Drittel der Befragten äußerten die Befürchtung, im Rentenalter arm zu sein, wobei Frauen (72 %) etwas besorgter sind als Männer (61 %). Hauptgründe hierfür sind das instabile Rentensystem und die Inflation. Das Vertrauen in die gesetzliche Rente ist erschüttert, da viele befürchten, dass das System nicht mehr finanzierbar sein könnte und die Preise stärker steigen als die Renten.

Besonders die 30- bis 39-Jährigen sehen ein Problem mit Altersarmut auf sich zukommen (93 %). Etwa ein Fünftel derjenigen, die kurz vor der Rente stehen, gibt an, nicht genügend für das Alter vorgesorgt zu haben, während jeder fünfte Rentner sich für arm hält. Um die gesetzliche Rente zu sichern, plädiert ein Drittel der Befragten für mehr staatliche Investitionen und die Einführung gemeinsamer Rentenkassen für alle Berufsgruppen.

Zwei Drittel der Deutschen hegen Sorgen um ihren Lebensstandard im Alter – neun Prozentpunkte mehr als vor drei Jahren, wie eine repräsentative Umfrage von Sirius Campus und Aeiforia zeigt.

Zwischen 18 und 60 Jahren wurden Bürgerinnen und Bürger befragt, wobei vergleichbare Erhebungen in den Jahren 2020 und 2017 stattfanden.
Dies geht Hand in Hand mit einer wachsenden Furcht vor möglicher Altersarmut, wovon mittlerweile 58 Prozent der Befragten betroffen sind. Dies entspricht einer Mehrheit. Die persönliche Vorsorgesituation hat sich nach einem durch Corona bedingten Einbruch leicht verbessert. 43 Prozent geben an, ausreichend für das Alter vorgesorgt zu haben, im Vergleich zu gut 40 Prozent bei der vorherigen Umfrage im Jahr 2020.

Die große Diskrepanz zwischen Männern und Frauen in Bezug auf die eigene Absicherung beunruhigt Sirius Campus Geschäftsführer Dr. Oliver Gaedeke. Während sich 21 Prozent der Männer weder ausreichend versorgt fühlen noch über ausreichende Informationen zur Altersvorsorge verfügen, sind es bei den Frauen sogar 32 Prozent. Fast jede dritte Frau gibt an, weder ausreichend vorgesorgt zu haben noch über das erforderliche Wissen zu verfügen. Es ist jedoch zu beachten, dass es sich dabei um eine Selbsteinschätzung handelt, die keine Schlüsse darüber zulässt, wie gut oder schlecht die Personen tatsächlich versorgt sind.

Über die Studie:
Hintergrund: Die Ergebnisse beruhen auf einer bundesweiten Repräsentativbefragung im Rahmen des Kundenmonitors Assekuranz 2023, der von der Sirius Campus GmbH und der Aeiforia GmbH erstellt wurde. Zwischen dem 4. Oktober und dem 27. Oktober 2023 wurden 1.601 Entscheider und Mitentscheider in Versicherungsangelegenheiten zwischen 18 und 60 Jahren im Rahmen des YouGov-Online-Panels mittels standardisierter Online-Interviews befragt.

Die Anzahl der Personen, die im Alter Grundsicherung erhalten, ist erneut angestiegen. Im Juni 2023 erhielten bundesweit 691.820 Menschen im Rentenalter Grundsicherung. Es wird vermutet, dass die tatsächliche Anzahl deutlich höher ist.

Immer mehr Rentner sind auf staatliche Unterstützung angewiesen. Im Juni 2023 erhielten 691.820 Personen im Rentenalter Leistungen gemäß dem Zwölften Buch des Sozialgesetzbuchs (SGB XII). Dies wurde vom “RedaktionsNetzwerk Deutschland” berichtet. Die Statistiken wurden aufgrund einer Anfrage der Linksfraktion im Bundestag vom Statistischen Bundesamt erstellt.

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl der Rentner, die Grundsicherungsleistungen beziehen, um 63.250 Personen oder etwa zehn Prozent gestiegen. Insbesondere in den fünf ostdeutschen Bundesländern gab es erhebliche Zunahmen. Allein im Freistaat Sachsen stieg die Anzahl um 22,8 Prozent. Angesichts dieses erneuten Anstiegs fordert der Fraktionschef der Linken, Dietmar Bartsch, eine “armutsfeste Mindestrente von 1.200 Euro und ein Rentenniveau, das den Lebensstandard sichert”.

Es wird vermutet, dass die tatsächliche Anzahl der Anspruchsberechtigten für Grundsicherung deutlich höher ist. Die “Wirtschaftswoche” hat kürzlich Daten vom Statistischen Bundesamt, der Bundesregierung, dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales zusammengetragen. Die Daten sind zwar nicht ganz aktuell, da sie aus dem Jahr 2019 stammen und die Werte nicht direkt vergleichbar sind. In ihrer Auswertung geht die “Wirtschaftswoche” jedoch von Haushalten und nicht von Einzelpersonen als Anspruchsberechtigte aus. Trotzdem sind die Zahlen bemerkenswert. So haben im Jahr 2019 etwa 60 Prozent der Anspruchsberechtigten keine Grundsicherung im Alter erhalten. Dies betraf rund 625.000 Haushalte. Von diesen Haushalten lebten 59,6 Prozent alleinstehend. Dies bedeutet zusätzliche 372.500 Personen, die zwar Anspruch auf Sozialleistungen hatten, diese jedoch nicht in Anspruch genommen haben.

Es liegt nahe, dass viele Bürger schlichtweg nicht wissen, dass sie einen Anspruch auf Sozialleistungen haben. Die Höhe des Anspruchs spielt dabei durchaus eine Rolle. So haben vier von fünf Personen mit Anspruch auf Grundsicherung (79,9 Prozent) einen Anspruch zwischen 20 Euro und 200 Euro nicht beantragt. Bei einem Anspruch zwischen 200 Euro und 600 Euro waren es mehr als die Hälfte der potenziellen Leistungsempfänger (53,4 Prozent). Von den Rentnern, die Anspruch auf eine Grundsicherung im Alter von über 600 Euro hatten, haben 21,6 Prozent diese Leistungen nicht in Anspruch genommen.

Diese Woche wird der Internationale Frauentag begangen. Aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen: Speziell im Alter sind Frauen noch immer deutlich schlechter abgesichert als Männer. Das schließt auch die private Vorsorge ein.

“Ich möchte keine Rosen – mir reicht die Hälfte der Macht”. Dieser Spruch, der am Internationalen Frauentag regelmäßig in sozialen Medien die Runde macht, müsste ergänzt werden um: die Hälfte der Finanzen. Denn speziell im Alter sind Frauen in Deutschland noch immer schlechter abgesichert, wie Daten des Statistischen Bundesamtes anlässlich des Internationalen Frauentages zeigen.

Demnach haben Frauen ab 65 Jahren rund ein Drittel weniger Alterseinkommen, wie eine Erhebung zu Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC) für das Jahr 2021 ergab. Konkret haben sie Alterseinkünfte von 17.814 Euro brutto im Jahr, während Männer derselben Altersgruppe immerhin 25.407 Euro brutto erreichen. Die Umfrage bezog nicht nur die Einkünfte aus der gesetzlichen Rente und Hinterbliebenen-Renten ein, sondern auch aus privater und betrieblicher Vorsorge.

“Die Ursachen für dieses Gefälle sind vielfältig: So erwerben Frauen im Laufe ihres Erwerbslebens im Schnitt geringere Rentenansprüche, weil sie teilweise in schlechter bezahlten Branchen arbeiten als Männer. Frauen arbeiten zudem häufiger in Teilzeit, nehmen häufiger und längere Auszeiten für Care-Arbeit und sind seltener in Führungspositionen tätig”, schreibt das Statistische Bundesamt zu den Ursachen des Einkommens-Gefälles.

Doch damit nicht genug. Große Teile der Einkünfte von Frauen resultieren aus Ansprüchen, die der Ehegatte früher erworben hat. Denn zieht man die gesetzliche Hinterbliebenen- bzw. Witwenrente ab, erhöht sich die sogenannte Gender Pension Gap sogar auf 42,6 Prozent. Das wirkt sich auch auf die Altersarmut aus. Mehr als jede fünfte Frau im Rentenalter bzw. 20,9 Prozent gelten als armutsgefährdet.

Natürlich ist die soziale Absicherung von Frauen im Alter zunächst eine politische Aufgabe: Strukturen müssen geschaffen werden, in denen zum Beispiel Kindererziehung und die Pflege Angehöriger nicht überproportional auf den Schultern von Frauen lasten und finanzielle Nachteile bedeuten. Darüber hinaus können Frauen und ihre Familien auch selbst etwas tun: indem sie sich zeitig um die finanzielle Sicherheit im Alter kümmern. Private Vorsorge ist hier fast zwangsläufig Pflicht – und auch bei der betrieblichen Vorsorge sind Frauen oft deutlich seltener abgesichert als Männer. Welche Optionen es hier gibt, darüber klärt ein Beratungsgespräch auf.

Der Grundrentenzuschlag (Grundrente) wurde “erfolgreich eingeführt” wie Bundesarbeitsminister Hubertus Heil und Gundula Roßbach, Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, betonen. Wieviele Rentner den Zuschlag bekommen und wie hoch er im Durchschnitt ist.

Das Gesetz zur Grundrente trat am 01. Januar 2021 in Kraft, erste Auszahlungen gab es aber erst nach Verspätungen im Sommer 2021. Nun teilte das Bundesarbeitsministerium unter Berufung auf Zahlen der Deutschen Rentenversicherung Bund mit, dass die Grundrente “erfolgreich eingeführt” werden konnte.

Demnach wurden bis Ende 2022 bei allen Neurentnern und rund 26 Millionen Bestandsrenten geprüft, ob Ansprüche auf den Grundrentenzuschlag bestehen.

Grundrentenzuschlag erhält nur, wer mindestens 33 Jahre gearbeitet und dabei unterdurchschnittlich verdient hat, Kinder erzogen oder Angehörige gepflegt hat. Zudem findet eine Einkommensprüfung statt. Neben dem eigenen, darf auch das Einkommen des Ehegatten, bestimmte Grenzwerte nicht übersteigen.

“Rund 1,1 Millionen Rentnerinnen und Rentner profitieren von der Grundrente und erhalten Monat für Monat durchschnittlich 86 Euro mehr”, so Bundesarbeitsminister Hubertus Heil.

Sowohl Heil als auch Roßbach betonen, dass die Einführung des Grundrentenzuschlags ein “enormer Kraftakt” gewesen sei. Denn beispielsweise die Einkommensprüfung von Rentenempfängern war für die Deutsche Rentenversicherung ‚Neuland‘. Um dieses Neuland zu erschließen, war auch Datenaustausch mit den Finanzämtern notwendig – ebenfalls keine Kleinigkeit. Diese Einkommensprüfung gilt auch als Kostenfaktor. Selbst Funktionäre der Deutschen Rentenversicherung kritisierten die hohen Verwaltungskosten. Diese sollen in der Aufbauphase etwa 24 Prozent der Gesamtausgaben für Grundrente ausmachen. Allein im ersten Jahr werde ein Betrag von 400 Millionen Euro für die Verwaltung fällig, so Schätzungen der Deutschen Rentenversicherung.

Weitergehende statistische Angaben zum Grundrentenzuschlag sind allerdings erst im Sommer zu erwarten, wenn die Rentenbestandsstatistik 2022 vorliegt.

Der Sozialverband VdK kritisierte in der Vergangenheit bereits die Höhe der festgestellten Zuschläge. Es würde sich meistens nur um niedrige ein- bis zweistellige Beträge handeln. Für VdK-Präsidentin Verena Bentele ist die Grundrente “definitiv nicht die Unterstützung, die viele Menschen erwartet haben”.

Wer sich vom Grundrentenzuschlag einen wirksamen Schutz gegen Altersarmut erhofft, verkennt die Zielsetzung dieses Instruments. Funktionäre der Deutschen Rentenversicherung stellten in der Vergangenheit bereits heraus, dass die Grundrente kein Instrument zur Bekämpfung von Altersarmut sei. Es ginge bei der Grundrente um Anerkennung und Respekt gegenüber der Lebensleistung langjährig Versicherter, erinnerte die DRV an die Zielsetzung.

Mehr als jeder Vierte Rentner in Deutschland verfügt über weniger als 1.000 Euro Einkommen im Alter. Insbesondere Frauen sind von solchen ‘Mini-Renten’ betroffen.

Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, verfügten rund 4,9 Millionen Rentner in Deutschland über ein Nettoeinkommen von weniger als 1.000 Euro im Monat. Das entspricht mehr als jedem vierten Altersruheständler (27,8 Prozent).

Wie die Statistiker weiter mitteilten, liegt der Anteil bei Frauen wesentlich höher: 38,2 Prozent der Rentnerinnen verfügten über ein Nettoeinkommen von unter 1.000 Euro, dagegen nur 14,7 Prozent der Rentner. Insgesamt bezogen 2021 rund 17,6 Millionen Menschen in Deutschland aus Altersgründen eine Rente, zehn Jahre zuvor gab es nur 16,6 Millionen Rentenbezieherinnen und -bezieher. Das bedeutet einen Anstieg von rund 6,02 Prozent innerhalb einer Dekade. Auch der Anteil der Altersruheständler an der Bevölkerung in Privathaushalten stieg – von 20,9 Prozent in 2011 auf 21,4 Prozent in 2021.

Die Armutsgefährdungsquote in der Generation Ü65 kletterte bereits: im Zeitraum von 2018 bis 2021 von 14,7 auf 17,4 Prozent. Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung hat. 2021 lag dieser Schwellenwert laut Statistischem Bundesamt für eine alleinlebende Person in Deutschland bei 15.009 Euro netto im Jahr (1.251 Euro im Monat).

Ein aktueller Rechtsstreit verdeutlicht, auf welche Einschränkungen man sich gefasst machen muss, wenn man Grundsicherung im Alter erhält. Selbst Geld- und Sachgeschenke, die Bedürftigen zum Geburtstag geschenkt werden, kann das Sozialamt nämlich auf die Bezüge anrechnen. Das musste ein Rentner erfahren, der zum 70. Geburtstag von den Verwandten Geld für ein E-Bike bekam.

Sich in Sachen Altersvorsorge auf die Grundsicherung verlassen? Dass dies keine gute Idee ist, zeigt ein aktueller Rechtsstreit, von dem die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) berichtet. Denn wer Grundsicherung erhält, muss sich enorm einschränken. Sogar Geschenke zum Geburtstag können dann vom Sozialamt geltend gemacht und die Bezüge entsprechend gekürzt werden.

Geld für Fahrrad zum 70. Geburtstag

Konkret ging es um einen Rentner, der seinen 70. Geburtstag beging. Die Verwandten wollten ihm eigentlich eine große Party schenken und finanzieren. Dann aber kam Corona dazwischen, an eine Feier war nicht mehr zu denken. Stattdessen überwiesen sie dem Senior Geld, damit er sich ein neues E-Bike kaufen kann. Das war auch bitter nötig, denn sein Auto war soeben kaputt gegangen. 1.600 Euro kamen so zusammen.

Doch als das Sozialamt von dem Geburtstags-Geld erfuhr, kürzte es dem Mann die Grundsicherung um diesen Betrag. Abzüglich eines Freibetrages von nur 50 Euro sollten nun 1.550 Euro von seinen monatlichen Bezügen abgezwackt werden. Damit wäre der Rentner unter das Existenzminimum gerutscht. Auf den Vorfall machte zuerst die Aktivistin Helena Steinhaus, Gründerin des Vereins “Sanktionsfrei”, bei “Twitter” aufmerksam.

Sozialamt und Sozialgericht zeigen sich unnachgiebig

Laut WAZ hat der Mann daraufhin Widerspruch gegen den Kürzungsbescheid eingelegt und ist vor das Sozialgericht gezogen. Die Anwältin des Rentners argumentierte unter anderem, dass es sich bei dem Geld fürs E-Bike um eine sogenannte zweckgerichtete Zuwendung handle: Dann dürfen die Geldgeschenke unter Umständen behalten werden. Doch auch das ist abhängig vom Einzelfall. Beispiel ist hier die Finanzierung eines Führerscheins.

Doch damit hatte der Rentner keinen Erfolg. Laut WAZ sei sein Widerspruch gegen die gekürzte Grundsicherung bereits abgelehnt worden. Das Sozialgericht betonte demnach, dass Zuwendungen entsprechend der Einkommensdefinition nach § 82 SGB XII als Sach- und Geldleistung erfolgen können. Mit anderen Worten: Die Bezüge wären auch gekürzt worden, wenn die Verwandten das Fahrrad selbst gekauft und als Sachgeschenk übergeben hätten. Zumindest, wenn das Amt davon erfahren hätte.

Für den betroffenen Rentner stellt sich nun das Problem, dass er sein Rad weit unter Wert verkaufen muss – und sein Existenzminimum trotzdem nicht gesichert ist. Doch auch zu diesem Problem hat das Sozialgericht einen Standpunkt, der aus menschlicher Perspektive fast zynisch anmuten könnte. “Praktisch stehen dem Kläger trotz Fahrradkauf Möglichkeiten zu Verfügung, mithilfe des Fahrrads Einnahmen zu erwirtschaften, mit welchen er für seinen Lebensunterhalt aufkommen kann”. Mit anderen Worten: Der Rentner könne das Rad ja nutzen, um damit Geld zu verdienen. Der Wertverlust des Rades sei eigenverschuldet.

Solche Beispiele zeigen, dass Grundsicherung mit finanziellen und sozialen Härten einher geht. Selbst Geburtstagsgeschenke sind dann unter Umständen von den Bezügen abzuziehen. Auch deshalb ist es empfehlenswert, sich zeitig genug um seine Altersvorsorge kümmern. Hier können schon kleine Beträge helfen, sich ein Polster fürs Alter anzusparen.

Noch nie waren so viele Menschen auf Grundsicherung im Alter angewiesen. 579.095 Ruheständler erhielten im September 2021 entsprechende Sozialhilfe-Leistungen: ein Plus von rund 2,66 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl zeigt, dass die Altersarmut zunimmt.

Es ist ein trauriger Rekord: Die Zahl der Menschen, die im Rentenalter auf Sozialhilfe angewiesen sind, war noch nie so hoch. 579.095 Ruheständler erhielten im September 2021 Grundsicherung im Alter, weil ihr Einkommen nicht für das Existenzminimum ausreichte. Seit diese Leistung mit einer Gesetzreform 2005 in der heutigen Form eingeführt wurde, hat sie die Zahl der Bezieher verdoppelt. Das berichtet aktuell die Funke Mediengruppe und bezieht sich auf Daten des Statistischen Bundesamtes.

Hinzu treten weitere 533.590 Personen, die Grundsicherung aufgrund einer Erwerbsminderung erhalten, folglich die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht haben. Leistungsberechtigt sind hier lediglich Erwachsene, die voll erwerbsgemindert sind: Das heißt, dass sie aufgrund von Krankheit bzw. Behinderung weniger als drei Stunden am Tag arbeiten können. Die Regeln hierfür sind im 4. Kapitel des Zwölften Sozialgesetzbuches (SGB XII) festgeschrieben.

851 Euro Maximum

Für ein auskömmliches Leben reichen die Bezüge aus der Grundsicherung in der Regel nicht. Der durchschnittliche Bruttobedarf beträgt aktuell 851 Euro im Monat. Neben den Lebensunterhalts-Kosten müssen hieraus auch die Kosten für die Miete und Heizung bezahlt werden. Gerade in Zeiten explodierender Mieten und steigender Energiekosten sind deshalb viele Ältere gezwungen, in eine neue Wohnung zu ziehen oder ihren Lebensstandard deutlich nach unten zu schrauben.

Blickt man auf die sogenannte relative Altersarmut, sind die Zahlen sogar noch deutlicher. Hier werden Ruheständler erfasst, die weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens der Bevölkerung haben. “Median” bedeutet: Bestverdiener und Menschen mit sehr kleinem Einkommen sind hier herausgerechnet, weil sie die Statistik verzerren würden.

Von der relativen Armut sind demnach bereits rund 2,6 Millionen Rentnerinnen und Rentner betroffen: Das ist ungefähr jede(r) sechste! Tendenz steigend. Ihnen stehen weniger als 1.130 Euro Haushaltseinkommen zur Verfügung, andere Quellen als die Rente bereits eingerechnet. Die Zahlen zeigen, dass Vorsorge wichtig ist: Wer eine Betriebsrente oder private Altersvorsorge vereinbart, kann beruhigter seinem Ruhestand entgegen blicken.