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Für Minijobs gilt bisher eine Einkommensgrenze von 450 Euro. Doch das soll sich ab Oktober ändern. Die Grenze soll dann auf 520 Euro angehoben werden. Für derartige Tätigkeiten müssen keine Sozialabgaben gezahlt werden.

Knapp 6,47 Millionen Minijobberinnen und Minijobber gibt es in Deutschland. Sie kellnern im Gastro-Gewerbe, sitten Babys, geben Schülernachhilfe oder helfen älteren Personen im Haushalt. Aus vielen Branchen wären sie nicht wegzudenken – und gerade Studentinnen und Studenten sind oft auf die Tätigkeiten angewiesen, um sich etwas dazuzuverdienen.

Seit 23 Jahren gilt für Minijobs eine Einkommensgrenze von 450 Euro im Monat, die auch über das Jahr verteilt werden kann. Doch das wird sich künftig ändern. Ab Oktober können Minijobber mehr Geld verdienen: die Verdienstgrenze steigt auf 520 Euro im Monat bzw. 6240 Euro im Jahr. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Das entsprechende Gesetzvorhaben habe Bundestag und Bundesrat passiert.

Die Anpassung war unter anderem notwendig geworden, weil auch für Minijobs der gesetzliche Mindestlohn gilt: Deshalb konnten die Menschen in diesen Berufen nur noch kürzere Zeit bzw. weniger Tage arbeiten. Durch die neue Minijob-Verdienstgrenze sind nun 43,3 Stunden Arbeit im Monat möglich.

Wer einen Minijob ausübt, ist nicht verpflichtet, in die Sozialversicherung einzuzahlen. So besteht auch die Möglichkeit, sich von der Rentenversicherungs-Pflicht befreien zu lassen. Das empfiehlt sich jedoch oft nicht, da dadurch im Zweifel Wartezeiten nicht erfüllt werden und Ansprüche aus der Rentenversicherung verloren gehen können. Arbeitgeber, die Minijobber einstellen, müssen jedoch pauschale Sozialabgaben und Steuern entrichten – hierfür ist die Minijob-Zentrale der richtige Ansprechpartner, wo die Beschäftigten auch gemeldet werden müssen.

Auch im Minijob besteht die Pflicht, sich krankenversichern zu lassen. Wird der Minijob zusätzlich zu einem Hauptjob ausgeübt, sind privat Versicherte über diese Tätigkeit abgesichert: an der Versicherung und den Kosten ändert sich nichts. Ist der Minijob die einzige Beschäftigung, muss man sich als hingegen selbst um den Krankenversicherungsschutz kümmern, ob freiwillig gesetzlich oder privat. Wichtig: Arbeitgeber im Hauptberuf müssen einen Minijob genehmigen.

Ist der Beschäftigte in der gesetzlichen Krankenversicherung pflicht-, familien- oder freiwillig versichert, zahlt der Arbeitgeber in der Regel eine Pauschale an die Krankenkasse. Der Solidarbetrag beträgt aktuell 13 Prozent des Arbeitsentgeltes bzw. -bei Arbeit in Privathaushalten- fünf Prozent.

Minijob: Wer kaum was hat, braucht auch nicht in die Rentenkasse einzuzahlen, denken viele. Das ist aber nicht richtig. Mütter, Studenten, Erwerbslose – alle, die sich mit einer kleinen Nebentätigkeit ein bisschen was dazuverdienen, sollten auch Beiträge einzahlen – und damit Ansprüche bei der Rentenversicherung erwerben.

Der Minijob ist für viele notwendig, um über die Runden zu kommen. Das ist nicht viel Geld, aber es hilft. Da es aber so wenig ist und man so viel wie möglich davon haben will, entscheidet man sich nicht selten dagegen, etwas davon in die Rentenversicherung „abzugeben“. Das ist aber gar nicht so schlau, wie die Süddeutsche Zeitung schreibt.

Für das Beispiel eines monatlichen Einkommens von 450 Euro lägen die Beiträge für die Rentenversicherung bei 16.65 Euro, von 200 Euro würde man 7,40 Euro ausgeben. Das ist ja nicht viel. Trotz allem entscheiden sich in der BRD 6,7 Millionen Menschen in Minijobs dagegen, in die Versicherung einzuzahlen.

Rentenvorteile mit 86 Prozent Eigenanteil

Ihre kostbaren Rentenvorteile sind damit verloren. “Viele Minijobber sind gut beraten, das Geld für die Rentenversicherung auszugeben”, erklärt Erich Nöll, Geschäftsführer des Bundesverbands der Lohnsteuerhilfevereine (BDL) in Berlin.

Zwar gibt es seit dem Jahr 2013 in allen Betrieben eine automatische Rentenversicherungspflicht für Minijobber, bei welcher der Arbeitgeber pauschal 15 Prozent einzahlt und der Beschäftigte 3,7 Prozent seines Verdienstes.

Auf den ersten Blick rechnet sich das wirklich nicht. Für das Beispiel des 450-Euro-Jobs würde ja innerhalb eines ganzen Jahres die spätere monatliche Rente um heute gerade mal 4,35 Euro (West) steigen.

Abschlagsfrei in Rente nach Minijob

Und wer sich dann noch der eigenen Beiträge enthält, kommt auf 3,49 Euro und verliert damit also gerade einmal 86 Cent. Darauf kommt es aber gar nicht so sehr an. Ganz maßgeblich aber ist der Fakt, der der einzahlende Minijobber auf diese Weise Pflichtbeitragszeiten für die Rente anhäuft. Und so kann sich gerade für Studenten die sehr wertvolle Situation herstellen, einmal abschlagsfrei in Rente gehen zu können.

Der einfache Grund dafür ist, dass man es mit einem Studium heute selten auf 45 Beitragsjahre schafft, weil man erst ab einem höheren Alter Vollzeit arbeitet. Denn seit 2009 gibt es keine Anrechnung mehr für Studienjahre als Versicherungszeit. Aber doch weiterhin für den Minijob.

Der Eigenanteil kommt ferner dem Ansinnen derjenigen entgegen, die überhaupt einmal eine gesetzliche Rente beziehen wollen, wie Nöll in den Raum stellt. Denn um die zu beziehen, ist eine Mindestversicherungszeit von fünf Jahren grundlegend. So ist es also nicht nur für Studenten interessant, sondern auch für Arbeitslose, weil die arbeitslose Zeit ja nicht als Versicherungszeitraum gerechnet wird. Auch Mütter und Väter, welche nie in die Rentenkasse einzahlten, sollten ihre Rentenbeiträge, so klein sie auch sind, leisten.

Frauen, Arbeitslose, Studenten – alle sollten zahlen

Die Süddeutsche rechnet hier vor, dass eine Frau, die ab 1992 ein Kind auf die Welt gebracht hat, drei Jahre Erziehungszeit gutgeschrieben bekommt, was jedoch für eine Mütterrente nicht genüge. Nun dürfen aber die fehlenden zwei Jahre nachgezahlt werden. Wenn diese Mutter während der Ausübung ihres Minijobs also zwei Jahre lang Pflichtbeiträge leistet, kann sie sich das Nachzahlen sparen.

Die Einzahlung ist sogar dann wichtig, wenn der Minijobber aufgrund gesundheitlicher Motive nicht mehr arbeiten kann. Nach Ablauf von sechs Monaten Beitrag werden Reha-Leistungen möglich und auch nach Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten oder bei Invalidität kann man dann eine Hilfe erwarten bis hin zur vollen Erwerbsminderungsrente.

Minijobber im Privathaushalt müssen allerdings andere Regeln beachten, denn sie müssen den höheren Eigenanteil von 13,7 Prozent zur Rentenversicherung leisten – während keine eigenen Beiträge fällig werden bei minijobbenden Altersrentnern, Ruhestandsbeamten oder Rentnern mit berufsständischer Altersversorgung.

Seit 1. Januar 2015 gilt ein flächendeckender Mindestlohn. Viele Arbeitgeber sahen sich deshalb gezwungen, ihre Löhne anzuheben. Das birgt auch für Frührentner und Minijobber Risiken: Sie müssen überprüfen, ob sie weiterhin ihre Zuverdienstgrenzen einhalten.

Die Deutsche Rentenversicherung rät auf ihrer Webseite allen Frührentnern und Minijobbern dazu, zu überprüfen, ob Zuverdienstgrenzen weiterhin eingehalten werden. Sonst drohen saftige Nachzahlungsforderungen oder im Fall der Frührentner sogar eine Kürzung der Rente.

Frührentner und Minijobber betroffen

Betroffen sind Frührentner, die eine Vollrente erhalten, aber noch nicht die Regelaltersgrenze erreicht haben. Wenn sie im Vorjahr 450 Euro im Monat oder etwas weniger verdient haben, könnten sie im Januar über dieser Zuverdienstgrenze liegen. Schließlich sahen sich viele Arbeitgeber gezwungen, den Lohn infolge der neuen Mindestlohn-Regelungen anzuheben. Im schlimmsten Fall muss dann die Rente gekürzt werden.

Auch Minijobber müssen aufpassen, sofern sie von der Versicherungspflicht in der Rentenversicherung befreit sind. Sie dürfen ebenfalls maximal 450 Euro verdienen. Wer somit seine Arbeitszeit nicht reduziert hat und früher deutlich weniger verdiente, sollte dringend prüfen, ob er durch den erhöhten Stundenlohn sozialversicherungspflichtig wird. Dann müssen Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung gezahlt werden.

Im Einzelfall ist Überschreiten möglich

Aber keine Sorge: Wie die Minijob-Zentrale mitteilt, ist im Einzelfall die Überschreitung der Zuverdienstgrenze möglich. Ein nur gelegentliches und nicht vorhersehbares Überschreiten der monatlichen Arbeitsentgeltgrenze von 450 Euro führt nicht zur Rentenversicherungs-Pflicht.

Als gelegentlich ist dabei ein Zeitraum von bis zu drei Monaten innerhalb eines Zeitjahres anzusehen. In der Regel wird eine Jahresentgeltgrenze von 5.400 Euro für Minijobber angenommen. Auch tarifvertragliches Weihnachts- und Urlaubsgeld sind hierin einzurechnen. Ein Beratungsgespräch hilft, Unklarheiten aus dem Weg zu räumen.