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Mehr als jeder Vierte Rentner in Deutschland verfügt über weniger als 1.000 Euro Einkommen im Alter. Insbesondere Frauen sind von solchen ‘Mini-Renten’ betroffen.

Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, verfügten rund 4,9 Millionen Rentner in Deutschland über ein Nettoeinkommen von weniger als 1.000 Euro im Monat. Das entspricht mehr als jedem vierten Altersruheständler (27,8 Prozent).

Wie die Statistiker weiter mitteilten, liegt der Anteil bei Frauen wesentlich höher: 38,2 Prozent der Rentnerinnen verfügten über ein Nettoeinkommen von unter 1.000 Euro, dagegen nur 14,7 Prozent der Rentner. Insgesamt bezogen 2021 rund 17,6 Millionen Menschen in Deutschland aus Altersgründen eine Rente, zehn Jahre zuvor gab es nur 16,6 Millionen Rentenbezieherinnen und -bezieher. Das bedeutet einen Anstieg von rund 6,02 Prozent innerhalb einer Dekade. Auch der Anteil der Altersruheständler an der Bevölkerung in Privathaushalten stieg – von 20,9 Prozent in 2011 auf 21,4 Prozent in 2021.

Die Armutsgefährdungsquote in der Generation Ü65 kletterte bereits: im Zeitraum von 2018 bis 2021 von 14,7 auf 17,4 Prozent. Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung hat. 2021 lag dieser Schwellenwert laut Statistischem Bundesamt für eine alleinlebende Person in Deutschland bei 15.009 Euro netto im Jahr (1.251 Euro im Monat).

Vorsorge hängt stark vom Nettoeinkommen der Haushalte ab. Wie ausgeprägt dieser Zusammenhang ist, zeigt eine aktuelle Studie.

Zunächst wollten die Studienmacher von den 3.200 befragten Personen wissen, ob sie überhaupt für das Alter sparen. Dies bejahte jeder zweite Teilnehmende (50 Prozent). Sie legen im durchschnitt 271,30 Euro für die private Altersvorsorge zurück. Das ist deutlich mehr als bei vorherigen Umfragen: 2018 waren es im Schnitt noch 230,30 Euro und 2019 schließlich 246,90 Euro.

Dass nur etwa die Hälfte privat für ihr Alter vorsorgen soll, resultiert auch daraus, dass rund ein Drittel der Befragten (34 Prozent) keine Angabe dazu machte, wie viel sie für das Alter monatlich sparen. Hier wurde in der Studie ein konkreter Betrag abgefragt. Denkbar ist, dass ein Teil der Befragten nicht darauf antwortete, weil sie den genauen Betrag nicht wussten. 15 Prozent aller Teilnehmenden stimmten explizit der Aussage zu, dass sie gar keine finanzielle Rücklage für ihr Alter bilden – bzw. bilden können.

Der Durchschnittsbetrag von 271 Euro darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich das Feld der Vorsorgenden stark spreizt. Wie viel zurückgelegt wird, hängt dabei stark vom Haushalts-Nettoeinkommen ab. Grundsätzlich gilt: Je höher das Einkommen, desto höher ist auch der Betrag, der privat für den Ruhestand zur Verfügung steht.

In den einkommensschwächeren Haushalten ist die Zahl jener, die über keine private Altersvorsorge verfügen, besonders hoch. Mehr als ein Drittel (34 Prozent) bis zu einem Nettoeinkommen von 1.500 Euro verfügt über keinerlei entsprechende Rücklagen. Wer weniger als 1.000 Euro netto monatlich verdient, legt im Mittel 26,00 Euro im Monat zurück. Einkommen von 1.000 Euro bis 1.500 Euro investieren immerhin 53,30 pro Monat in ihre Privatvorsorge.

Die Tendenz, dass Besserverdienende auch mehr für ihr Alter vorsorgen, zeigt sich auch bei den weiteren Einkommensklassen:

  • In Haushalten mit 1.500 Euro bis unter 2.000 Euro werden im Mittelwert 129,60 Euro pro Monat für die private Altersvorsorge ausgegeben.
  • In Haushalten mit Nettoeinkommen von 2.000 bis unter 3.000 Euro liegt der Mittelwert für die private Altersvorsorge bei 190,00 Euro monatlich.
  • In Haushalten von 3.000 bis unter 5.000 Euro netto legen die befragten Personen im Schnitt 254,90 Euro pro Monat zurück bzw. investieren das Geld in ihre Altersvorsorge.
  • Wer ein Nettoeinkommen von 5.000 Euro und mehr hat, verwendet im Mittel monatlich 622,70 Euro für die Privatvorsorge.

Die Studienmacher fragten auch danach, ob die Bürger das Gefühl haben, bereits genug für ihre Altersvorsorge zu tun. Das Ergebnis: Nur knapp jeder dritte Bundesbürger (31 Prozent) gibt an, bereits ausreichend für das Alter vorzusorgen. Während in der Generation der 18- bis 30-Jährigen circa jeder Sechste bzw. 16 Prozent aussagt, bereits ausreichend Vorsorge zu betreiben, ist erschreckend, dass zu dieser Einschätzung auch bei über 60-Jährigen nur die Minderheit kommt. 43 Prozent in der Generation Ü60 stimmt demnach zu, genug vorzusorgen, dass es für den Ruhestand reicht.

Jeder vierte Werktätige wird in seinem Leben zumindest einmal berufsunfähig, wie der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft erklärt. Da verwundert es nicht, dass eine Berufsunfähigkeitsversicherung sogar von Verbraucherschützern dringend empfohlen wird. Ein ausreichender Berufsunfähigkeitsschutz sei ein “absolutes Muss”, zu dieser Versicherung gäbe es “praktisch keine Alternative” – dies schreibt sogar die gemeinnützige Verbraucherzentrale NRW.

Dennoch verfügen immer noch zu wenige Menschen in Deutschland über eine dieser wichtigen BU-Policen – rund 14,31 Millionen Personen in 2021 bei mehr als 45 Millionen Erwerbstätigen. Und damit nicht genug. Denn auch jene, die eine BU-Police haben, haben oft eine viel zu geringe Rente vereinbart. Darauf weist ein Beitrag des Gesamtverbands der Versicherungswirtschaft (GDV) hin.

Zu viele Versicherungsnehmer haben zu geringe Renten vereinbart

Eine Auswertung von Daten des GDV ergab: Nur 49 Prozent der Versicherungsnehmer hatten eine Jahresrente von mehr als 10.000 Euro jährlich vereinbart. 10.000 Euro jährlich – das entspricht einer monatlichen Rente von knapp 834 Euro. Der Rentenbetrag solcher Policen ist also keineswegs hoch.

Betrachtet man nun jene, die weniger als 10.000 Euro als jährliche Summe vereinbart hatten, dann lagen viele Versicherungsnehmer zum Teil sogar sehr deutlich darunter. Derart geringe Renten aber sind viel zu gering – und bieten keine genügende Absicherung der Arbeitskraft. Denn eine Faustregel am Markt besagt, dass mindestens zwei Drittel des monatlichen Nettoeinkommens als monatliche Extra-Rente abgesichert sein sollten. In der Regel aber kann man bis zu 80 Prozent des Nettolohns absichern.

Wichtig ist zudem, die individuelle Situation des zu Versichernden im Blick zu behalten. Das gilt besonders dann, wenn eine Familie von einem Hauptverdiener abhängig ist – in solchen Fällen droht bei Berufsunfähigkeit schnell der finanzielle Ruin für die ganze Familie. Aus diesem Grund sollte die Rente so hoch sein, dass auch Mieten, laufende Kosten oder Kredite weiter bedient werden können.

Vorsicht vor halben Renten und Mini-Renten

Manche Versicherungsunternehmen bieten jenen Kunden, die nur teuer eine Police bekommen würden – Handwerker mit riskanten Berufen zum Beispiel – Verträge mit halben Renten an. Aufgrund der geringen Leistung sind dann auch die monatlichen Prämien nicht teuer. Anscheinend soll das nach der Maßgabe passieren: Besser ein sehr geringes Absicherungsniveau als gar keins. Aber Vorsicht: Vor solchen “halben Sachen” muss gewarnt werden.

Der Grund: Im schlimmsten Fall zahlt der Versicherungsnehmer dann regelmäßig nur deswegen eine Prämie, damit sich der Staat bei Berufsunfähigkeit die Grundsicherung spart. Damit Versicherte nicht in solche Fallen tappen und damit es nicht zur Unterversicherung kommt, sollte man sich dringend von einer Expertin oder einem Experten beraten lassen.

Die durchschnittliche Rentenbezugsdauer in der gesetzlichen Rentenversicherung ist auch 2021 erneut gestiegen. 21,72 Jahre lang bezogen Ruheständler demnach ihre Altersrente im Schnitt.

Deutschland altert, die Lebenserwartung steigt. Das wirkt sich auch auf die Bezugsdauer der Altersrenten aus, wie Zahlen der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV) zeigen. 21,72 Jahre lang bezogen Ruheständler demnach 2021 im Schnitt ihre Altersrente, wie aktuell die BILD-Zeitung berichtet. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 21,51 Jahren. Aufgrund der höheren Lebenserwartung haben Frauen eine längere Rentenbezugsdauer von 23,27 Jahren (2020: 23,18 / 2019: 23,09). Bei Männern liegt sie mit 20 Jahren (2020: 19,78) niedriger.

Wie die Zeitung weiter berichtet, sind derzeit 31.351 Rentenempfänger älter als 100 Jahre. Eine Rentenbezugsdauer von 60 Jahren und mehr können 1.200 Rentenempfänger vorweisen. 50 Jahre und länger sind 11.998 Menschen im Rentenbezug.

Erst im Herbst 2021 ließ der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) untersuchen, wie Deutsche ihre Lebenserwartung und damit auch die Rentendauer einschätzen. Zentrales Ergebnis: Die Deutschen unterschätzen ihre Lebenserwartung teilweise deutlich. Jeder fünfte Befragte (19 Prozent) setzt seine Lebenserwartung und damit die Rentendauer um mehr als zehn Jahre zu niedrig an. Mit Blick auf die Altersvorsorge kann das fatale Folgen haben. So warnte Peter Schwark, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des GDV: “Wer die Rentendauer unterschätzt, sorgt möglicherweise unzureichend vor.”

Im Juli 2022 treten wieder Änderungen in Kraft. Rentnerinnen und Rentner erhalten mehr Geld, zudem gibt es Entlastungen bei der Steuer aufgrund eines höheren Grundfreibetrags. Die EEG-Umlage entfällt, was zu leichten Entlastungen bei den Stromkosten beiträgt.

Der 1. Juli bringt für die Bürgerinnen und Bürger wieder einige Änderungen mit sich. Und das merken zunächst die Rentnerinnen und Rentner in ihrem Portemonnaie. Für das Jahr 2022 steht wieder eine Erhöhung der Altersbezüge ins Haus, nachdem im Jahr zuvor die Renten weniger stark stiegen. Im Westen werden die Renten um 5,35 Prozent raufgesetzt, im Osten sogar um 6,12 Prozent. Ein wichtiger Grund für das deutliche Rentenplus ist die Lohnentwicklung: steigen die Löhne, steigen in der Regel auch die Renten. Und hier hatten sich im Vorjahr die Löhne wieder deutlich erholt, nachdem sie im ersten Corona-Jahr 2020 zunächst eingebrochen waren.

Auch bei der Steuer gibt es Änderungen. Hier werden Arbeitnehmer entlastet. Ein Grund ist das sogenannte Steuerentlastungsgesetz 2022, das auch helfen soll, die Bürger angesichts der hohen Inflation zu entlasten. So steigt der Grundfreibetrag bei der Einkommensteuer von derzeit 9.984 Euro um 363 Euro auf 10.347 Euro im Jahr. Die Änderung tritt rückwirkend zum 1. Januar 2022 in Kraft. Wer weniger verdient, der muss bis zu dieser Grenze keine Steuern auf sein Einkommen zahlen. Wer hingegen mehr Lohn erhält, dem bleibt das Einkommen zumindest bis zu dieser Grenze steuerfrei.

Außerdem wird die Entfernungspauschale erhöht: um drei Cent auf 0,38 Euro je vollem Entfernungskilometer. Ursprünglich war dieser Reformschritt erst für die Jahre 2024 bis 2026 vorgesehen, doch angesichts hoher Spritpreise zieht die Bundesregierung diesen nun vor. Die höhere Entfernungspauschale gilt vorerst für die Jahre 2022 bis 2026.

Ebenfalls raufgesetzt wird der Arbeitnehmerpauschbetrag bei der Steuer. Das bedeutet: die Bürgerinnen und Bürger können sich bei der Steuererklärung eine höhere Pauschale für Werbungskosten anrechnen lassen. Das Finanzamt darf den Arbeitnehmerpauschbetrag auch dann nicht kürzen, wenn feststeht, dass keine oder nur geringe Werbungskosten angefallen sind. Dieser Betrag erhöht sich von 1.000 Euro jährlich auf nun 1.200 Euro. Ein Nachweis der Werbungskosten ist nur notwendig, wenn darüber hinausgehende Werbungskosten geltend gemacht werden.

Ausgezahlt werden soll im Juli auch der sogenannte Kinderbonus. Dieser soll zusätzlich zur Energiepauschale von 300 Euro Familien entlasten, da die Energie- und Lebenshaltungs-Kosten deutlich gestiegen sind. Ganze 100 Euro gibt es extra: ob dies ausreicht, um die deutlich steigenden Preise aufzufangen, darf bezweifelt werden. Die Bundesregierung schätzt zum Beispiel, dass sich die Kosten für Gas verdoppeln oder gar verdreifachen könnten. Das werden die Bürgerinnen und Bürger mit der Nebenkosten-Abrechnung im Herbst zu spüren bekommen.

Ebenfalls Teil der Entlastungen ist der Wegfall der sogenannten EEG-Umlage. Sie war gedacht, um den Ausbau erneuerbarer Energien zu finanzieren. Die Kilowattstunde Strom kostet dadurch 3,72 Cent weniger als bisher. Doch viel bringt auch sie nicht. Ein durchschnittlicher Ein-Personen-Haushalt werde dadurch um 35 Euro im Jahr entlastet, so hat der Bayerische Rundfunk errechnet.

Angehoben wird ebenfalls der Pfändungsfreibetrag. Das ist das monatliche Einkommen, das vor Pfändungen geschützt ist, um Menschen mit Schulden ein Existenzminimum garantiert wird. Der Pfändungsfreibetrag steigt von aktuell 1.252,64 Euro auf 1.330,16 Euro. Das bedeutet ein Plus von sechs Prozent.

Der gesetzliche Mindestlohn wird ebenfalls erhöht. Er beträgt seit dem 1. Januar 2022 9,82 Euro pro Stunde. Zum 1. Juli 2022 steigt er planmäßig auf 10,45 Euro.

Die Erwerbstätigkeit von Frauen nimmt zu. Das wirkt sich auch positiv auf ihre zu erwartende Rente aus, wie neue Zahlen der Deutschen Rentenversicherung Bund zeigen.

Frauen, die in die gesetzliche Rente einzahlen, erreichen mittlerweile deutlich längere Versicherungszeiten und höhere Rentenansprüche als noch vor 20 Jahren. Neurentnerinnen, die 2021 in den Altersruhestand wechselten, erreichten durchschnittlich 36,9 Versicherungsjahre. Im Jahr 2001 waren es noch 27,2 Jahre. Das zeigt eine Auswertung der Deutschen Rentenversicherung Bund.

Speziell in Westdeutschland sind die Versicherungszeiten deutlich angewachsen, da hier bis Anfang der 90er Jahre das Hausfrauenmodell in der Ehe vorherrschte: Frauen waren eher bereit, für Erziehung, Pflege und Familie auf Erwerbsarbeit zu verzichten. 1991 betrug die Erwerbstätigenquote westdeutscher Frauen laut Statistischem Bundesamt noch 54,6 Prozent, während sie 2020 schon bei 71,4 Prozent lag. Das spiegelt sich auch in den Versicherungsjahren wieder: westdeutsche Neurentnerinnen konnten 2021 35,4 Versicherungsjahre vorweisen. 2001 lag dieser Wert noch bei 23,8 Jahren.

Ostdeutsche Frauen wiesen hingegen bereits 1991 eine Erwerbstätigenquote von 66,7 Prozent auf, da in der DDR mehr Frauen in Arbeit waren. Die Quote sank zwar in den Nachwendejahren leicht, als viele Ostbürgerinnen und -bürger mit Arbeitslosigkeit zu kämpfen hatten. Doch stieg sie ab 2005 wieder stark an. 2020 betrug die Erwerbstätigenquote bei Frauen in Ostdeutschland 74,2 Prozent. Folglich erreichen ostdeutsche Frauen auch längere Versicherungszeiten in der gesetzlichen Rente: Kamen sie 2001 im Mittel bereits auf 40,9 Versicherungsjahre, so waren es 2021 sogar 43 Jahre.

Neurentnerinnen erhielten 2020 im Schnitt 826,72 Euro Monatsrente

Die Rentenhöhe hängt aber neben der Beitragsdauer auch von der Lohnhöhe ab. Wer immer zum Durchschnittslohn gearbeitet hat, erhielt 2021 in West 34,19 Euro Monatsrente für jedes Erwerbsjahr. Doch als erwerbstätig gelten nach der offiziellen Definition bereits Personen, die mindestens eine Stunde pro Woche einer bezahlten Arbeit nachgehen.

Neben der gestiegenen Erwerbstätigkeit wirkte sich auch positiv für Frauen aus, dass Kindererziehungszeiten mit der Mütterrente vermehrt als Versicherungszeit anerkannt werden: Mütter mit vor 1992 geborenen Kindern erhalten je Kind 2,5 Jahre zum Durchschnittslohn bei der gesetzlichen Rente angerechnet.

Doch all das zusammen genommen ist noch längst kein Grund, die Altersvorsorge zu vernachlässigen. Denn für eine auskömmliche Rente sorgen die längeren Versicherungsjahre hingegen oft nicht.
Wer im Jahr 2020 neu in Altersrente ging, erhielt im Schnitt 988,57 Euro monatliche Rente. Männliche Neurentner erzielten im Schnitt 1.170,83 Euro im Monat, Frauen hingegen 826,72 und damit im Schnitt 347,11 Euro weniger.

32 Prozent der Deutschen wollen nicht bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter arbeiten. Doch Zeitwertkonten werden kaum genutzt.

Fast jeder Dritte Deutsche (32 Prozent) plant, vor dem gesetzlichen Renteneintrittsalter (65 bzw. 67 Jahre) aus dem Berufsleben auszuscheiden.

Doch wie soll das finanziert werden? 47 Prozent der Befragten, die vorzeitig in Ruhestand gehen wollen, zahlen regelmäßig in eine private Altersvorsorge-Lösung ein. 36 Prozent nutzen eine betriebliche Altersversorgung (bAV) über den Arbeitgeber. Aus Sicht von 32 Prozent derjenigen, die nicht bis zur Regelaltersgrenze arbeiten wollen, soll ein Sparkonto helfen, diesen Wunsch zu erfüllen.

Doch nur sieben Prozent nutzen ein Zeitwertkonto für den früheren Ruhestand. Mit einem solchen ‚Konto‘ können Wertguthaben für Freistellungen über einen längeren Zeitraum angespart werden. Angestellte können einen fixen Teil ihres Gehalts sowie Überstunden oder nicht in Anspruch genommene Urlaubstage in das Zeitwertkonto einzahlen, um damit zum Beispiel einen früheren Renteneintritt zu finanzieren. Auffällig: Während nur drei Prozent der Zeitwertkonten-Nutzer weiblich sind, sind es bei den Männern immerhin 12 Prozent.

Ein möglicher Grund für die geringe Nutzung: Das Zeitwertkonto ist vielen nahezu unbekannt. Der Begriff “Zeitwertkonto” sagt nur gut jedem Vierten (28 Prozent) etwas – Älteren dabei weitaus häufiger als Jüngeren: Fast jeder Zweite (47 Prozent) der jüngeren Berufstätigen zwischen 18 und 24 Jahren hat den Begriff noch nicht gehört, ebenso 38 Prozent der 25- bis 34-Jährigen.

Dabei könnten sich 60 Prozent der Berufstätigen – über alle Altersgruppen hinweg – vorstellen, ein Zeitwertkonto zu nutzen, wenn der Arbeitgeber dies anbieten würde.

Die verwendeten Daten stammen aus einer Umfrage unter 2.000 berufstätigen Deutschen ab 18 Jahren, die im Auftrag von Fidelity International vom Marktforschungsinstitut YouGov Deutschland GmbH durchgeführt wurde.

Wie hält es der Partner mit der Altersvorsorge? Das wollen nur 31 Prozent der Deutschen wissen, obwohl die Mehrheit der Befragten angibt, dass innerhalb einer Beziehung offen über Finanzen gesprochen werden sollte.

Wie gehen Deutsche in ihren Partnerschaften mit Geld um? Werden gemeinsame Entscheidungen besprochen und bei welchen Themen besteht Redebedarf? Diese Fragen wollte ein Finanzvertrieb mittels Umfrage klären.

‚Innerhalb einer Beziehung sollte offen über Finanzen gesprochen werden” – dieser Aussage stimmen 88 Prozent der Deutschen zu. Gesprächsbedarf gibt es vor allem bei den monatlichen Fixkosten: 61 Prozent der Menschen in Deutschland halten es für wichtig, sich mit der Partnerin bzw. dem Partner über die monatlich anfallenden Kosten auszutauschen. Rund jede zweite Person (53 Prozent) findet, dass über Kredite oder Schulden offen gesprochen werden sollte. 44 Prozent der Menschen in Deutschland wünschen sich Klarheit über das monatlich verfügbare Nettoeinkommen ihrer Partnerin und ihres Partners. Die Liquidität des jeweiligen Gegenübers interessiert die Menschen ebenfalls. So will mehr als ein Drittel (36 Prozent) der befragten Personen offen darüber sprechen, wie hoch die aktuelle Summe auf dem Girokonto der Partnerin bzw. des Partners ist.

Doch diese Offenheit endet bei der Altersvorsorge. Denn nur 31 Prozent der Menschen in Deutschland möchten wissen, welche Maßnahmen zur Altersvorsorge die Partnerin bzw. der Partner bereits getroffen hat. Dazu zählt ebenfalls, ob Familienangehörige bereits für das Alter der Partnerin/ des Partners vorgesorgt haben. 27 Prozent möchten wissen, über welche Kapitalanlagen der/die Partner/-in verfügt. Ob eine Erbschaft gemacht wurde, ist nur noch für 15 Prozent interessant. Fondsbasierte Rentenversicherungen oder ob und in welche ETF-Sparpläne und Aktien hingegen investiert wird, interessieren 18 Prozent.
Für jede fünfte befragte Person (21 Prozent) ist es wichtig, sich mit der Partnerin/ dem Partner offen über Risikoversicherungen wie beispielsweise eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu unterhalten.

Über die Studie: Die verwendeten Daten beruhen auf einer durch Swiss Life Select beauftragten Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 2.047 Personen im März 2022 teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.

Die geplante Erhöhung der Altersrenten und Verbesserungen für Erwerbsminderungsrenten wurden am Freitag auch vom Bundesrat gebilligt. Damit ist die letzte parlamentarische Hürde genommen.

Das ‚Rentenanpassungs- und Erwerbsminderungsrenten-Bestandsverbesserungsgesetz‘ hebt zum 1. Juli 2022 den aktuellen Rentenwert auf 36,02 Euro und den aktuellen Rentenwert (Ost) auf 35,52 Euro an. Damit steigen die Renten im Westen um 5,35 Prozent und im Osten um 6,12 Prozent. Die Zahlen beruhen auf Daten zur Lohnentwicklung des Statistischen Bundesamts sowie den Daten für die Berechnung des Nachhaltigkeitsfaktors und zur Entwicklung der beitragspflichtigen Bruttolöhne und -gehälter von der Deutschen Rentenversicherung Bund.

Gilt wieder: Der Nachholfaktor

In diesem Jahr wurde dabei der so genannte Nachholfaktor reaktiviert: Dieser sorgt dafür, dass künftig wieder jede aufgrund der Rentengarantie unterbliebene Rentenkürzung bei einer darauffolgenden positiven Rentenanpassung verrechnet wird. In der Corona-Pandemie war der Nachholfaktor ausgesetzt worden.

Zuschlag für Erwerbsminderungsrente

Erwerbsminderungsrentnerinnen und -rentner im Bestand, die von bisherigen Leistungsverbesserungen nicht erreicht wurden, profitieren ab 1. Juli 2024 von einem pauschalen Zuschlag an persönlichen Entgeltpunkten. Die Zuschlagshöhe richtet sich danach, wann erstmalig eine Erwerbsminderungsrente bezogen wurde.

Weitere Anpassungen

Zudem bestimmt das Gesetz für die Zeit ab 1. Juli 2022 die allgemeinen Rentenwerte in der landwirtschaftlichen Alterssicherung, die Mindest- und Höchstbeträge des Pflegegeldes der gesetzlichen Unfallversicherung sowie den Anpassungsfaktor für Geldleistungen der gesetzlichen Unfallversicherung.

Zuschuss für Künstlersozialversicherung

Die Künstlersozialversicherung erhält nochmals einen staatlichen Stabilisierungszuschuss in Höhe von knapp 59 Millionen Euro, um die Folgen der Corona-Pandemie abzufedern und eine Steigerung der Künstlersozialabgabe zu dämpfen. Diese Ergänzung des ursprünglichen Gesetzentwurfs wurde erst im Lauf der Bundestagsberatungen beschlossen.

Wurde das Gesetz vom Bundespräsidenten unterzeichnet und im Bundesgesetzblatt verkündet, kann es wie geplant zum 01. Juli 2022 in Kraft treten.

Viele Selbstständige sorgen gar nicht oder nicht ausreichend für ihr Alter vor. Eine Altersvorsorge-Pflicht könnte das ändern, denn die Ampel-Regierung hat eine solche im Koalitionsvertrag festgeschrieben. Dennoch gilt: komplett verzichten sollte man auch ohne diese Pflicht nicht.

Wenn man fragt, welche Menschen in Deutschland besonders von Altersarmut bedroht sind, mag eine Antwort überraschen: Es sind überproportional Selbstständige. Bereits vor einigen Jahren hat eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin gezeigt, dass 700.000 Unternehmer keine oder keine ausreichende Altersvorsorge haben. Und immer öfter gibt es Erwerbsbiographien, wo der Status gar nicht sicher ist oder wechselt: mal selbstständig, mal angestellt oder gar beides zusammen. Die Coronakrise hat das Problem verschärft. Bei einer repräsentativen YouGov-Umfrage 2021 gaben 46 Prozent der Selbstständigen an, aktuell weniger oder gar kein Geld für die Altersvorsorge zurücklegen.

Ein Grund ist, dass viele Selbstständige nicht verpflichtet sind, in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen. Wobei Existenzgründer auch hier aufpassen müssen. Ob man von der Versicherungspflicht befreit ist, hängt nämlich auch von der Tätigkeit ab. Der Sozialversicherungspflicht unterliegen zum Beispiel Handwerker und Hausgewerbetreibende, Künstler und Publizisten, Hebammen und freiberufliche Lehrer sowie Selbstständige mit einem festen Auftraggeber. Die Regeln hierfür finden sich im Sozialgesetzbuch VI (SGB VI, Paragraph 2).

Natürlich haben auch Selbstständige die Möglichkeit, sich über die gesetzliche Rente abzusichern. Das empfiehlt sich zum Beispiel, wenn man schon Anwartschaften erworben hat und nicht auf Ansprüche verzichten will. Selbstständige können auf Antrag in der Rentenversicherung pflichtversichert werden: innerhalb von fünf Jahren nach der Existenzgründung. Alternativ können sie sich auch freiwillig versichern. Die Aufwendungen lassen sich gegenüber dem Fiskus als Sonderausgaben geltend machen. Hierfür ist 2022 ein Höchstbetrag von 25.639 Euro vorgesehen: maximal sind in diesem Jahr 94 Prozent absetzbar.

Drohende Altersvorsorgepflicht: Rechtzeitig informieren!

Alternativ ist es für Unternehmer, die sich nicht pflichtversichern müssen, auch möglich, eine entsprechende Privatvorsorge zu wählen. Viele Unternehmer sorgen etwa mit einem Misch aus Aktien und Fonds, Immobilien und privaten Rentenversicherungen vor, wie Studien im Auftrag der Bundesregierung zeigen. Die Möglichkeiten sind vielfältig und hängen unter anderem von Risikoneigung, dem finanziellen Wissen und der Lebenssituation ab.

Das wird auch bald für jene aktuell werden, die bisher auf Altersvorsorge verzichten. Denn die Ampelkoalition plant eine Altersvorsorgepflicht: so steht es im Koalitionsvertrag. Die Umsetzung sollte ursprünglich bis 2024 erfolgen. Fraglich ist aber, ob Corona-Krise und Ukraine-Krieg die Pläne nicht doch ausbremsen könnten.

Vorgesehen ist nach den bisherigen Modellen, dass Selbstständige zukünftig gesetzlich rentenversichert sind – solange sie nicht widersprechen und eine private Alternative nachweisen. Dass viele Unternehmer hierzu keinen Anreiz sehen -erst recht, wenn sie kein großes Einkommen haben- zeigen Berechnungen der DRV für das “Handelsblatt”. Um eine Bruttorente von 933 Euro zu erzielen, was -abzüglich der zu erwartenden Sozialabgaben im Rentenalter- in etwa der Grundsicherung entspricht, müssten sie nach derzeitigem Stand 45 Jahre lang monatlich 370 Euro einzahlen: oder 30 Jahre lang 550 Euro im Monat. Das sind knapp 200.000 Euro, um eine Rente auf aktuellem Grundsicherungs-Niveau zu erreichen.

Es ist also vorgesehen, dass die Unternehmer auch eine private Vorsorge präsentieren können: und diese Alternative lohnt sich zu prüfen. Genaue Details sind zwar noch nicht bekannt, einen konkreten Gesetzentwurf gibt es noch nicht. Aber diese Vorsorge soll nach dem Willen der Bundesregierung “insolvenz- und pfändungssicher” sein. Hier können sich private Rentenversicherungen empfehlen: eine Basis- oder Rüruprente ist zumindest in bestimmtem Umfang und unter bestimmten Bedingungen vor Insolvenz geschützt.